Traveller

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Jorn
Label: Frontiers Records
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 50:49
Bewertung: 4/5

Die Rezension des Albums der norwegischen Jorn ist eigentlich eine Wiederholung der Erkenntnisse aus früheren Rezensionen dieser Band. Und hier haben wir nun das achte Studioalbum der Gruppe, angeführt vom nach wie vor exzellenten Vokalisten Jorn Lande. Ein waschechtes Hard-Rock-Album, zugeschnitten nach dem Vorbild der klassischen Hard-Rock-Schule von Dio, Black Sabbath (Dio/Martin era), Whitesnake und auch Rainbow – das ist also auch bei »Traveller« keine neue Erkenntnis. Jorn Lande pflegt seine begeisterte Obsession mit Werk und Person von Ronnie James Dio auch darauf. Überraschungen im Arrangement gibt es also keine.

Jorn Lande ist ein Typ, der seine Vocals bis heute auf sage und schreibe über 40 Studioarbeiten verewigt hat. Bestens bekannt ist er den Fans der Studioarbeiten der Projekte Allen/Lande, Ayreon und Avantasia sowie der Rockoper Nostradamus des bulgarischen Gitarrenvirtuosen Nikolo Kotzev. Die Stimme von Jorn Lande ist das »felsenfeste« Element der Veröffentlichungen exzellenter Bands wie unter anderem Masterplan, Ark und Beyond Twilight. Jorn Lande bleibt auch mit dem neuen Album seiner Band Jorn genau auf jenen Positionen, wo sein vokaler Charakter die größte Ausdruckskraft entfaltet.  

Angesichts der dichten Veröffentlichungsfolge der Band Jorn ist ein Vergleich nur untereinander – also zwischen den Jorn-Produkten – sinnvoll. Alle sind mit den Werken der Rock-Pioniere beladen. Alle sind »schwarz«. Die einen weniger, die anderen mehr. Das neue Album klingt härter als sein Vorgänger »Bring the Heavy Rock to the Land« (2012), und ist vor allem in den Gitarren-Soli deutlich beweglicher. Es wirkt sehr direkt und mitreißend in der Gestalt der tragenden Gitarren-Phrasen. Das bedeutet, dass die halbtonige Formatierung einiger tragender Riffs – inspiriert vom Pioniergeist der Kreationen Tony Iommis – gelungen mit jenen Figuren angereichert ist, die den Kern der melodischen Note aus sich herauspressen. Jorn Lande hat nämlich im Herbst 2012 zwei neue musikalische Kumpels in sein Team integriert. Sie kamen aus den Reihen der Glam-Metal-Revivalisten Wig Wam: Bassist Bernt Jansen und Gitarrist Trond Holter. Die Chemie zwischen Lande und Gitarrist Trond Holter entfachte augenblicklich eine echte kreative Verbindung. Das neue Album ist, wie erwähnt, deutlich direkter als sein Vorgänger »Bring the Heavy Rock to the Land« (2012), härter, schwärzer. In diesen Charakteristiken rückt es näher an ältere Jorn-Alben heran, etwa»Lonely Are The Brave« (2009). Gleichzeitig bewahrt es die Eingängigkeit (eine hohe Zugänglichkeit beim ersten Hören) durch die Kombination klar definierter Strophen und Refrains. Die Songs tragen wieder einen packenden atmosphärischen Refrain-Crescendo in den typischen »Jorn Lande«-Melodien, deren heiliger Lehrmeister und Wegweiser nach wie vor Werk und Person des verstorbenen Vokal-Shamans Ronnie James Dio bleibt.

Obwohl Jorn mit jedem Album und jedem weiteren Jahr, das vergeht, die Tür zur glaubwürdigen Erbschaft in den Fußstapfen der Studioarbeiten von Dio und dem »Dio era« Black Sabbath ein Stückchen weiter aufstößt, haftet dem nach wie vor vollblütig ausgearbeiteten Bild sowohl der früheren Alben als auch des neuen  »Traveller« der »Fluch der Gefangenen« in der Schablone der Generizität an. Das wird alle jene vom Interesse an der Band Jorn abschrecken, denen die klassischen Alben der Rock-Pioniere genügen. Jenseits dieser Anmerkung bewahrt »Traveller« eine angenehme Lebhaftigkeit, erzeugt von ansteckenden Riffs aus dem überlegenen Ertrag der echten Hard-Rock-Geschwindigkeit und den Adrenalinstößen im Blut. Songs wie Carry The Black fachen diese Lebhaftigkeit in der dynamischen Abfolge von Stimmungswechseln durch ihre Dimension als Mini-Epos-Komposition noch weiter an. Carry the Black erinnert atmosphärisch sogar an Momente des Debüts der Band Beyond Twilight mit dem Titel »The Devil’s Hall Of Fame« (2001). Neben ihr gilt auch das abschließende The Man Who Was King als Song ähnlicher Mini-Epos-Form. Beide sind die stärksten Kompositionen des neuen Jorn-Albums – man kann sie auch als die tragenden Kompositionen des Albums bezeichnen.  Sie sind nämlich am repräsentativsten für die aktuelle kreative Chemie der Band Jorn.  Unter den Kompositionen, die vom obligatorischen Assoziieren mit den Werken von Dio und dem »Dio era« Black Sabbath abweichen, sticht auf dem Album »Traveller« auch das in »Arabesken« getauchte Monsoon heraus.

»Traveller« ist also das typische Jorn-Album. Was du erwartest, das bekommst du auch. Trotz des erneuten Beweises der anhaltenden kreativen Obsession von Jorn Lande mit den Rock-Pionieren ist »Traveller« ein neues, hochklassiges Jorn-Album ohne nennenswerte Ausrutscher. Ein Album mit vorsichtig abgesteckten Schritten in die Gewässer der musikalischen Richtungen, die Jorn Lande am besten kennt und mit denen er nachweislich versiert umzugehen weiß.

Besetzung

Jorn Lande – Gesang
Trond Holter – Gitarre
Jimmy Iversen – Gitarre
Bernt Jansen – Bassgitarre
Willy Bendiksen – Schlagzeug

Produktion

Jorn Lande & Trond Holter

Trackliste

1. Overload
2. Cancer Demon
3. Traveller
4. Window Maker
5. Make Your Engine Scream
6. Legend Man
7. Carry the Black
8. Rev On
9. Monsoon
10. The Man Who Was King

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