The Revenant King
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Visigoth
Label: Metal Blade Records
Erscheinungsjahr: 2015
Laufzeit: 60:34
Bewertung: 3.5/5
Visigoth sind neue und heiße Power-Metal-Krieger aus Salt Lake City (Utah, USA), und „The Revenant King“ ist ihr Studioerstling! Power Metal, der in den USA entstand, wurde später meist fast ausschließlich in Europa gehört. Eine ganze Reihe von Bands – von Manowar über Virgin Steele bis hin zu Jag Panzer – stieß auf dem alten Kontinent auf weitaus mehr Zuspruch als je auf nordamerikanischem Boden, denn die Wiege des echten Power Metals ist nun mal Europa. Wie auch immer man diese Genrebezeichnung heute missbraucht – klar ist, dass Visigoth aus den Grundlagen des amerikanischen Speed Metals schöpfen, der freilich mit bombastischer melodischer Eingängigkeit gebändigt wird, was zur Textthematik passt, die sich aus den Heldentaten großer Schlachten und Kriege speist.
Produktionstechnisch kommen Visigoth knackig und stachelig rüber, ohne viel Bügeln, Polieren und »Triggern«. Klanglich wirken sie lebendig und organisch – und das ist gut so. Auch wenn die Band Klischees schält und sie in frischer Verpackung wieder den Massen anbietet, ist das Ganze vorhersehbar und schon viele Male gehört, gespielt, produziert und serviert – aber von Herzen. Deswegen funktioniert es. Die Essenz dieses Albums ist in der Gesamtbilanz äußerst hörenswert und gleichzeitig in den Arrangements glücklich abwechslungsreich genug, um ausreichend Interesse zu wecken und den Hörer nicht vom CD-Player zu verscheuchen. Der erste Magnet sind zweifellos die mittleren Instrumentalteile, die sich in der Regel in längere Passagen einbetten, wo sich die Motive mehrfach drehen – und die Stimmungen sich mit ihnen wandeln. Die Band hält beim Verschmelzen von Motiven eine hohe Kompatibilität aufrecht und verliert den roten Faden beim Komponieren nicht. Beide Gitarren atmen im Dialog einträchtig auf derselben Wellenfrequenz, im Glanz gegenseitiger Wahrnehmung und motivischer Verknüpfung.
Gelegentlich stören einzelne Klischees, die abgegriffen aus den Songs herausragen, in ihrer Naivität – aber das trübt grundsätzlich nicht das allgemeine Gefühl, dass es sich um einen sehr vorbildlichen Studioerstling der Band handelt, mit dem sie den Grundstein ihrer Karriere richtig gelegt hat. »The Revenant King« erinnert gelegentlich an die postmillennialen Werke von Jag Panzer. In der Melodie der Leitmotive, in der Epik und Bombastik, mit denen das Power-Metal-Dossier der Albumsongs umkränzt ist, sowie gelegentlich in der Vokalinterpretation und der Stimmfarbe von Sänger Jake Rogers, der Ähnlichkeiten mit dem ehemaligen Jag Panzer-Sänger Harry Conklin aufweist.
»The Revenant King« ist ein Album, das allen Liebhabern von epischem Power Metal auf den Leib geschrieben ist. Bombast und die Komponente düsteren Mystizismus sind klar herausgearbeitet im schlagenden Charakter des elementaren Heavy-Metal-Riffs, schön ausbalanciert mit der dynamischen Entwicklung vielschichtiger Stimmungslagen. Wie gesagt – ein Album für alle, denen amerikanische Bands im Bereich zwischen den neueren Jag Panzer bis hin zu den knochentrocken verwilderten Formen der Kulthelden Manilla Road gefallen. Das Album ist allerdings garantiert zwei bis drei Songs zu lang. Eben wegen des Aufwärmens von Klischees. Aber den Jungs fehlt es nicht an Schwung und kreativer Energie – Erfahrung bringt mit der Zeit mehr Reife im kompositorischen Ansatz. Und Visigoth verbergen nach dem Gehörten auf ihrem Studioerstling sicher keine großen Talente, die sie in Zukunft gewiss noch weiter ausbauen werden.
Besetzung
Jake Rogers – Gesang
Leeland Campana – Gitarre
Jamieson Palmer – Gitarre
Matt Brotherton – Bassgitarre
Mikey Tee – Schlagzeug
Produktion
Andy Patterson
Trackliste
1. The Revenant King
2. Dungeon Master
3. Mammoth Rider
4. Blood Sacrifice
5. Iron Brotherhood
6. Necropolis
7. Vengeance
8. Creature of Desire
9. From the Arcane Mists of Prophecy