Thrive

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Angelica
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2013
Laufzeit: 49:59
Wertung: 3/5

»Thrive« ist das Solodebüt der schwedischen Vokalistin Angelica Rylin! Eine »quirlige und bezaubernde Gesangsprinzessin«  in der die Bosse von Frontiers Records einen neuen potenziellen kommerziellen Erfolg sahen und ihr so die Chance boten, sich als Solokünstlerin zu beweisen. Den Großteil des Sounds mitsamt den feinsäuberlich ausgearbeiteten Arrangements hat für ihr Solodebüt ihr Murder Of My Pride-Partner Daniel Flores gerettet — ein abgebrühter schwedischer Musiker, der als Multiinstrumentalist, Produzent, Arrangeur und Komponist bekannt ist; der Mann hat dieses Jahr außerdem das gefällige Studioalbum des Projekts Find Me mit dem Titel »Wing s Of Love« in der Tasche. Die Ideen für »Thrive« haben neben Flores auch Harry Hess (Frontsänger der kanadischen Melodic-Rock-Legenden Harem Scarem), der schwedische Musikworkaholic Robert Sall (Work Of Art), der abgebrühte italienische Musiker und Produzent Alessandro Del Vecchio (Hardline) und Anders Wigelius (Sänger seines Projekts Wigelius) beigesteuert. Und auch Angelica selbst hat auf dem Album »Thrive« kompositorisch ihr Können bewiesen und ein paar ihrer eigenen Einfälle auf das Werk draufgepackt.

Dieses Album ist von Kopf bis Fuß meisterhaft gekleidet. Die Songs stehen! Das beteiligte Musikeraufgebot ist einfach so stark, so erfahren im Komponieren, dass ein Album aus den Händen eines solchen Studiotrams schlicht nicht schlecht sein kann. Die Klangproduktion ist bravourös.

Angelica hat schon in der Vergangenheit mit ihren Beiträgen auf den Murder Of My Pride-Alben bewiesen, dass sie eine junge, talentierte Sängerin ist, der das melodische Rock-Schuhwerk der Kompositionen wie angegossen sitzt. Auch das Album »Thrive« hält das in einer vollblütigen Dosis aufrecht. Angelica besitzt einen makellos klaren Gesang, der die Ausdruckskraft der Melodie vorgibt — und das wird durch die süchtig machende Wucht der sofort einprägsamen und ansteckenden Refrainmelodien noch aufgewertet. »Thrive« bietet ein abwechslungsreiches Spektrum an Songs mit dem Schwerpunkt auf mittlerem Tempo. Dabei geizt Angelica nicht damit, Gefühle rauszulassen. Sie gibt sich Mühe, und das wirkt stellenweise überzeugend — gut so, denn die Kompositionen des Albums sind allesamt dem typischen Schreibmuster des Melodic-Rock- und AOR-Genres verschrieben, mit dem Ansatz der skandinavischen Schule. Auf dem Album gastieren auch einige bekannte Namen aus Metal und Rock mit Soli, darunter Jesper Stromblad (In Flames), Magns Karlsson (Primal Fear), Per Berquist (Smash Into Pieces) sowie der allseits gefragte Produzent Mats Lindfors, während Matt Guillory als besonderer Albumgast einen Keyboardbeitrag beisteuerte — Guillory ist ansonsten in der Begleitband des Dream Theater-Sängers James LaBrie tätig.

Trotz des ganzen Überangebots an musikalischen Talenten, die auf diesem Album versammelt sind, ist klar, dass das Album in seiner ausdrucksmäßigen Glaubwürdigkeit auch mit zwei Songs weniger bestens dastehen würde. Dem gelegentlichen Übermaß an generischem Feeling ist kaum zu entkommen. Das ist Fakt. Dem Album fehlen außerdem besondere kreative Geistesblitze, die irgendeinen künstlerischen Mehrwert liefern und ein Element von Eigenständigkeit und frischem Ausdruck erzeugen würden. Das gibt es leider nicht. Der Song This Kiss Is Just For You ist typisches Füllmaterial, und bei der Ballade Can’t Stop Love lässt sich der Wunsch Angelicas nicht überhören, sich wenigstens für einen Moment dem legendären Gesangsmoment von Ann Wilson (Heart) anzunähern. Im Song Losers In Paradise erinnert die Eingangsstruktur des Stücks stark an den Auftakt des zeitlosen Hits First Time von Robin Beck. Diese Naivität Angelicas ist auf dem Album »Thrive« schwer zu überhören — und sie nimmt dem Album ein Quäntchen kompositorischer Glaubwürdigkeit.

Das Album ist optimistisch ausgerichtet! Einige Momente des Albums gelingen ausgesprochen gut in der Entfaltung der berühmten AOR-Pomp-Drama-Ästhetik — etwa die Refrainmelodien von Rain On My Parade, Take Me To Your Heart, To Your Rescue oder I’m Not Waiting —, doch sonst kennt das Album keine schöpferischen Höhepunkte. »Thrive« ist ein sehr vorhersehbares Album und deshalb für einen engen Kreis von Zuhörern gedacht. Ein schöner Anfang für Angelica — doch die Frage ist, ob es sich für die Sängerin lohnt, in einer Schablone zu beharren, aus der es kein Entkommen vor dem Gewicht von Assoziationen gibt, die die unübertreffliche Zeitlosigkeit der Pionierwerke visionärer Bands heraufbeschwören, welche AOR und Melodic Rock in den Achtzigern mit ihren klassischen Studioalben emporhoben. Wie auch immer — für alle, die unwiderruflich in den Charakter der skandinavischen Herangehensweise an das Schaffen von AOR-Musik verliebt sind, ist es das wert, ausgiebig gehört zu werden. Mit dem Album »«Thrive« könnt ihr nichts falsch machen, und angenehm werden euch natürlich die ganze Zeit über der süßlich-verführerische Gesang Angelicas die Ohren streicheln — dem es allerdings vorerst, in der Rolle der Solokünstlerin, leider noch etwas mehr vokal-expressive Charisma fehlt, um vollblütig zu überzeugen. 

Besetzung

Angelica Rylin – Gesang, Hintergrundgesang
Per Bergquist – Gitarre, Gitarrensolo auf Song Nr. 3
Daniel Flores – Schlagzeug, Keyboards, Hintergrundgesang
Johan Niemann – Bassgitarre

GASTMUSIKER:
Matt Guillory – Keyboard-Solo auf Song Nr. 12
Jesper Stromblad – Gitarrensolo auf Song Nr. 2
Magnus Karlsson – Gitarrensolo auf Song Nr. 1
Mats Lindfors – Gitarrensolo auf den Songs Nr. 4 und 5
Anders Wigelius – Hintergrundgesang

Produktion

Daniel Flores

Trackliste

1. Breaking My Heart
2. I Am Strong
3. To Your Rescue
4. Can’t Stop Love
5. Nothing Else You Can Break
6. Riding Out The Storm
7. Rain On My Parade
8. Losers In Paradise
9. You Will Never Win
10. This Kiss Is Just For You
11. I’m Not Waiting
12. Take Me To Your Heart

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