Tokyo Motor Fist
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Tokyo Motor Fist
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 24.02.2017
Laufzeit: 41:35
Wertung: 4.5/5
Tokyo Motor Fist ist eine neue Crew erfahrener Haudegen aus der Welt des Melodic Rock, des AOR und des Hard Rock der Achtziger. Diesmal haben nämlich Danger Danger-Sänger Ted Poley und Trixter-Gitarrist Steve Brown ihre Kräfte gebündelt — unterstützt von einer hochkarätigen Rhythmusfraktion: Schlagzeuger Chuck Burgi (Rainbow, Brand X, Blue Oyster Cult, Joe Lynn Turner) und Bassist Greg Smith (Ted Nugent, Alice Cooper, Rainbow).
Lustigerweise hat Danger Danger schon seit einer Ewigkeit kein Album mehr rausgebracht, während die Bandmitglieder durch verschiedene Projekte tingeln und dabei durchgehend musikalisch aktiv sind. Poley hat z.B. erst kürzlich ein neues Solo-Studioalbum veröffentlicht. Anders sieht das bei den wiedergeborenen Trixter aus, die in relativ kurzer Zeit gleich zwei neue Studioalben aus dem Ärmel geschüttelt haben. Wie auch immer — richtig gute Ideen haben sich mal wieder in ein neues Projekt verirrt. Diesmal steht also der Name Tokyo Motor Fist im Fokus. Nach dem, was das Debüt »Tokyo Motor Fist« liefert, ist es nicht schwer, die energiegeladene Direktheit von Trixters Party-Energie herauszuhören, die mit einem feinen Gespür für den hohen musikalischen Anspruch von Danger Danger übergossen wird. Irgendwas dazwischen, also. Es vereint das Beste aus beiden Musikwelten der genannten Bands. Unterm Strich dürfte dieses Album die Aufmerksamkeit von Fans alter Def Leppard, alter Bon Jovi und Gotthard auf sich ziehen. Es strotzt nämlich vor Musikalität und einer geradezu hypnotischen Eingängigkeit, die beim ersten Hören sofort zündet. Die Refrains überbieten sich gegenseitig darin, wer die meiste Aufmerksamkeit auf dem Album auf sich zieht. Das ist ein AOR-Album im Gewand moderner Produktionstricks. Die Drums sind hervorragend betont — das gilt vor allem für die kanonenartig zündende »Snare«, gestützt von der Wärme einer aktiven Bassgitarre, während die Rhythmusfraktion einen ausgesprochen fetten »Bottom« liefert. Darüber thronen straff aufgezogene und kraftvolle Gitarrenriffs, ergänzt durch Wände geschickt verwobener Synthesizerlagen. Die so entstandene Klangmasse ist wirklich verführerisch. Poley enttäuscht auch diesmal nicht und liefert sein Bestes. Gleichzeitig weiß die Crew auch bestens, wie man Backing-Vokal-Harmonien platziert — ohne sie würde das Album bei Weitem nicht so von der ersten bis zur letzten Sekunde mitreißen.
Das ist ein Party- und Rock’n’Roll-Sause-Album, das dich von der ersten bis zur letzten Sekunde packt. An Pomp und Bombast mangelt es ihm wahrlich nicht, und als solches wird es alle Fans ausgeprägter Musikalität, wie sie Melodic Rock und AOR mitbringen, wirklich begeistern. Die Band erfindet das Rad nicht neu, sondern reitet auf einer bewährten Formel für Arrangement und Aufbau der Kompositionen, die immer funktioniert. Produktionstechnisch, spielerisch und kompositorisch. Alles sitzt. Eine musikalische Revolution gibt es zwar nicht, dafür aber eine herausragende Leistung — ein Genre-Relikt aus längst vergangenen Tagen, eingekleidet in einen modernen Produktionsansatz. Ob die Ballade Don’t Let Me Go, der knallharte Pulsgeber und Adrenalin-Opener des Albums Piickin‘ Up the Pieces oder das bombastische »Drama-Theater« des packenden Put Me To The Shame.
Das Album ist von Kopf bis Fuß perfekt ausgestattet — in einem Wort: erstklassig. Keine unüberlegten Ausrutscher in kompositorischer »Leere«. Es ist ein Album prägnanter Schritte, gründlich ausgearbeiteter Lösungen und sorgfältig eingebrachter Ideen — so wie sie Musiker erschaffen, die wissen, welchem Genre ihr Herz gehört und welche musikalische Formel sie anwenden müssen, damit sie bei der Realisierung der angestrebten Werte vollblütig zündet. „Tokyo Motor Fist“ ist ein Album, das alle Fans von Trixter, Danger Danger, den Nebenprojekten der Danger Danger-Mitglieder und deren Soloalben unbedingt checken müssen — genauso wie alle Fans der anderen Bands, die weiter oben im Text und in dieser Rezension erwähnt wurden.
Tokyo Motor Fist – Put Me to the Shame (offizieller Audio-Clip):
Besetzung
Ted Poley – Gesang
Steve Brown – Gitarre, Backing Vocals
Greg Smith – Bassgitarre
Chuck Burgi – Schlagzeug
Produktion
Steve Brown & Ted Poley
Tracklist
01. Pickin‘ Up The Pieces
02. Love Me Insane
03. Shameless
04. Love
05. Black And Blue
06. You’re My Revolution
07. Don’t Let Me Go
08. Put Me To Shame
09. Done To Me
10. Get You Off My Mind
11. Fallin‘ Apart