GOOD DAY TO DIE

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Ort: Orto Bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 01.04.2008
Besucherzahl: 40
Ticketpreis: 5,00€

Wie wir wissen, ist die Orto bar so ziemlich die letzte Bastion für alles, was ein bisschen härter klingt und nicht jeden Tag im Fernsehen läuft. Neben dem Rock-Programm übers ganze Jahr veranstaltet Orto jedes Jahr auch sein bekanntes alternatives Festival über den ganzen Monat, das Orto fest, das mit seiner bunten und abwechslungsreichen Bandauswahl auch heuer wieder viele Alternative begeistern wird. Dieses Jahr stand der dritte Tag des Orto fest im Zeichen des Stoner Rock, und entsprechend war auch der Besuch – wenn man bedenkt, dass Stoner zu den am wenigsten kommerziell ausgerichteten Genres überhaupt gehört. Dafür war das Konzert wegen der geringen Besucherzahl richtig intim, was es auf seine ganz eigene Art noch ein Stück besonderer gemacht hat.

Die erste Überraschung des Abends war das heimische Stoner-Rock-Trio Astrid Lindgren, das trotz eines ziemlich schüchternen Auftritts jede Menge langsame Rhythmen, betonte Basslinien und zwei Stimmen auffuhr. Leider war der Saal zu Beginn ihres Konzerts fast leer, vielleicht war genau das der Grund für den etwas gehemmten Auftritt und die fehlende Kommunikation zwischen Band und Publikum. Trotz des überschaubaren Publikums zogen die Jungs ihr halbstündiges Programm aber konsequent durch, mit sehr ursprünglichen Drumrhythmen, ohne lange Übergänge und ohne übermäßigen Beckeneinsatz. Das mittelschnelle Stoner-Tempo diktierte neben den Drums auch der Bass, der den ganzen Auftritt über gut zu hören und herauszuhören war – bei diesem Genre fast schon Pflicht, denn die Musik lebt von den betonten tiefen Tönen und zaubert so eine Stimmung von Apathie und melancholischer Benommenheit. Am meisten stach in der Band der Leadsänger heraus, der stellenweise sehr unüberzeugend und ein bisschen plastikmäßig wirkte. Ihm fehlte diese Echtheit, die bei dieser Musik typisch ist, er klang ziemlich emotionslos und etwas gezwungen, vor allem als sich auch noch der Bassist stimmlich dazugesellte. Dafür waren die Gitarrensounds umso besser, mal richtig klassisch, mal ziemlich experimentell und ungewohnt.
Kurz gesagt: Astrid Lindgren haben einen 30-minütigen Auftritt hingelegt, der viele alternative Rocker und so manche etwas melancholischere Seele von den Stühlen reißen könnte. Technisch gesehen setzen sie auf einen simplen Rhythmus und keine allzu anspruchsvollen Gitarrengriffe, ihre Musik ist einfach gestrickt und nicht anstrengend zum Zuhören. Ich würde sie jedem empfehlen, der sich den düsteren Klängen der alternativen Stoner-Rock-Szene verbunden fühlt.

Auf den Auftritt der Einheimischen Astrid Lindgren folgten die Kroaten Good Day To Die, die, wie sich zeigte, ihr neuestes Album Hazing Through Shadows. hervorragend präsentierten.
Ihr Konzert begann ziemlich ungewöhnlich, nämlich mit Blues und in unvollständiger Besetzung, doch bald kamen aus den Boxen die bekannten Melodien von Crush The Skies, dem Song, dem die Band selbst das größte Potenzial zutraut und für den sie deshalb auch ein Video gedreht hat.
Sofort war klar, dass die Jungs gut auf die Tour vorbereitet sind – allerdings war das ihr erstes Konzert auf dieser Tour, also waren sie noch ausgeruht. Ihr Set enthielt fast das komplette neue Album, und obendrein spielten sie noch zwei etwas ältere Songs, die sich schön ins bestehende Repertoire einfügten.
Technisch gesehen waren Good Day To Day ein echter Leckerbissen, sie zeichnen sich durch gute Beherrschung der Instrumente und Präzision aus, was bei etwas langsamerer Musik, bei der man jeden Fehler hört, enorm wichtig ist. Auch ihr Auftritt war sehr energiegeladen und locker, und die Kommunikation mit dem Publikum, die man bei Astrid Lindgren vermisst hatte, kam ebenfalls nicht zu kurz. Die Atmosphäre wechselte von Moment zu Moment, genauso wie Tempo und Rhythmus, die von der Bühne kamen. Die Jungs bewiesen auch live, dass sie musikalisch sehr breit aufgestellt sind, denn ihre Musik ist von allen möglichen Elementen und Stilrichtungen durchzogen, wofür man einen ziemlich großen musikalischen Fundus braucht. Lobenswert ist auch, dass sie als Band frisch wirken und überhaupt nicht wie eine schlechte Kopie weltbekannter Acts wie zum Beispiel Queen of the stone age klingen, was leider keine Seltenheit ist.
Live spielten sie auch den ambientesten Song The Path of The Cross, der trotz der fehlenden Reden von Josip Broz Tito und Franjo Tuđman sehr emotional rüberkam und zweifellos der Höhepunkt des Konzerts war, zumindest was die Energie angeht.
Kurz und gut: ein phänomenaler Auftritt echter Stoner, die sich nicht mit der Frage herumschlagen, in welche Schublade ihre Musik gehört, sondern sich lieber dem widmen, worin sie verdammt gut sind – der Musik.

Fotos: Aleš Podbrežnik
Text: Matevž Ftičar

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