Thunderbolt
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Saxon
Label: Silver Lining Music
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 47:47
Bewertung: 4/5
Unglaublich! Anstatt zuhause auf ihre Enkelkinder aufzupassen, nehmen sie weiterhin neue Studioalben auf. Peter Rodney »Biff« Byford, der gefährlich auf die Siebzig zusteuert, und seine Mannen präsentieren hiermit das neue Studioalbum der legendären N.W.O.B.H.M.-Helden Saxon, mit dem atemberaubend innovativen Titel »Thunderbolt«. Ich hoffe, du nimmst den einleitenden Sarkasmus zur Kenntnis.
Also: Nichts Neues. Die Dinge stehen dort, wo sie sein müssen, und so, wie wir es von Saxon gewohnt sind. Das Gute daran ist, dass Andy Sneap mit Saxon im Studio ist und wieder für eine messerscharf produzierte Platte gesorgt hat, vergleichbar mit den beiden Hell-Alben (Hell sind Zeitgenossen von Saxon), bei denen Sneap als Gitarrist eingestiegen ist – dazu kommen ein paar Würzkörner (gegenüber dem Vorgänger „Battering Ram“ großzügigerer Einsatz von Orchestrierungen in den Arrangements, erneut betonter Einsatz von Terz-Harmonien) –, die das Album sogar an die härtesten Momente der letzten 25 Jahre der Bandkarriere heranrücken, etwa an das Album „Lionheart“ (2004).
»Thunderbolt« ist böse und okult genug, ebenso wie erwartet finster! Im Einklang mit der Old-School-Logik und den Grundsätzen des Umgangs mit dem Handwerk der Metal-Schmiede haben Saxon einmal mehr das Ass aus dem Ärmel gezogen und damit in der langen Serie solider und äußerst qualitätvoller Albumveröffentlichungen auch diesmal ein glänzendes Studioalbum abgeliefert.
Der Witz ist der, dass Saxon seit Jahren Bewährtes äußerst überzeugend und geschickt recyceln. Zu viele Melodien, ob in Strophen oder in Refrains, erinnern an frühere Kompositionen auf älteren Alben, besonders aus der Post-»Solid Ball of Rock«-Ära. Was an der ganzen Sache wirklich gefällt, ist das punktuelle Einfärben der Riffs mit Effekten orchestraler Elemente und Chormotiven, die im Hintergrund des Riff-Donners die düstere und verheerende postapokalyptische Atmosphäre des Albums verstärken.
Ihr wisst schon, auf welche Wörter sich Biffs Lyrik im Wesentlichen bezieht: „Thunder“, „steel“, „eagle“, „sky“, „iron“, „prey“, „hell“, „wheels“, … natürlich auch „rock“ – und dann kommt natürlich das Verb „laufen“ in verschiedenen Kombinationen (…“run for your life“, …“running down the border“… mit dem möglichen Abschluss …“with Mexico“). In der Lyrik sind immer noch „Abheben“ und „Landen“ präsent, denn die Geschichte von Saxon ist so oder so auch mit der „Biologie“ der Adler verbunden. Kurzum: nichts Neues! Aber wie immer. Korrekt und ohne Tadel. Was Saxon können, beherrschen sie – und auch diesmal halten die abgebrühten und gerissenen alten Hasen beim Komponieren an ihrer Erfolgsrezeptur fest, von der sie weder lassen können noch wollen. »Thunderbolt« ist ein qualitätvolles Album, etwas pompöser und bombastischer ausgefallen als der Vorgänger »Battering Ram«, und die Band stützt sich bei den neuen Kompositionen natürlich auch auf das Erbe der letzten 25 Jahre ihrer Kompositionskarriere. Dann ist da noch Sons of Odin, ein Stück mit einem Rhythmus, den auch Heaven And Hell, sprich ein Black Sabbath-Klassiker, tragen könnte. Und würde man das Biff gegenüber erwähnen, würde er die Steilvorlage geschickt nutzen und behaupten, das sei deshalb so, weil er den Song Ronnie James Dio widmet. Am traditionellsten nach NWOBHM klingt auf dem neuen Album der zehnte Track, nämlich Steel Merchants. Das Schlusskapitel des Albums, Roadie’s Song, öffnet sich in ähnlicher Manier wie 747 (Strangers in the Night). Auch der Leitrhythmus in diesem Track ähnelt dem besagten „Wheels of Steel“-Klassiker.
Muss man noch etwas hinzufügen? Stimmt, die Lyrik schielt an manchen Stellen in Richtung griechischer (und wieder) nordischer Mythologie, was bei Saxon nicht weiter überrascht – dazu gibt es wieder einige Momente, in denen Biff verlorener Gefährten gedenkt. Diesmal galt sein Gedanke besonders Lemmy (They Played Rock And Roll) – und es gibt auch eine Erinnerung an einen der Techniker der Band (im bereits erwähnten Roadie’s Song), was natürlich die Tradition der Saxon-Bekenntnis-Lyrik am Leben erhält.
Kurzum. »Thunderbolt« steckt voller waschechter Saxon-Nomenklatur. Überrascht in nichts, enttäuscht in nichts. Noch eine gute Saxon-Platte, die Fans dieser Band garantiert in ihre private CD- und Vinyl-Sammlung aufnehmen werden.
Besetzung
Biff Byford – Gesang
Paul Quinn – Gitarre
Doug Scarratt – Gitarre
Nibbs Carter – Bass
Nigel Glockler – Schlagzeug
Produktion
Andy Sneap
Trackliste
01. Olympus Rising
02. Thunderbolt
03. The Secret Of Flight
04. Nosferatu (The Vampires Waltz)
05. They Played Rock And Roll
06. Predator
07. Sons Of Odin
08. Sniper
09. A Wizard’s Tale
10. Speed Merchants
11. Roadie’s Song