The Varangian Way
Autor: Rok Klemše
Interpret: Turisas
Label: Century Media
Veröffentlichung: 2007
(Zu) lange drei Jahre mussten wir auf den Nachfolger des großartigen Debüts Battle Metal (2004) der Finnen Turisas warten, die mit ihrem Erstling Fans und Kritiker gleichermaßen begeistert haben. Viele haben Battle Metal bei Erscheinen zum besten Debütalbum des Jahres gekürt, Turisas zu den Newcomern des Jahres, und die Platte wurde mehr oder weniger in den Himmel gelobt. Kein Wunder, denn diese geniale, energiegeladene Mischung aus Folk und symphonischem Metal packt dich im Handumdrehen. Die Jungs wussten genau, dass es schwer wird, den ganzen „Hype“ um den Erstling zu toppen, und haben sich richtigerweise entschieden, sich mit dem zweiten Album überhaupt nicht zu hetzen. Turisas haben drei Jahre lang fleißig gewerkelt und getüftelt, und jetzt liegt sie endlich vor uns, ihre zweite Platte: The Varangian Way. Auch wenn ich Battle Metal persönlich für eine tolle Platte halte, kommt sie mir doch ein bisschen überbewertet vor, und deshalb bin ich auch an The Varangian Way mit Vorsicht herangegangen und habe die Review, die du hier vor dir hast, erst nach unzähligen Durchläufen geschrieben.
Gleich vorweg: Das ist eine fantastische Platte, zu der obendrein ein ungemein spannendes und ziemlich einzigartiges Konzept gehört. Die Geschichte erzählt vom Weg der mutigen nordischen Stämme, die von den europäischen Völkern Waräger genannt wurden. Jeder einzelne Song funktioniert so wie ein Punkt auf der Landkarte der Reise dieser Wikinger, von der Heimat in Schweden oder Norwegen bis nach Kiew und weiter den Dnjepr hinunter zum Schwarzen Meer und bis nach Konstantinopel. Aber The Varangian Way ist nicht bloß eine simple Wegbeschreibung oder ein Reiseplan, denn die großartigen Lyrics erzählen auch von der inneren Reise, die abenteuerhungrige Krieger auf so einer Expedition durchmachen. Die Geschichte selbst ist zwar erfunden, basiert aber auf wahren historischen Ereignissen, denn die Waräger sind tatsächlich auf ähnlichen Routen gereist und haben einen beträchtlichen Teil Osteuropas kolonisiert.
The Varangian Way macht alles wieder gut, was Battle Metal gefehlt hat, die streckenweise klang, als würde ihr etwas fehlen, als wäre sie unfertig. Schon die Produktion ist qualitativ eine Stufe höher. Der Gitarrensound ist viel präsenter und nicht so schlaff wie beim Vorgänger, die Drums sind im Mix genau richtig dosiert, auch der Bass ist gut zu hören, und die symphonischen Parts sind spürbar besser geworden und verschmelzen jetzt viel stärker mit dem Gesamtsound der Platte. Und damit nicht genug: Wirklich alle Soli auf der Platte werden auf der Violine gespielt! Ja, du hast richtig gehört, auf der Violine. Aber The Varangian Way ist nicht nur instrumental ein Schritt nach vorn, denn auch Mathias‘ Gesang, der zwar gut war, sich aber durch nichts aus der Masse ähnlicher Stimmen abhob, hat sich enorm verbessert. The Varangian Way ist deutlich mehr mit klarem Gesang eingesungen, und Mathias schafft es mit seiner Stimme, genau diese epische Größe zu erreichen, die die Lyrics beschreiben. Mathias nimmt das Erzählen so ernst, dass wir uns mühelos selbst am Feuer sitzend vorstellen, während wir der Geschichte von jemandem lauschen, der sie tatsächlich erlebt hat. Aber keine Sorge, der gute alte aggressive Mathias mit seinem Growl ist nach wie vor da. Das Symphonische ist etwas, das Turisas richtig gut zu Gesicht steht, und davon könnten sich so manche Rhapsody (of Fire), selbsternannte Champions des „Epic Hollywood Metal“, bei den Finnen eine ordentliche Scheibe abschneiden.
Da die Tracks wie Stationen auf dem Weg der mutigen Wikinger funktionieren, hat jeder Song seine eigene Seele, ohne dabei aus dem stimmigen Ganzen herauszufallen. Weil unsere Reisenden durch Osteuropa ziehen, hat die Musik stellenweise einen slawischen (hör einfach mal in In the Court of Jarisleif rein), ja sogar heidnischen Touch bekommen, und je näher sie Konstantinopel kommen, desto griechischer beziehungsweise byzantinischer klingt das Ganze. The Varangian Way ist eine Platte, die eine großartige Geschichte, meisterhaft geschriebene Musik und eine Atmosphäre bietet, die alles abdeckt, von bombastisch, magisch, richtig episch und melancholisch bis hin zu einer, wie man sie nur mitten im Getümmel eines erbitterten Kampfes erleben würde.
Der Wind füllt die Segel, das Sonnenlicht blitzt auf den geschliffenen Schwertern, und die Herzen der Krieger schlagen vor Aufregung… Das Abenteuer hat begonnen, und der Weg vor uns ist lang! Geh jetzt und schau nicht zurück! Und grüß den König von mir!
Besetzung
Warlord Nygĺrd – Gesang, Keyboards, Programming
Jussi Wickström – Gitarre
Hannu Horma – Bass
Tude Lehtonen – Schlagzeug
Olli Vänskä – Violine
Lisko – Akkordeon
Produktion
Warlord Nygĺrd
Tracklist
1. To Holmgard And Beyond 05:17
2. A Portage To The Unknown 04:50
3. Cursed Be Iron 05:03
4. Fields Of Gold 04:34
5. In The Court Of Jarisleif 03:17
6. Five Hundred And One 06:18
7. The Dnieper Rapids 05:20
8. Miklagard Overture 08:18