Magnus Karlsson’s Free Fall

0 8

Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Karlsson, Magnus
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2013
Laufzeit: 50:49
Wertung: 4/5

Magnus Karlsson ist einer der größten „Schwerarbeiter“ des Musikgeschäfts, die aus der skandinavischen Ecke Europas kommen. Der Mann hat zum Beispiel ganze Alben für Sänger wie Bob Catley (Magnum) oder Tony O’Hora (The Sweet, Praying Mantis) geschrieben. Er ist Hauptarrangeur und Komponist des Projekts Allen/Lande sowie des Projekts Kiske/Sommerville; zusammen mit dem ehemaligen TNT-Sänger Tony Harnell leitet er das Projekt Starbreaker. 2008 stieß Karlsson zur deutschen Power-Metal-Bastion Primal Fear und nahm mit ihnen auch zwei Studioalben auf. Die Liste ist damit keineswegs vollständig. Der Mann kennt also keine Pause. Er ist gleichzeitig in mehrere Projekte eingebunden. Ein echter Profi. Stell dir vor, du gehst in einen Laden und beauftragst jemanden, ein Musikalbum für dich zu erschaffen. Ungefähr so nimmt der geschätzte Magnus Karlsson Aufträge für seine Arbeit an.

Und endlich hat sich dieser geschätzte Multi-Instrumentalist und Künstler auch mal Zeit für sich selbst genommen. Er hat sein eigenes Soloprojekt »Free Fall« ins Leben gerufen. Die Musik darauf ist genau das, was Karlsson als Arrangeur und Komponist erschafft (und erschaffen hat). Sei es als gedungener Legionär oder als reguläres Bandmitglied. Sein musikalisches Bekenntnis ist ein feiner Balanceakt zwischen melodischem Hard Rock und Power Metal.

Karlsson weiß, wie eine Komposition stehen muss. Um das elementare Riff, das ihm als kreativer Ausgangspunkt des Songs dient, baut er die gesamte Komposition auf und optimiert den Song sorgfältig mit Arrangements, die  (ultra)melodische Momente und pompöse Atmosphäre einbringen. Da der Mann ein Multi-Instrumentalist ist, dosiert er die Songs effektiv durch den Einsatz von Keyboards, die die Wirkung des aufgedrehten Riffings abmildern und zum melodischen Ertrag der angestrebten Klangstruktur des jeweiligen Songs beitragen. Der Hauptgenerator der melodischen Eingängigkeit sind jedoch die charismatischen, autoritativen, klaren und in der Interpretation sinnlich-explosiven Vocals, die auch dann gewaltige Kraft entfalten, wenn sie sich in die höchsten Vokalregister recken. Karlsson hat nämlich eine Phalanx enger Mitarbeiter und Freunde eingeladen, mit denen er auf die eine oder andere Weise in Projekte und Bands eingebunden ist.

Da ist Russell Allen (Symphony X), der in einer der stärksten Kompositionen des Albums den Gesang übernimmt – dem eröffnenden Titeltrack. Den Schreier von Primal Fear, Ralf Scheepers, kann man im Song Higher unmöglich überhören. Karlssons Starbreaker-Kompagnon Tony Harnell probiert sich  im Song Stronger aus. Dazu kommen noch Mark Boals (Y.J. Malmsteen, Royal Hunt, The Codex), Rick Altzi (At Vance, Masterplan), David Readman (Pink Cream 69, Voodoo Circle), Herman Saming (A.C.T.), Mike Andersson (Full Force, Star One) und Rickard Bengtsson (Last Tribe).

Sofort wirst du feststellen, dass die Chemie zwischen Karlsson und dem jeweiligen Sänger in den Songs die Übertragung jener Chemie aus der Band und/oder dem Projekt ist, in dem beide Musiker zusammenarbeiten. Das eröffnende Free Fall würde mühelos auf einem der Alben des Allen/Lande-Projekts zu Hause sein, der Song Higher ist eine gelungene Annäherung an das, was Karlsson mit Primal Fear erschafft (um es zu karikieren: eine »tempomäßig angenäherte« Kreuzung aus Judas Priest und Gamma Ray), während Stronger in seinen Melodie- und Arrangementcharakteristika den Songs des Starbreaker-Projekts verwandt ist.

Taucht man noch etwas tiefer in das Werk ein: Magnuses angeborener Perfektionismus treibt ihn dazu an, das optimale kompositorische Gerüst zu suchen, in dem er aus dem ausgewählten Sänger und dessen spezifischen Eigenheiten der Vokalinterpretation (sowie der Vokalfarbe) das Maximum herausholen kann. Eine weitere Sache, die nicht verschwiegen werden darf: In seinem Perfektionismus hätte Karlsson sich niemals erlaubt, die Rolle des Hauptvokals auszuprobieren, wenn er nicht überzeugt wäre, dass er selbst auch ein guter Sänger ist. Und tatsächlich ist er das. Magnus übernimmt auf drei Songs des Albums die Leadgesänge, und glaub mir, die qualitativen Nuancen sind für das Ohr so gut kaschiert, dass du folgendes festhalten kannst: Magnuses Vokalinterpretation funktioniert bei der Erschaffung der gewünschten Atmosphäre auf dem Niveau der Vokalinterpretationen der Spitzensänger, die ihre Vocals auf den übrigen Songs des Albums beisteuern.  

»Free Fall« ist der authentische Fingerabdruck von Magnus Karlssons sensorisch-ideellem Reagieren auf die Reize, die ihm das musikalische Universum bietet. Näher als das kommt man nicht ran. Es ist ein Beweis für die außergewöhnliche musikalische Vollkommenheit dieses Musikers, der in der Lage ist, die gesamte Arbeit im Studio alleine zu erledigen. Er lädt nur die ausgewählten Sänger ein, und die Sache ist abgeschlossen. Diesmal wirst du von Karlsson nichts noch nie Gehörtes hören. »Free Fall« ist ein Album, das in erster Linie den Fans aller Bands und Projekte gefallen wird, in denen Karlsson tätig ist oder war. Aber auch all denen, die Power Metal auf der einen Seite und melodischen Rock auf der anderen mögen. Das »magische« gemeinsame Bindeglied zwischen beiden ist der atmosphärische Pomp, den die beiden Genres in unterschiedlichen Ausprägungen entfalten können. »Free Fall« ist also ein Album, das allen auf den Leib geschneidert ist, die – genau wie Magnus Karlsson – in erster Linie das perfekte atmosphärische Abenteuer einer optimierten melodischen Definition suchen, das beim Hören »auf Anhieb« wirkt.

Besetzung

Magnus Karlsson – Gesang, Gitarre, Keyboards, Bassgitarre
Daniel Flores – Schlagzeug

GASTMUSIKER
Russell Allen – Gesang
Ralf Scheepers – Gesang
Tony Harnell – Gesang
Rock Altzi – Gesang
David Readman – Gesang
Mike Anderson – Gesang
Mark Boals – Gesang
Herman Saming – Gesang
Rikard Bengtsson – Gesang

Produktion

Magnus Karlsson

Trackliste

1. Free Fall (Gesang Russell Allen)
2. Higher (Gesang Ralf Scheepers)
3. Heading Out (Gesang Magnus Karlsson)
4. Stronger (Gesang Tony Harnell)
5. Not My Saviour (Gesang Rick Altzi)
6. Us Against The World (Gesang David Readman)
7. Our Time Has Come (Gesang Mark Boals)
8. Ready or Not (Gesang Magnus Karlsson)
9. Last Tribe (Gesang Rickard Bengtsson)
10. Fighting (Gesang Herman Saming)
11. Dreamers & Hunters (Gesang Mike Andersson)
12. On Fire (Gesang Magnus Karlsson)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies