The Darkness : Hot Cakes

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Label: Canary Dwarf
Erscheinungsjahr: 2012
Produktion: Nick Brine, Justin & Dan Hawkins
Albumlänge: 40.39 min
Genre: Hard Rock

Die kontroversen britischen Glam-Rocker The Darkness haben 2003 ordentlich für Wirbel gesorgt, als ihr Debüt »Permission To Land« erschien. Das absolute Extrem des musikalischen Exzesses erreichte die Band zwei Jahre später mit »One Way Ticket To Hell… And Back«. In einer Zeit, in der auf MTV Bands von grenzenloser Langeweile aus der Post-Grunge-Derivat-Schule à la Staind, Nickelback,… die Herrschaft hatten, haben The Darkness mit ihrer „Frisur“ des unerwarteten Desant-Schockprinzips, das selbst verstopfteste Samenleiter wohltuend durchspülen kann, und mit raffiniert platzierter Parodie ein „faules Ei“ in die Popkultur der massenhaften Verblödung gesteckt. Rock ’n‘ Roll rückte mit dem Erscheinen von The Darkness wieder in den Fokus der Massen. Aber es musste in Großbritannien krachen. Nicht in den USA, wo man die Dinge in der Regel nur nachahmt und sie dann umverpackt noch einmal der trotteligen Masse verkauft.

Leider dauerte der Spaß nicht lange. Die Band löste sich 2006 auf, und Bandchef Justin Hawkins erklärte erschöpfungsbedingt, er müsse eine Weile komplett auf alle musikgeschäftlichen Aktivitäten verzichten. Dann kam im vergangenen Jahr der Moment, in dem der rehabilitierte Justin (von allen schlechten Gewohnheiten befreit) ernsthaft mit seinem Bruder Dan in Dialog trat – und beide einvernehmlich beschlossen, The Darkness neu zu starten. Und zwar in der Originalbesetzung aus der »Permission To Land«-Ära.

Und The Darkness brauchten genau das Album, das auf »Permission To Land« aufbaut. Nicht auf dem minimal überproduziert polierten und eingängigeren, aber trotzdem exzellenten »Hitmaschinen«-Nachfolger »One Way Ticket To Hell… And Back«, mit dem The Darkness schließlich auch die Massen in den USA »bezwungen« haben! The Darkness mussten noch einmal zurück zu ihren Wurzeln, um sich des Ureigentlichen der Rock-Rhetorik bewusst zu werden! »Hot Cakes« bietet eine rohe, direkte, nackte, elementare Produktion echter Rock-’n‘-Roll-Hysterie. Als solches stellt es mit seiner Qualität einen in jeder Hinsicht glaubwürdigen und richtig dosierten, vollsubstanziellen Schritt der Gruppe in einen Neuanfang dar. Es bewahrt nämlich den echten Charakter der typischen The Darkness. Justin Hawkins, der Mann, heute von allen Kräften des Bösen befreit, mit auf Cankar’sche Art gezwirbeltem Schnurrbart, trällert auch 2012 wie ein Spatz – und hält so das The Darkness-Prinzip weiterhin vollständig durchdrungen von Testosteron-Überschuss-Ausbrüchen aufrecht, zugleich aber mit etwas mehr arrangierter Bedachtheit, die natürlich mit den Jahren kommt, in denen man als Musiker reift und wächst. An typischer Satire und schwarzem Humor mangelt es auf »Hot Cakes« nicht – sonst könnte die Parodie nicht zünden.

Hier sind die typischen Merkmale, die The Darkness schon immer ausgezeichnet haben. Zeitweise extrem hoch angesetzter melodischer Gesang von Justin Hawkins, bei dem mühelos mehrere Dezimeter dickes Glas zerspringt (Concrete, Forbidden Love, Love Is Not The Answer, …), raffiniert platzierte Melodielinien, die an die alte Schule von Queen erinnern (Forbidden Love, Nothing Gonna Stop Us Now), die charakteristischen nackten Riffs, die eine Mischung aus AC/DC-Rhetorik zusammenfassen (She’s Just  A Girl, Eddie), durchzogen von melodischer Figurierung des britisch-melancholischen und klassizistisch gefärbten Prinzips der altschulischen Heavy-Rocker U.F.O.

Das Album packt dich sofort bei den Ohren und lässt in seiner hochausdauernden erigierenden Lage bis zum Ende nicht nach. Von Every Inch Of You, Nothing Gonna Stop Us Now, With A Woman, bis Keep Me Hangin On und weiter. Dabei ist das Wichtigste, dass die Songs untereinander in den Hauptmelodien und der atmosphärischen Entwicklung genug Abwechslung bieten. Gleichzeitig erfüllt dich das erstaunte Erkennen, dass dich jeder Song ständig an irgendetwas erinnern wird. An etwas Altes, Altmodisch-Rockiges – und doch wirst du nicht genau definieren können, was das sein könnte. Einfach deshalb, weil alles, was The Darkness tun, so schön verpackt ist in die volle Satire der funkelnden The Darkness-Komödie, die den Hörer auf völlig eigenständige Gleise führt. The Darkness-Gleise eben! Solche Gefühle sind selten in der Rockmusik. Typisch aber für eine gesunde Form der Parodie. Und The Darkness bleiben auch mit »Hot Cakes« auf diesem Weg. 

The Darkness haben auf »Hot Cakes« auch mit einem Cover von Street Spirit (Fade Out) – dem Original von Radiohead – überrascht. Unglaublich, aber wahr! Dieser Song trägt einen düsteren Schleier, der für The Darkness nicht gerade alltäglich ist. Das destruktiv-penetrante Riff, das direkt aus der Jurisdiktion der guten alten N.W.O.B.H.M.-Bewegung stammt, ist der Kern, der dieses exzellente Cover in vollem Galopp vorantreibt. Als solches steigert es hervorragend die dynamische Entwicklung des Albums und liefert einen weiteren besonderen Moment, der von einem ganz eigenen Stimmungszustand geprägt ist. Echter altschulischer Schrapnell, der nach den allerersten Iron Maiden duftet.

Die eingefleischtesten Fans werden sich zur mengenmäßig limitierten, inhaltlich erweiterten Ausgabe des Albums »Hot Cakes« durchkämpfen. Darauf warten vier zusätzliche Songs, von denen die interessanteste mit Sicherheit die letzte, Cannonball, sein wird. Diese zieht in ihrer typischen »The Darkness-Entgleisung« den erlauchten Jethro Tull-Flötisten und Bandchef Ian Anderson zur Zusammenarbeit heran, der den Song mit seinem typischen Jethro Tull-Soloing durchlüftet. Noch eine unglaubliche Kombination, die aber hervorragend funktioniert. Natürlich, wie gesagt. Nur auf der limitierten Aus

Autor: Aleš Podbrežnik
Wertung: 9.0 / 10

Trackliste:
1. Every Inch of You
2. Nothing’s Gonna Stop Us
3. With a Woman
4. Keep Me Hanging On
5. Living Each Day Blind
6. Everybody Have a Good Time
7. She Just a Girl, Eddie
8. Forbidden Love
9. Concrete
10. Street Spirit
11. Love is Not The Answer

Besetzung:
Justin Hawkins – Gesang, Gitarre
Dan Hawkins – Gitarre
Frankie Poullain – Bass
Ed Graham – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Ian Anderson – Flöte auf Cannonball (nur auf der limitierten Ausgabe des Albums „Hot Cakes“ enthalten)


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