The Serial Healer
Künstler: Skanners
Label: My Graveyard Production
Release: 2008
Spieldauer: 42.44
Bewertung: 2.5/5
Skanners, eine Band aus Bozen, mitten in den italienischen Dolomiten, bringen mit „The Serial Healer“ ihr fünftes Studioalbum raus. Die Truppe gibt’s seit 1982, das Ding ging ihnen also ziemlich zäh von der Hand. Leider kann ich dir nicht verraten, wie die Band in den Achtzigern und später auf all den Vorgängeralben klingt, deshalb bezieht sich die Bewertung ausschließlich auf „The Serial Healer“.
Schon mit dem Opener Soul Finder haben wir sofort das Gefühl, dass hier die italienischen Primal Fear mit uns im Raum sind. Das ist zwar eine unfaire Behauptung und ein bisschen mehr Respekt haben Skanners an dieser Stelle durchaus verdient, schließlich gibt es sie seit mehr als 15 Jahren vor Primal Fear, gemessen am Geburtsdatum der Letzteren.
Wenn von Primal Fear die Rede ist, liegt auch Judas Priest als musikalischer Vergleich auf der Hand. Was mich die ganze Zeit auf den deutschen Power-Metallern herumkauen lässt, sind natürlich die direkten, rohen Metal-Riffs, unterlegt mit intensivem Drum-Galopp, bei dem das wilde Getrete auf die Bassdrum nicht fehlt. Das ausgefeilte „Shredding“ in den kompakten Riffs fügt sich schön in die explosive Rhythmusarbeit ein, und das Zusammenspiel der beiden Elemente lässt auch in den Übergangsparts nicht nach, die die Songs dynamisch und das Album reizvoll halten. Das Grundelement, das nach Primal Fear schreit, ist aber der Gesang. Der erinnert an Schepper, sowohl im Timbre als auch in der Wahl der Melodien in den Strophen. Die Produktion der Deutschen haben Skanners dagegen nicht zu bieten! Im Sound fehlt es deutlich an tiefen Frequenzen, vor allem an Basslinien, die dem Gesamtsound mehr „Groove“, Tiefe und Volumen (Raum) geben würden. Zwischen den Riffs und dem Geklapper der Drums klafft also ein Loch, und die Drums klingen dadurch etwas stumpf, flach, zu dünn. Dem beschriebenen Stil des Albums „The Soul Healer“ bleiben Skanners über die gesamten 43 Minuten treu. Ansonsten sind den Jungs die Erkenntnisse des Speed Metal nicht fremd, und sie können in ihrem Spiel beneidenswert zerstörerische Geschwindigkeiten entfalten (Song Flash Razor).
Für alle, denen Primal Fear gefallen, auch Judas Priest, ist das Album einen Versuch wert. Skanners bieten ausgefeilte, kompakte Songs, auch die Soli sind sehr schön in die Form eingebaut, aber wie gesagt, wegen der großen Stilähnlichkeit mit den genannten Vergleichen wird das Album wässrig. Vor allem für Ohren, die verwöhnt sind und mehr Sprengstoff und Wagemut gewohnt sind. Ein Upgrade bei der Produktion, bei dem mehr lebendige Klangstrukturen herausgearbeitet werden müssten, wäre eine mehr als willkommene Lösung. Auch wenn Skanners eine abgekaute, verknöcherte Form durchziehen, würden die Riffs bei so einer Produktion intensiver aufleben, und die Musik würde dadurch echter und überzeugender. Du kennst ja die Story. Ein Riff kann an dies und das erinnern, kann sogar ein offensichtliches „Copy-Paste“ sein, schließlich ist im Heavy Metal im Grunde schon alles erfunden. Wenn du aber den richtigen Weg findest, es zu interpretieren, befreist du die Musik vom möglichen Vorwurf der offensichtlichen Nachahmerei. Für so etwas fehlt Skanners noch immer ein Quäntchen kreative Inspiration.
Besetzung
Claudio Pisoni – Gesang
Fabio Tenca – Gitarre
Walter Unterhauser – Gitarre
Renato Olivari – Bass
Christian Kranauer – Schlagzeug
Tracklist
1. Soul Finder
2. Welcome To Hell
3. To Die Is Not Forever
4. The 17Th Victim
5. Iron Horse
6. The Serial Healer
7. The Dream
8. Flash Razor
9. Beyond Darkness
10. Immortality
Bonustrack:
11. The Serial Healer (video)