There And Back Again
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Jarc Gregorin Trio
Label: Eigenveröffentlichung
Erschienen: 2017
Laufzeit: 47:30
Wertung: 4/5
Im letzten Herbst erschien ein weiteres besonderes Album am slowenischen Musikhorizont, hinter dem ein Trio erfahrener Musiker steht. Vertreten werden sie durch den Gitarristen und Vokalisten Jaka Jarc sowie seinen Vater und Bassisten Matjaž Jarc, während Blaž Gregorin am Schlagzeug saß. Die musikalische Geschichte dieser Jungs ist lang, die Bekanntschaften nicht minder. Jaka und Blaž haben einst vor langer Zeit gemeinsam in der Band Sfiltrom zusammengearbeitet, Matjaž spielte mit Kreslin in der Besetzung Horizont. Ich habe nur einen Bruchteil der reichen musikalischen Erfahrung erwähnt, hinter der diese Jungs stehen, denen im Laufe der Jahre die Veredelung der Weisheit und einer vielschichtigen musikalischen Versiertheit anhaftete.
Ja. Der erste Eindruck ist wirklich so. »Schwarzer Blues«, jedoch durchdrungen von der Patina des Alternative-Rock-Glanzes, jener Art-Kontur, die aus der Finesse einfacher und entspannter, aber hochgradig präziser Züge hervorgeht, hinter der jederzeit der klare kompositorische Fokus des Trios fest steht. Der Sound des Produkts ist lebendig, ernsthaft lebendig. Organisch – die Klanglandschaft ist aus einem Fluss natürlicher Töne geformt, gleichzeitig pulsiert das Album wie ein echter musikalischer Körper, in dem du in jedem »Beat« das Ein- und Ausatmen dieses kraftvoll definierten Körpers hörst. Von der ersten bis zur letzten Minute. Wirklich ein Album, das das Herz berührt und tief in den noch so verborgenen Winkel der Hörerseele greift und ihn aufweckt.
Wenn wir schon die Alternative-Rock-Kontur erwähnen, die dieses Album trägt, kommen wir nicht an den Namen einiger Singer-Songwriter vorbei, von denen das Album etwas von jener herben, düsteren Melancholie übernommen hat (Lou Reed, Johnny Cash, Neil Young und auch Leonard Cohen). In dieser Dunkelheit kann Jarc Gregorin Trio so weit gehen, dass sie auch jenen magnetisch dämonischen Charme der »Cave-ismen« heraufzubeschwören vermögen, aber ich schlage vor, dass ihr euch bei diesen Anspielungen die Türen für euer eigenes Urteil offen lasst. Aber die Jungs können auch durchaus schelmisch sein (das im Country-Gewand verpackte Stück Mati koklja).
Was Jarc Gregorin Trio auf dem Album »There and back again« macht, hat in unseren Gefilden niemand in der Nähe. Das bedeutet, dass das Album einen eigenartigen Charme und eine Einzigartigkeit trägt, sprich seinen eigenen musikalischen Charakter und sein eigenes Profil. Was gelegentliche Melodien in den Refrains betrifft – etwa das Stück Change – kann das dem ein oder anderen (nun, zumindest mir) sanft an einen weiteren Melancholiker erinnern, diesmal aus dem Prekmurje (Baladero). Das Stück Leti bringt echtes Drama-Theater. Es entfaltet ein düsteres Atmosphärentheater, dem der Einsatz der slowenischen Sprache außerordentlich gut tut (das Album ist teils auf Slowenisch, teils auf Englisch gehalten). Ebenso ist in diesem Stück die Anlage von Jakas eigenen Soloausflügen äußerst interessant, die oft auch »erkundend« wirken und so bei der Wahl der Notenfolge tatsächlich wirksam aus den Rahmen etablierter Schablonen solistischer Vorhersehbarkeit bzw. »Bequemlichkeit« herausdrängen. Das bestätigt nur, dass das Trio dem Konformismus keine Beachtung schenkt, was die einzigartige Erscheinung dieses Produkts nur verstärkt.
Jaka ist ein exzellenter Vokalinterpret, insbesondere angesichts der Tatsache, dass ihm die englische Sprache außerordentlich natürlich von der Zunge geht und die Interpretation der Poesie so – sowohl im metrischen Sinne – für eine slowenische Band außerordentlich vorbildlich und überzeugend wirkt. Die Band ist außerordentlich feinsinnig. In ihrer Feinheit (oder Vornehmheit, wenn euch das lieber ist) baut und steigert sie Atmosphären behutsam. Von der Strophe ins Refrain-Crescendo, wo einem die Gänsehaut hochgehen kann (No Place Like Home), denn dem Trio gelingt es, an bestimmten Punkten auch einen Moment der Mystik zu beschwören. Jakas Gesang wird von vokaler Begleitung unterstützt und so »eingefärbt«, was die gewünschte Emotion reichlicher belebt und die Stimmung vertieft. Oft gibt ihm auch irgendein gitarristisches Ornament aus der Blues-Schule Halt.
Die Band hat sich auch mit einer sehr beneidenswerten ideellen Vielseitigkeit des Produkts präsentiert. Auf der einen Seite kann sie mit ihrer Sanftheit und Sinnlichkeit überwältigen, auf der anderen kann sie den Hörer wieder mit einem rockig aufgebürsteten Drive ansprechen, wie das im »versteinerten« Blues-Alt-Rocker Going Home Again angedeutet wird. Kein Wunder, dass Jakas handwerkliche Geschicklichkeit und die studiomäßige Klangfeinmechanik einst auch einer Band wie Melodrom zugutekamen.
Fassen wir uns kurz. Ein außerordentlich kompaktes und stimmiges Dokument. Fest in seinem eigengewachsenen Artismus. Die Mitglieder des Trios nehmen sich chemisch außerordentlich gut wahr und verstärken so wirksam die Ausdrucksreichweite der Ideen, mit denen sie den Hörer ansprechen. Ein Produkt, das keine Gleichgültigkeit hinterlässt und ein Produkt, das dich zwingt, es mit weiteren Hörsitzungen immer wieder neu zu entdecken.
Besetzung
Jaka Jarc – Gesang, Gitarre, Mandoline, Fretless-Bassgitarre, Programmierung
Matjaž Jarc – Bassgitarre
Blaž Gregorin – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Maša Golob – Violine
Christopher Elphic – erstes Gitarrensolo auf “Going Home Again”
Melisa Spruk – Begleitgesang auf den Stücken Nr. 1, 2, 3, 5, 7, 8, 9, 10
Nina Škrjanc – Begleitgesang auf den Stücken Nr. 1, 2, 4, 7
Simona Plešic – Begleitgesang auf den Stücken Nr. 1, 2, 4, 7 1
Produktion
Jaka Jarc
Trackliste
Seite A:
01 Storm Gathering (05:55)
02 Time to Fly (03:45)
03 Never be the Same (03:37)
04 Change (04:30)
05 Wandering Jon (02:22)
06 No Place like Home (03:53)
Seite B
07 Going Home Again (04:42)
08 Leti (02:59)
09 Lep prelesten dan (04:30)
10 Time Flies (05:14)
11 Mati Koklja (01:46)
12 Nič ne bo kot je bilo (slowenische Version des Stücks Never Be the Same)