Traveller

0 8

Künstler: Vaughn, Danny
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2007

Danny Vaughn ist ein Mann mit ordentlich Rock-Erfahrung auf dem Buckel. Seine Unschuld als Sänger hat er bei einem der besseren Alben von Waysted verloren, „Save Your Prayers“ (1986). Übrigens wurde Waysted von Pete Way gegründet, dem Bassisten der legendären UFO, nachdem diese nach dem Abgang von Michael Schenker ihren (kommerziell erfolgreichen) Glanz eingebüßt hatten. Danny versuchte sein Glück später mit mehr Erfolg bei den amerikanischen Melodic-Hardrockern Tyketto, mit denen er eines der meistgeschätzten Alben des Genres aufnahm, nämlich das Tyketto-Debüt „Don’t Come Easy“ (1991). Tja, und weiter geht’s mit seiner dritten Band Vaughn. Die wirkt im Gegensatz zu Pomp, Glam und Glitzer von bizarrem Ausmaß um die Wende der Achtziger zu den Neunzigern bodenständiger und mit einem direkteren, rohen Sound.

„Traveller“ ist für Danny eine Wiedergeburt. Es ist ein Soloalbum, begleitet wird der Mann aber von einer Truppe erfahrener britischer Rocker. Auch wenn die Jahre gekommen und gegangen sind, ist der Hauch von Tyketto wie auch von Vaughn auf „Traveller“ mehr als deutlich spürbar.

Der Unterschied in der neuen Produktion ist offensichtlich! Danny hat das Gitarrenriffing im Gesamtbild des Sounds etwas aufgedreht und dem Album einfach eine Prise Modernes mitgegeben. Kurz: Vor uns liegt ein äußerst melodisches und flüssiges Album, das in den Händen irgendwelcher Glattpolierer garantiert richtig arenamäßig bombastisch klingen würde, doch davon hält es der lebendige, natürliche Produktionssound fern, dazu die etwas tiefer gestimmten Gitarren, ihr leicht verschmutzter, angegroovter Klang, alles aber im klassischen Hardrock-Stil gefahren, der der Jagd nach großen Melodien folgt. Also die Achtziger mit einer Prise Moderne. „Traveller“ bleibt damit nach wie vor am nächsten an Vaughn und auch an Tyketto. Einfach wegen der Kompositionen selbst, die stilistisch nicht so weit auseinanderliegen, dass man sie nicht verbrüdern oder ihren gemeinsamen Schöpfer nicht erkennen könnte.

„Traveller“ ist nach allem bisher Gesagten außerdem ein äußerst reifes Album. Ein kompaktes Album. Die Songs schwanken nicht in der Qualität, sondern stehen gleichwertig nebeneinander. Wenn du das Album mehrmals hörst, merkst du schnell, dass die Songs ein besonderes Band verbindet, und am sinnvollsten hörst du es, indem du es immer von Anfang bis Ende durchhörst. Tatsächlich bekommst du so das Gefühl, selbst auf Reise zu sein, und der Hörer wird dadurch wirklich zum Wanderer („Traveller“).

Ob das ruhiger ausgerichtete Touch Of Your Hand oder Measure Of A Man, überhaupt die gefühlvolle, weiche Ballade Think Of Me In The Fall, in der die warme, emotionale Note von Dannys Gesang heraussticht, bis hin zum Opener Miracle Days, einem Feier-Song – überall wirkt Vaughn völlig überzeugend, mit einem hervorragenden Gespür für eine solide Aussagestruktur, als Sänger – Interpret und zugleich als Autor des Materials. Durchweg pflegt er eine echte, funkelnde melodische Komponente, ohne „Zuckerguss“, der dem Ganzen die Ernsthaftigkeit nehmen würde. Dann gibt es aber auch Songs, die in ihrer Struktur direkt in Richtung Tyketto oder Vaughn ziehen (Lifted). In Lifted kommt in einem gefühlvoll gewürzten Refrain eine weitere Qualität zum Zug. Den Refrain hebt in seiner Atmosphäre meisterhaft die Unterstützung von Dannys Leadgesang durch mehrstimmige Backing-Harmonien im Hintergrund. Die Atmosphäre wechselt auch dynamisch durch die ganze Platte. Auf Lifted folgt in Warrior’s Way ein Riff von viel aggressiverer Sorte, das den Hörer aus dem Traum reißt und das Adrenalin im Blut nur leicht ansteigen lässt, mit einem Höhepunkt wieder in einem perfekt ausgefeilten, melodiegeladenen Refrain. Mit Death Of The Tiger erreicht das Album, kompositorisch wie auch in der Aussage, einen seiner Höhepunkte. –Die Wortschöpfung Death Of A Tiger bedeutet eigentlich, dass eine persönliche Erkenntnis dein Ego überwächst, du es abwirfst oder, wie man so schön sagt, und besser gesagt: du nimmst es an die Kette, und nicht er dich. Danny Vaughn beweist mit diesem Song am direktesten auf „Traveller“ seine spirituelle Reife. Das Album beschließt die (überraschend) akustisch beruhigte Better By Far, die dem Abschluss dieses farbenfroh verdichteten Werks unglaublich gut tut.

Wie gesagt, es ist ein Album, das man von der ersten bis zur letzten Sekunde am Stück hören muss, ohne Pausen, ohne „Skippen“ zwischen den Tracks: einfach die Scheibe in den CD-Player schieben und schon geht’s auf die Reise. „Traveller“ ist ein Album, über das sich alle Tyketto- und Vaughn-Freunde freuen werden. Genauso ist es jedem Neugierigen zu empfehlen, denn es ist ein ausgereiftes melodisches Hardrock-Album, das in keiner Hinsicht rausgeschmissenes Geld ist, denn hier regiert die Reife der Komposition, durchtränkt von einem außergewöhnlichen Gespür für Melodie, und so ist es ein äußerst gut hörbares Album, das ein bisschen mehr hat. Das gewisse Etwas, das die Erfahrung mitbringt. Es ist ein persönliches, bekennendes Album, das von einem optimistischen Geist getragen wird. Wie erwähnt: ein Album des Dankes an die Schöpfung, ein Album zur Feier des Lebens. Ein Album, das enorme Reife beweist und ein Wiedersehen mit einem Gefühl von Frische bietet, die Danny Vaughn noch immer höchst überzeugend aus sich heraus ins Reich der Rockmusik zu gießen vermag.

Besetzung

Danny Vaughn – Gesang, Akustikgitarre, E-Gitarre, Mandoline, Keyboards
Tony Marshall (Contagious) – Gitarre, Backing Vocals bei #4
Par Heath (Brave New World) – Gitarre
Steve McKenna (Ten) – Bass
Lee Morris (Paradise Lost) – Schlagzeug

Produktion

Danny Vaughn

Trackliste

1. Miracle Days
2. Badlands Rain
3. Traveller
4. Restless Blood
5. That’s What She Says
6. Touch Of Your Hand
7. Lifted
8. Warrior’s Way
9. Measure Of A Man
10. Think Of Me In The Fall
11. Death Of The Tiger
12. Better By Far

Spielzeit: 55.01

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