El Kachon – progressiver Blues aus der Dolenjska (2012)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Ort: Drašiči / Turistična kmetija Simonič / Slowenien
Konzertdatum: 26.10.2012
Besucherzahl: 30
Eintrittspreis: 0,00 € (freier Eintritt)

Manchmal kommt man zu einem Konzert, ohne zu wissen, dass es überhaupt eines ist! Und ohne zu wissen, dass daraus mal ein Bericht werden würde. Was auch immer…. Agencija Concertica steckt voller Überraschungen. Nicht zuletzt konnten wir diesen September in Ljubljana ein Konzert genießen, bei dem unter der Regie von Agencija Concertica zwei klassische Rock-Bands auf der Bühne standen, von denen man sich im Leben nicht hätte träumen lassen, dass sie Slowenien nochmal besuchen würden – Wishbone Ash und Nazareth. Der Sinn des Treffens auf der Turistična kmetija Simonič war die Feier der erfolgreichen Durchführung eben jenes Konzertereignisses in Ljubljana vor einem Monat. Von der Überraschung wusste allerdings niemand, denn das ausgelassene Feiern in den Räumen des Gasthauses wurde stimmungsvoll aufgepeppt durch den Auftritt des siebenköpfigen Ensembles El Kachon.

Das Septett in der Besetzung: Tina Gerbec Radaković (Gesang), Andrej Krt Barbič(Gitarre, Mundharmonika, Backgroundgesang), Tomi Perinčič (Gesang, Slide-Gitarre, Gitarre), Dejan Sondža Gerbec Radaković (Bassgitarre, Backgroundgesang), Žiga Dobravc (Schlagzeug), Ptrimož »PimpS« Malenšek (Perkussion) und Mladen Cetina (Keyboards) – die Band ging in einem Umfeld, in dem es dem Publikum nicht an fröhlichem Schlingern durch die Kurven der Trunkenheit mangelte, die Sache todernst an und ließ sich ordentlich Zeit, alles für einen optimalen Konzertauftritt vorzubereiten.  

Es hat sich gelohnt, genauer hinzuschauen. Offensichtlich sind El Kachon genau die Musiker vom rechten Schlag, die jede Sache mit großer Liebe und Respekt vor der Musikkunst angehen. In ihrem nicht eben bescheidenen Auftritt, der in zwei Teile aufgeteilt war, präsentierten sie uns ein Repertoire, das fast ausschließlich aus eigenem Material bestand.

El Kachon sind definitiv eine Besonderheit der slowenischen Musikszene. Ihr Stil lässt sich schwer einordnen. Am einfachsten würde man ihn wohl als Progressive Blues Rock bezeichnen. Ihre Kompositionen vereinen nämlich ein außergewöhnliches Geflecht klassischer Bluesrhetorik mit Ausflügen in den psychedelischen Rock sowie der Integration von Jazz-Elementen. Tomis Slide erinnert einen ständig daran, dass ein bestimmter Teil eines Songs ganz schnell in etwas umkippen kann, das nach Bands wie Allman Brothers  Blues Band riecht, oder auf der anderen Seite auch  nach dem „Southern“ von Govt ’n‘ Mule, ja sogar Lynyrd Skynyrd. Der Sound war während des Auftritts ausgezeichnet und die Bausteine im Klangbild gleichmäßig verteilt. Die Hauptstimmen von Tomi oder Tina, häufig im Duett verbunden, harmonierten hervorragend auch mit den Backgroundstimmen der übrigen Mitglieder. Gerade die vokale Leistung zusammen mit der exzellenten Interpretation, hinter der die reichen Erfahrungen der Bandmitglieder stehen, ist das Zünglein an der Waage, das einen vollends von der außergewöhnlichen Qualität von El Kachon überzeugt.

Da ist kein Platz für Patzer. In solch einem organischen Wohlklang hört man nämlich jeden noch so kleinen Fehler. Und diesmal gab es davon herzlich wenige, wenn überhaupt. El Kachon, die sich in dieser Umgebung sehr heimisch fühlten – wahrscheinlich nicht allzu anders als in den Räumen, in denen sie sonst proben, sind ein Phänomen außergewöhnlicher Eingängigkeit und gleichzeitig einer bewegten, ja komplexen Geschichte des Songschreibens. Mit Ausnahme von Neal Youngs Cinnamon Girl und Albert Kings The Hunter, das von Blues-Größen von Canned Heat, Blue Cheer bis Free in eigenen Versionen gecovert wurde, reihten sich im Repertoire Eigenkompostionen wie Home, What If, Snake Bite, Solo Moon, Little By Little, One Fine Day, Mustang Sally und Still.

El Kachon haben uns mit ihrer Perfektion und ihrer präzisen Eingespielheit weggeblasen, die das Niveau eines tadellosen Schweizer Uhrwerks erreicht. Das ist eine Band, die Slowenien fehlt – also hoffen wir, dass sie in Zukunft eine angemessene Bühne auf der Szene bekommt, und was die Hauptsache ist: dass sie so bald wie möglich ihr Studiodebüt rausbringt und den Massen so viele Konzerte wie möglich liefert. In Ljubljana habt ihr die Gelegenheit, sie zu erwischen, am 29.11.2012, im Club Channel Zero, auf der Metelkova.   

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