Uantauantauantanara

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Lolita
Label: ZARŠ Records
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 62:32
Bewertung: 4/5

Es heißt, das sei ihr 13. Studioalbum nach insgesamt 27 Jahren Bandgeschichte (das 28. läuft bereits). Nicht schlecht. Meine Damen und Herren, mit allem gebührenden Respekt! Vor uns liegt das neue Studioalbum des slowenischen Experimental-Jazz-Ensembles Lolita. Für die Band galt von jeher eine wirkungsvolle musikalische Provokation, gewürzt mit einer spürbaren Dosis eklektischen Inhalts.

Am Steuer von Lolita stehen auch heute noch zwei Gründungs- und Originalmitglieder: Saxofonist Primož Simončič und Bassist Iztok Vidmar. Die Band agierte im ersten Teil ihrer Karriere größtenteils als Trio, in den letzten Jahren ist sie zu einem Quintett herangewachsen. Damit einhergehend hat sich über die Jahre auch die musikalische Vision der Gruppe erweitert und ihr musikalisches Repertoire entsprechend gewandelt. Im Einklang mit der Reifung der Musiker. Entwicklung ist die einzige Konstante bei Lolita. Und das neue Album bestätigt das. Die neue Lolita agiert in ihren Arrangements völlig losgelöst und entspannt, sodass die Form gelegentlich vollständig der spontanen Improvisation überlassen wird. Das neue Album wirkt oft wie ein Abdruck des Moments, in dem der spontane Impuls entstand, das herauszulocken und zu transformieren, was den Künstler durch das musikalische Universum trägt — festgehalten in Form einer Audio-Aufnahme auf den Bändern des Studios. Nicht selten passiert es, dass die Band in einer bereits aufgebauten Form »auseinanderfällt« und die Musik extrem fragmentiert und aufgelockert wird, um sich dann aus den Splittern vieler Informationen einer freigeistigen, expressiven »Zerstreutheit« schrittweise wieder zu einem Ganzen zusammenzufügen und erneut einen greifbaren Charakter der Prägnanz zu gewinnen (unser logisches Wahrnehmungsprinzip, das wir beim Musikhören überwiegend anwenden, versteht dies als ausgearbeitete Form einer musikalischen Phrase oder eines Motivs).

Vor allem war die neue Sängerin Neža Trobec zunächst ein echtes Rätsel. Die Band hat ihre Gesangstalente als zusätzliches Instrument eingesetzt. Zum weiteren Entblößen, Kontrastieren und Beleben der ohnehin schon weich angelegten Grundstruktur frei rotierender Jazzformen, die auf die Erkundung unerforschter musikalischer Dimensionen abzielen. Neža bedient sich nur selten klassischer Gesangsinterpretation (Singen mit Text) — ihr Zugang ist vielmehr der vollständige Einsatz der Stimmcharakteristik in der Funktion eines Instruments, wobei sie allerlei Tricks im Verbiegen ihrer Stimmbänder anwendet. Völlig spontan und ohne besondere konzise Planung. Ganz im Stil freier Improvisation.

Das Album »Uantaunataunatanara« ist zweifellos ein stilistischer und auch klanglich neuer Schritt in der Karriere der Band, der ihr die Entdeckung neuer musikalischer Weiten eröffnet und das musikalische Repertoire zugunsten einer noch intensiveren Auseinandersetzung mit freien Jazz-Formen und sogar avantgardistischer Musik erweitert. Für den durchschnittlichen Hörer wird das Album ein handfester Knochen zum Nagen sein, denn es kriecht unglaublich langsam unter die Haut. Gleichzeitig ist genau diese erkundungsfreudige Freiheitsliebe und stilistische Unbeschwertheit, die Lolita in der neuen Zeit effektiv mit der Vergangenheit ihres Schaffens verbunden hat, das Garant für eine erfolgreiche Transformation des musikalischen Repertoires auf ein höheres künstlerisches Niveau. Und ganz sicher auch das Garant dafür, dass du den Reiz der reichen musikalischen Information, die es liefert, noch lange erforschen wirst — und das Album dich dafür reich belohnen wird.

Besetzung

Primož Simončič – Saxofon
Iztok Vidmar – Bassgitarre
Lado Jakša – Saxofon, Keyboards
Matjaž Sekne – Violine
Uroš Srpčič – Schlagzeug
Neža Trobec – Gesang 

Produktion

Lolita

Tracklist

1. Duhci (12:12)
2. Dnevna… (06:25)
3. …soba (09:43)
4. Uantauantauantanara (09:45)
5. Luna (07:36)
6. Saxafonia (02:03)
7. Pikalapokkala 08:37
8. Recesijskaa (00:00)
9. Devetka (05:21)

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