Loveless Fascination
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Starship
Label: Loud & Proud Records
Erscheinungsdatum: 23.09.2013
Laufzeit: 46:49
Bewertung: 4.5/5
Nach 24 Jahren! Ein neues Starship-Album! Könnt ihr’s fassen? Starship mit Mickey Thomas, dem Leadsänger außergewöhnlicher Hits wie Jane (Jefferson Starship), Layin‘ It On The Line (Jefferson Starship), No Way Out (Jefferson Starship) sowie We Built this City (Starship) und Sara (Starship). Zunächst muss ich gleich eines hervorheben. Das Warten hat sich absolut gelohnt. Denn dieses Album ist schlicht großartig, und deshalb steht dahinter der absolut glaubwürdige Name Starship! Fans sowohl von Starship als auch von Jefferson Starship – ihr werdet begeistert sein. Das Album ist eine außergewöhnliche Mischung aus konzeptioneller Tiefgründigkeit, die ausgefeilt abgerundete Songs mit klar ausgearbeitetem Charakter mitbringt. »Loveless Fascination« ist ein Schmelztiegel mehrerer Musikgenres, die sich einzigartig in der unverwechselbaren Art-Rock-Visitenkarte der Band verflechten, in der man erneut das verfeinerte Pop-Sentiment nicht überhören kann.
Thomas hat an diesem Album an jeder noch so kleinen Kleinigkeit gefeilt. Er wollte ein perfektes Album. Und das spürt man. Zwar ist es kein perfektes Album, doch der Mann hat alle kreativen Kräfte darauf gerichtet, diesem Ideal so nah wie möglich zu kommen. Deshalb belohnt dieses Album den Hörer beständig mit dem studiomäßig ausgefeilten Klangcharakter und den kompositorischen Qualitäten. Damit schließen Starship ihren Entwicklungskreis und kehren zum retro-klingenden – oder besser gesagt organisch klingenden – Ton zurück, der das Paradepferd der Albumproduktionen der Siebzigerjahre war. Thomas hat also kurz mit den Elementen seines Solo-Studioalbums »As Long as You Love Me« (1976) geflirtet, aber auch mit dem Œuvre, das er in den Siebzigern noch als Mitglied der Elvin Bishop Band hinterlassen hat!
Da Thomas ein Perfektionist ist, arbeitet er eben mit Perfektionisten zusammen. Für dieses Album lud er den erfahrenen Multi-Instrumentalisten und Produzenten Jeff Pilson (Foreigner) zum abschließenden Feinschliff am Material ein, und diese Zusammenarbeit hat am Ende ein Album hervorgebracht, das sogar Züge des aktuellen Foreigner-Albums »Can’t Slow Down« (2009) trägt. Das lässt sich nicht nur in den Produktionselementen der außergewöhnlichen Entfaltung einer natürlich klingenden Klanglandschaft erkennen, die zwischen »Loveless Fascination« und dem letzten Foreigner-Album punktuell angenähert sind, sondern auch in einzelnen Arrangements. Darauf macht schon der Opener It’s Not The Same As Love aufmerksam.
Trotz des außergewöhnlichen Bombast-Elements, das in den Refrain-Melodien zum Vorschein kommt (dabei sticht zweifellos der großartige Titeltrack heraus), liegt die Stärke dieses Albums in der bereits erwähnten organischen Schwere der starken Klangfarben-Kontraste zwischen den Klangelementen. Das verfeinerte Gleichgewicht wurde durch geschicktes Kolorieren der Leitmotive und das Hinzufügen von Chorharmonien nach dem Vorbild der größten Meister und ihrer Tugend erreicht. Die klangliche Wärme des Hammond-Orgel-Teppichs wirkt auf diesem Album völlig selbstverständlich. Besonders in der verträumten What Did I Ever Do?, wo sich ein kontrastierendes »Slide«-Muster auf der Gitarre dazugesellt. Letzteres, ausgestattet mit einem lebhaften Chorus-Effekt, verleiht diesem Song sogar eine Prise Psychedelik.
Mickey Thomas bleibt ein fantastischer Vokalist! Seine ausdrucksstarke Bandbreite der Gesangsinterpretation reift wie Wein. Mit den Jahren wird er nur besser. Die Interpretation umfasst ein feines Gespür für das punktuelle Hinzufügen improvisierter »Biegungen« in den Leitmotiven sowie eine überzeugende Kraftübertragung aus den mittleren in die höheren und höchsten Lagen. Thomas geht nämlich keineswegs die Luft aus! Die Gesangsinterpretation des Albums ist der Hauptantriebsmotor, der für die dynamische Entwicklung des Geschehens und das Aneinanderreihen farbenfroher Kontraste zwischen den eingefangenen Stimmungslagen des Albums sorgt.
Es ist ein großartiges Art-Rock-Dokument, das Mickey Thomas den Massen nach vierundzwanzig Jahren als ihr großer Schuldner liefert. Routine, Erfahrung und das Ziel einer klar ausgearbeiteten musikalischen Vision! »Sie haben Träume gebaut, und nichts hält sie auf«, wenn ich mir Verse aus der jüngeren Rock-Geschichte ausleihe, die Starship mitgeschrieben haben. Dieses Album ist ein großartiger Auftakt einer neuen Geschichte für Mickey Thomas. Ein Album, das in Sachen Vollendung und starker inhaltlicher Substanz aller Songs nicht aufhört zu begeistern. Von Anfang bis Ende. Totale Faszination, die ihr gleichermaßen genießen könnt – ob ihr anspruchsvolle Hörer seid, die euren Ohren nur das Beste gönnt, oder ob ihr weniger verwöhnte Musikfans seid, denn das Album ist eine außergewöhnliche Mischung aus Rock-Energie und dem ausgewogen veredelten Gespür für die Verbreitung großer Melodien! Etwas, das Mickey Thomas schon immer in sich getragen hat und jenes Zünglein an der Waage, das die Musik von Starship (und auch von Jefferson Starship) stets mitreißend gemacht hat. Die prägnanten Gesten der arrangementspezifischen Feinmechanik bleiben also an ihrem Platz! Nur dass sie im Jahr 2013 noch reifer durch den musikalischen Ausdruck hervortreten.
Besetzung
Mickey Thomas – Gesang, Hintergrundgesang
Stephanie Calvert – Gesang, Hintergrundgesang
John Roth – Gitarre, Hintergrundgesang
Phil Bennett – Keyboards, Hintergrundgesang
Jeff Adams – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Darrell Verdusco – Schlagzeug
Produktion
Jeff Pilson & Mickey Thomas
Trackliste
01. It’s Not The Same As Love
02. How Do You Sleep
03. Loveless Fascination
04. What Did I Ever Do
05. Technicolor Black And White
06. Where Did We Go Wrong
07. Nothing Can Keep Me From You
08. How Will I Get By
09. You Never Know
10. You Deny Me