The Beginning Of The End
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Sworn Enemy
Label: Century Media
Veröffentlichung: 2006
Bewertung: 4.5/5
Offenbar ist das erste Jahrzehnt des zweiten Jahrtausends der menschlichen Zeitrechnung das Jahrzehnt der Bands, die Thrash Metal mit Hardcore-Zutaten kombinieren. Und so kehren Sworn Enemy aus New York voller solcher Erkenntnisse und Sichtweisen zurück, mit ihrem zweiten Studioalbum, das nur so vor Raserei strotzt!
Das Debüt „As Real As It Gets“ (2003) hatte seine Wurzeln tief im Hardcore, sodass der Wechsel alles andere als wahrscheinlich aussah. Neben der gelungenen Verwandlung auf der neuen Platte haben Sworn Enemy ein paar verdammt geistreiche Momente am Start, die richtig frisch und inspiriert klingen. Vor allem rattern sie gleich zum Einstieg mit Forgotten gefährlich giftig los, weiter geht’s mit Save Your Breath oder No Second Chances, den Highlights des Albums. In den Songs steckt an den Übergängen und an den Stellen der Gitarrensoli auf jeden Fall auch etwas „Hardcore-Mosh“, der geschmackvoll in die Thrash-Form der neuen Stücke eingewoben ist. Der verleiht dem Album zusätzliche Schärfe, und dadurch gewinnt es auch an Glaubwürdigkeit bei den Botschaften, die es transportiert. Im Vergleich zum Debüt haben die Jungs auch die zusätzlichen Gruppenvocals ausgebaut. Wurden die auf dem Erstling eher für Massengeschrei im Stil von Straßengangs genutzt, widmen sie dem zusätzlichen Chorgebrüll diesmal mehr Aufmerksamkeit. Jetzt umgeben sie meist die Grundlinie des Leadgesangs, während sie auf dem Debüt oft selbst die Rolle des Leadgesangs übernommen haben. Die Band hat sich sowohl beim Schreiben des Materials als auch bei der Umsetzung weiterentwickelt, was heißt: Die Chemie zwischen den Bandmitgliedern im Studio ist noch weiter gewachsen und hat so ein neues Qualitätslevel erreicht.
Mit dem Stilwechsel haben es Sworn Enemy geschafft, die ganze eruptive Wut und Raserei auf das Album zu bringen, sodass es über die gesamte Spielzeit buchstäblich aus allen Nähten platzt, getrieben vom glühenden „Thrasher“-Gewieher. Ein Album, vollgepackt mit Energie und Wucht, das blutig mit der Politik des westlichen Systems abrechnet! Das Riffing ist so überzeugend, dass sich dafür nicht mal die unantastbaren Slayer schämen müssten.
Das Quartett liefert einen technisch makellos gespielten Sound, mit brennend lebendigen, angeschärften „thrashy“ Spitzen und der besessenen Schärfe aggressiv ausgespuckter Vocals, die bei all dem tollwütigen Gebell ein Fitzelchen Melodie behalten – aber wirklich nur ein winziges, flüchtiges Fitzelchen –, sodass man keine Angst haben muss, als Hörer mit irgendeinem überflüssigen Metal-Gerappe konfrontiert zu werden! Das „Schredding“ ist präzise abgestimmt, der Sound der Band ist angriffslustig, aggressiv und lebendig, der Bass schabt metallisch, die Tiefe seiner Linie ist konkret und fett. Bei aller Direktheit und Arroganz und kurzer, knackiger Prägnanz bieten Sworn Enemy extrem kurze Gitarrensolo-Einlagen, die beweisen, dass diese Jungs einfach spielen können. Die Soli nehmen der Platte nichts von ihrer Durchschlagskraft, sondern pushen nur die Dynamik der rohen Aggression durch das ganze Album.
Wie gesagt! Sworn Enemy gehören zu den wenigen Glückspilzen, bei denen sich dieser mutige Schritt weg vom typischen „Hardcore“-Ausdruck, den die Band auf dem Debüt „As Real As It Gets“ (2003) getragen hat, voll ausgezahlt hat. Beim Verschmelzen der beiden Genres haben Sworn Enemy ihr neues Album praktisch komplett „thrashig“ angelegt und ihm als Schminke Elemente von „Hardcore“ beigemischt – früher war es genau umgekehrt. „The Beginning Of The End“ ist ein gelungenes Beispiel für die geglückte Metamorphose von Sworn Enemy und bedeutet eigentlich den Beginn einer neuen Ära für die Band. Spannend wird zu sehen, wohin sie sich mit ihrer Ausrichtung noch bewegt. Definitiv haben sie durch die neue musikalische Richtung, die „The Beginning Of The End“ bietet, komplett neue Inspiration und neuen Schwung gefunden, und das ist ein schöner Ansatzpunkt für das Wachstum der Band in der Zukunft. „The Beginning Of The End“ ist von vorne bis hinten ein gefährlich wütendes Album, das dich bei lebendigem Leib verschlingt. Weicheier machen besser einen großen Bogen darum. Sworn Enemy beweisen damit, dass sie genau dahin hauen, wo es am meisten wehtut!
Besetzung
Sal LoCoco – Gesang
Lorenzo Antonucci – Gitarre
Jamin Hunt – Bass
Paul Antignani – Schlagzeug
Produktion
Tim Lambesis
Tracklist
1. Forgotten
2. Scared of the Unknown
3. The Beginning of the End
4. Save Your Breath
5. Absorb the Lies
6. All I Have
7. We Hate
8. No Second Chances
9. After the Fall
10. Here Today
11. Weight of the World
Spieldauer: 49:09