Tide überflutete KUD FP! (2012)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / KUD France Prešeren / Slowenien
Konzertdatum: 15.11.2012
Besucherzahl: 200
Eintrittspreis: 10,00€
Das aufgekratzte slowenische Rock-Quartett Tide hat Anfang Oktober dieses Jahres sein neues (und viertes) Studioalbum mit dem vielsagenden Titel »No. 4« veröffentlicht. Das exzellente Album spiegelt das kreative Wachstum und die künstlerische Reifung der Band wider – ein echter »Wild Card«, der der Gruppe mit voller Glaubwürdigkeit das Potenzial verleiht, den Durchbruch ins Ausland zu schaffen und auf die Sendeplätze häufiger Rotation im Mainstream-Rock zu gelangen.
Tide wählten KUD France Prešeren als Spielort für dieses Fest, das durch das Gastspiel einiger bekannter Namen der slowenischen Musik- und Unterhaltungsszene aufgepeppt wurde! Namentlich: Lado Bizovičar, Urška Majdič (Billysi), Neisha, Marko Šoršak – Soki (Elvis Jackson) und Zoran Čalić (Big Foot Mama). Bis zehn Uhr abends passierte am Veranstaltungsort nicht besonders viel. Der Raum füllte sich fleißig mit Publikum. Doch nur eine knappe Minute nach zehn hatte die Band gut 150 Köpfe schlagartig auf ihrer Seite, als sie das Konzert mit älterem Material eröffnete, das bei den Fans der Gruppe längst vertraut ist. Das stark weiblich geprägte Publikum bewies, dass Tide die gesamte modische Hitze beibehalten hat, die der aktuelle Puls der Alternativrock-Musik »im Westen« und »jenseits des großen Teichs« vorgibt – und damit auch ihre potenzielle kommerzielle Attraktivität.
Tide haben beim Auftritt bewiesen, dass sie eine außergewöhnliche Homogenität als Team erreicht haben. Sie spielen fantastisch, mit vollem Einsatz, nehmen sich gegenseitig hervorragend wahr und kommunizieren auf der Bühne in einer Art, die nur selten versagt. Das gilt auch für die Interpretation der einzelnen Songs, bei denen selten ein Ton zu hören ist, der »total danebengegriffen« klingt. Obwohl Tide ein kompaktes Quartett sind, ist die Bühnenpräsenz von Kevin Koradin der entscheidende Magnet, der das Publikum die ganze Zeit eng an die Band bindet! Der Typ ist ein exzellentes Vokal-Chamäleon, das die Songs gekonnt durch seine Gesangsinterpretation führt – und genau dieses totale Eintauchen Kevins erzeugt den Großteil der atmosphärischen Entwicklung durch die einzelnen Nummern. Die gelungene Mischung aus der unbeugsamen Arroganz der Alternativrock-Tradition, dosiert mit dem richtigen Gespür für melodische Eingängigkeit, setzt die Band meisterhaft in ihrer Kunstkultur ein – und diese Stärke erstrahlte auch auf der Bühne des KUD in voller Pracht! »Entlade meine Pistole!« ist eine jener Phrasen, die seit Ewigkeiten zum Arsenal des »schmutzigen Vokabulars« des Rock-’n‘-Roll-Charakters gehören, von dem die Mädels in ihren stillen Ecken träumen. Und Tide wissen das – und verstehen es, es wirkungsvoll auszudrücken!
Unter den Gästen stach besonders Neisha im Duett bei Love Is Gone hervor, wo sie ihr Talent für ausgearbeitetes, sinnlich empfundenes Vokalimprovisieren voll ausschöpfte – und so mancher konnte sich die Dame gut in der Rolle einer verbissenen, kampflustigen Rockerin vorstellen. Wer weiß, vielleicht erleben wir dieses Neisha-Wunder irgendwann ja doch noch. Hervorragend klang auch das aufgewühlt lärmende und kompromisslose Riot Act (ein neues Stück) kurz vor dem Schluss, als Zoran Čalić (Big Foot Mama) zur Band auf die Bühne kam.
In einer Stunde und dreiviertel spielten Tide mit einer bravourösen Performance praktisch das gesamte »No. 4«-Album, würzten das Repertoire mit einer retrospektiven Auswahl älterer Alben und bewiesen damit einmal mehr, dass sie zu den führenden Alternativrock-Bands Sloweniens gehören – mit ihrer reichen Erfahrung, einer klar ausgearbeiteten Vision, einem verbissenen Bühnenauftreten und echtem Ehrgeiz klopfen sie lautstark an die Tür zum Durchbruch im Ausland! Wollen wir hoffen, dass ihnen das auch wirklich gelingt.
Setlist
1. Awakening
2. Hold On
3. Misunderstood
4. The Urge
5. Release My Gun
6. Make Me Feel
7. Adieu
8, No Place Left To Go
9. Like It Slow
10. Brain Damage
11, Love Is Gone
12. Low
13. Mud
14. Don’t Looke Back
15. Not A Whore / Bullet
16. Waiting For The Rain
17. Hero
18. Believe
—Zugabe—
19. Riot Act
20. Revolution
21. Kick Out The Jams
Bildergalerie
















