The Canyon Observer – Post-Apokalypse in der Gala Hala (2016)
Autor: Aleš Podbrežnik
Ort: Gala Hala / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 01.03.2016
Kartenpreis: 7 € mit Reservierung / 10 € am Veranstaltungstag
Die heimischen The Canyon Observer können als erste slowenische Band von sich behaupten, erlebt zu haben, wie es ist, auf Kuba zu spielen. Nach sieben Konzerten (das achte wurde wegen Strommangels am Veranstaltungsort abgesagt) stiegen sie praktisch direkt vom Flughafen, kurz nach neun Uhr abends, auf die gelb-blau gestrichene Bühne der gut gefüllten Gala Hala und eröffneten das abschließende Konzert ihrer Tournee.
Von Anfang an war klar, dass sie trotz einer einwöchigen Tournee und einem langen Rückflug bester Laune waren – auf der Bühne herrschte eine großartige Energie, die natürlich auch auf die Besucher übergesprungen ist. In einem einstündigen, kompromisslosen Auftritt ohne Stille, Unterbrechungen oder Zwischenansprachen nahm uns die Band mit auf eine düstere Reise in die Welt des Post/Sludge/Noise.
Der Sound war ausgezeichnet, vielleicht für manche Momente etwas zu laut, was mir persönlich nur zur Atmosphäre der Dunkelheit und des Schmerzes beigetragen hat, die die Instrumentalisten gemeinsam mit dem Lichttechniker auf der Bühne inszenierten – Sänger Matic Babič sang das gesamte Set im Publikum. Die Vocals klangen brutal, obwohl Matic 40 Grad Fieber hatte (was wir erst nach dem Konzert erfuhren), und die beiden Background-Vokalisten, das Gitarristen-Duo Gašper Letonja und Miloš Milošević, ergänzten ihn sehr gut.
Die Musik wechselt wunderbar von ruhigen, stellenweise tribal-dissonanten Ambient-Passagen in rohe, laute und chaotische Teile, die vor allem durch den technisch versierten und dynamischen Schlagzeuger Simon Intihar aufgewertet wurden, der mit so viel Energie spielt, dass er sogar einen schweren Ziegelstein vor die Bassdrum gestellt hat – und die ruhigeren Teile mit ebenso viel Gefühl meistert. Die Rhythmussektion mit Bassist Niko Frank, der auf der Bühne am aktivsten war, wechselt wirklich hervorragend zwischen den Extremen hin und her.
Die Band unterscheidet sich von den meisten anderen Bands ähnlicher Genre-Ausrichtung dadurch, dass sie bestimmte Stücke mit Backing-Track spielen und dadurch extrem präzise sind. Sie agieren als eingespieltes Kollektiv, das ungemein dynamisch ist und es immer wieder schafft, die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu fesseln. Am Ende des Konzerts wurden sie mit langanhaltendem Applaus bedacht und nutzten die Gelegenheit, sich bei allen zu bedanken, die sie bei ihrem Kuba-Abenteuer unterstützt hatten.
The Canyon Observer sind der Beweis, dass man mit Ausdauer auch in der alternativen Szene viel erreichen kann. Ich wünsche ihnen, dass dieses Unterfangen nicht zu viel gekostet hat und sie sich auch künftig wieder in die Welt aufmachen.
The Canyon Observer sind dieses Jahr beim Festival Metaldays zu sehen, am Donnerstag, den 28.7.2016.
Text: David Bordon
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