Top Priority

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Interpret: Gallagher, Rory
Label: Sony BMG
Veröffentlichung: 1979
Bewertung: 4.5/5

Rory Gallagher, der Gigant des weißen Blues, ist einer dieser Musiker, deren Liebe zur Musik keine Grenzen kannte. Ob mit seiner legendären, ramponierten Fender Stratocater, der Tamburica, der Sitar oder der Mundharmonika – mit seiner Liebe und Hingabe zum Blues hat er so manche mehr oder weniger verlorene Seele hinter sich hergezogen, die in seiner aufrichtigen, oft geradezu naiven Interpretation häufig ein Spiegelbild ihrer selbst findet. Seine Zugänglichkeit, Schlichtheit und Ehrlichkeit, deren Existenz in der stiefmütterlichen Umarmung der Musikindustrie fast unmöglich scheint, machen Gallagher zu einem echten Phänomen, dessen magische Formel vor allem in seiner offenherzigen Freude am Musizieren und seiner Hingabe ans Schaffen zu suchen ist.

Top Priority ist Gallaghers schärfstes Werk, vor allem aber mit Abstand sein fiesestes. Nach dem großen Erfolg von Photo Finish entfernt sich der Gitarrist auch diesmal weiter von seinen traditionell blues-folkig gedachten Arrangements. Von langsamen, vorwiegend akustisch gehaltenen Songs, mit denen uns der Herr auf den früheren Alben ordentlich unterhalten hat, keine Spur mehr. Was Rory uns diesmal auftischt, ist schlichter, guter alter, dreckiger Blues Rock. Mit Top Priority bleibt Gallagher seiner traditionellen Art der Mitteilung treu: einfache Texte, oft mit offensichtlich autobiografischem Charakter, die ihn für jeden Hörer zugänglich machen, wobei man oft nicht um das Gefühl herumkommt, dass sich der Gitarrist nur für uns „abmüht“. Mehr kann man sich von einem Musiker, neben dem unglaublichen Gespür für Wärme und Verständnis, das uns Rory so selbstlos schenkt, praktisch nicht wünschen.

Rory lädt uns zum Ausflug zuerst mit dem wilden Rocken von Follow Me ein, das uns gleich zu Beginn grob das Grundbild des Albums skizziert. Dank McAvoys knackigem Bassspiel und dem entschlossenen Drumbeat schreit der energiegeladene Song schamlos nach Gallaghers gitarristischer Bosheit. Eine Dreckigkeit, der man nicht widerstehen kann. Für alle, die sich nach dieser Warnung noch trauen weiterzumachen, gibt es Philby, wo Rory mit seiner meisterhaften Beherrschung der elektrischen Sitar Öl ins Feuer gießt und einen typisch orientalischen Beigeschmack dazugibt. Dieser tolle dreckige Blues spiegelt erneut die unglaublich breite Ausdrucksspanne des Gitarristen wider, mit der er von Album zu Album überrascht. Oder doch nicht! Denn hier wartet nach dem anfänglichen „Rumsauen“ schon die höchst willkommene, leichtere Wayward Child auf euch, voller Optimismus, typisch für Rorys verwirrte Seele. Der Song, der vor positiver Energie nur so birst, erreicht seinen Höhepunkt im verspielten Können des abschließenden Gitarrensolos, brillant begleitet von der Rhythmusgruppe McAvoy – McKenna, für die Top Priority erst die zweite gemeinsame Zusammenarbeit darstellt.

Blueser zu sein erfordert auch eine gute Portion humorvoller Selbstkritik. Eines der schönsten Beispiele dafür ist der herrlich schwere Blues Keychain, die Geschichte eines Mannes, der sich um jeden Preis aus der Umklammerung der Vergangenheit herauswinden will. Mal ehrlich, etwas Besseres als I need a fast train, I’m leavin’ on the double oder I’m playing no games, this ain’t no water pistol findet man wirklich schwer. Für alle Liebhaber zerrissener Slide-Elemente steht At The Depot bereit, ein Rock & Roll, dessen krasses Gegenteil die zornige Tante Bad Penny ist, Perfektion in jeder musikalischen Hinsicht. Der Südstaaten-Ansatz sorgt diesmal für die Grundstruktur des Songs, während sich Rory auf der Suche nach neuen Entdeckungen erneut der Sitar widmet. Bei Just Hit Town müsst ihr eure Ärsche hochkriegen und euch auf die Explosion eines waschechten „Bad Ass“-Boogie-Blues-Rocks gefasst machen, der euch schnell zum nächsten Orgasmus bringt. Sex und Alkohol gehen Hand in Hand auch durch Of The Handle, womit wir den kritischen Punkt erreichen, an dem eure Ohren endgültig eine gründliche Entrümpelung brauchen. Dieses energiegeladene und aufregende Album endet mit dem beschwingten Public Enemy No.1, stark inspiriert von Rorys Liebe zu Gangsterfilmen, wegen der die ganze Sache am Ende des Albums vielleicht ein wenig aus dem gedachten Rahmen kippt. Trotz dieser kleinen „Unannehmlichkeit“ liefert Gallagher mit Top Priority einen der aufregendsten Momente in der Geschichte der Blues-Rock-Musik ab.

Besetzung

Rory Gallagher: Gesang/Gitarre/Mundharmonika
Gerry McAvoy: Bass
Ted McKenna: Schlagzeug

Produktion

Rory Gallagher & Alan O’Duffy

Tracklist

1.Follow Me
2.Philby
3.Wayward Child
4.Keychain
5.At The Depot
6.Bad Penny
7.Just Hit Town
8.Off The Handle
9.Public Enemy No.1

Laufzeit des Albums: 46.48

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