The Last Real Rock’N’Roll
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Rhino Bucket
Label: Acetate Records
Veröffentlichung: 2017
Laufzeit: 39:35
Bewertung: 3.5/5
Nach sechs Jahren ist »leise« auch das neue Studioalbum weiterer Schiffbrüchiger erschienen, die in der Zeit des Sunset Strip-Booms in Los Angeles entstanden sind, dieser Bewegung aber niemals angehörten. Die Rede ist von der sozusagen amerikanischen Antwort auf Stil und Werk von AC/DC namens Rhino Bucket. Die Band kehrt mit dem dreist betitelten neuen Album „The Last Real Rock ‚N‘ Roll“ zurück. Tatsächlich gibt es immer weniger echte Rock’n’Roll-Alben, vor allem wenn man bedenkt, dass sie von jener Generation erschaffen werden, die ihn erfunden hat und sich langsam aber sicher in den Ruhestand verabschiedet – und dann von jener zweiten Generation, die ihn sehr gut aus den Händen der ersten übernommen hat, wozu man auch Rhino Bucket zählen kann.
Rhino Bucket weichen nicht von den vorgezeichneten Richtlinien ab. Sie bleiben innerhalb der bewährten musikalischen Rezeptur, die sie am besten beherrschen. Warum sollten sie überhaupt etwas anderes ausprobieren? Kein Bedarf. Zündende, kratzig-schroffe, dreckige, schlichte, aber packende und alles niederreißende Rock’n’Roll-Riffs, die fett klingen, wie sie nur der authentische Charakter einer Les Paul-Gitarre produzieren kann, dazu kokettierende Rhythmen sowie ein bissiger, leicht näselnder, frecher Vokalcharakter! Das reicht.
Die Band hat in den letzten sechs Jahren nicht viele Veränderungen durchgemacht. Auf dem Schlagzeugerstuhl sitzt nun Dave Ducey, an der Gitarre bleibt nach wie vor der großartige Kix-Gitarrist Brian Forsythe, abgerundet wird die Band durch die Originalmitglieder, nämlich den Frontmann, Gitarristen und Vokalisten Georg Dolivo sowie Bassist Reeve Downes.
Auch auf »The Last Real Rock’N‘ Roll« erinnern Rhino Bucket auf Schritt und Tritt an Stil und Werk von AC/DC. Schamlos ziehen sie von der ersten bis zur letzten Sekunde des neuen Albums an ihnen. Deshalb bewahrt das neue Album den hart erkämpften Ruf der vergangenen Werke der Gruppe. Rhino Bucket reiten weiter. Fest im Sattel, vermitteln sie das Bild einer ungebrochenen Band, auch wenn die Jahre still vergehen. Alle Songs wurden von Georg Dolivo in Zusammenarbeit mit dem Originalgitarristen der Gruppe, also ihrem ehemaligen Mitglied Greg Fields, geschrieben.
Ungeachtet der langen Karriere der Gruppe wirkt „The Last Real Rock ‚N‘ Roll“ unbeugsam, ungezähmt und knallt einem direkt in die Fresse. Es liefert eine lebendige Produktion, nackten, unverkleideten und rohen Sound. Ohne besondere Verschönerungen und nachträgliche Studio-Kosmetik. Dolivo bewahrt seine vokale Ausdruckskraft mit einer Charisma, die den Hörer zu sich zieht. Er meidet zwar das Schreien, hält sich überwiegend in der mittleren Intonationslage auf und entwickelt einen näselnden, männlichen Vokalcharakter – sein Gesang gehört jedoch zum Mittelmaß, da er öfters auch aus der idealen Lage herausdriftet. Deshalb entkommst du auf diesem Album auch der Energie des Punkrock-Charmes nicht, denn das Album zündet, vor allem dank Georgs frechem Gesang, dreist und unverschämt. Mit banaler Poesie dazu, versteht sich.
Das Album hört man in einem Stück durch. Von der ersten bis zur letzten Nummer. Besondere Überraschungen liefert es nicht, nur eine verdammt gute Retro-Scheibe waschechter Rock’n’Roll-Zünder – ein willkommener Balsam für die Wunden all jener, die sich bewusst sind, dass sie in ihrem Leben kein neues AC/DC-Album mehr erhalten werden. Hoffen wir, dass dieses neue Album Rhino Bucket wieder nach Europa bringt, wie es in den Jahren 2011 und 2012 der Fall war, als wir das verdammte Glück hatten, sie auf den Bühnen des Bluesiana Rock Cafe im österreichischen Vrba in Kärnten zu erwischen. Es lebe also der Rock’n’Roll.
Rhino Bucket – Hello Citizens (offizielles Audio):
Besetzung
Georg Dolivo – Gesang, Rhythmusgitarre
Brian „Damage“ Forsythe – Gitarre, Hintergrundgesang
Reeve Downes – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Dave DuCey – Schlagzeug
Produktion
Eddie Spaghetti
Trackliste
01. Hello Citizens
02. Everything You Do
03. Last Call
04. I’m Your Doctor
05. So Long
06. It’s A Sin
07. Forgiveness
08. Bang My Drum
09. Swing And A Miss
10. Falling Down The Stairs
11. Misery
12. The Devil You Know