Teufelsschwanz streift die Bluesiana

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Autor: Rok Klemše

Ort: Bluesiana Rock Cafe / Velden Am Woerhersee / Österreich
Konzertdatum: 09.11.2007
Besucherzahl: 170
Ticketpreis: 32€ (an der Abendkasse 35€)

 Endlich! Mein erster Besuch der so viel besungenen Bluesiana als Mitglied des RockLine-Teams! Schon bald merkte ich, dass das nicht von ungefähr kommt: ein Club mit außergewöhnlicher Atmosphäre, fantastischem Ambiente und freundlichem Personal. Der kleine Club im Schoß des österreichischen Kärnten, angeführt von der sympathischen Besitzerin, Frau Gudrun, ist schon im zwanzigsten Betriebsjahr, und in dieser respektablen Laufbahn hat auf der Bühne der Bluesiana so ziemlich die gesamte Weltelite der Musik geschwitzt (der guten Musik, versteht sich). Darauf weisen Fotos der Legenden selbst hin, die fast alle Wände bedecken, und schon ein kurzer Blick auf das Konzertprogramm im Oktober: von Vernon Reid über Doug Wimbish bis zum Grund für meinen ersten (und ganz sicher nicht letzten) Besuch der Bluesiana – Devil’s Slingshot.

Devil’s Slingshot sind ein Trio mit beneidenswerten Namen, bei denen jeder Musiker die Augenbrauen hochzieht und die Kinnlade runterklappt – am Bass Mr. Billy Sheehan, einer der meistrespektierten Bassisten des Planeten, immer wieder zur absoluten Nummer eins ausgerufen, Meister zahlreicher Formationen, von Talas, Mr. Big, Niacin bis zu Steve Vai und David Lee Roth. An Gitarre und Keyboards der Virtuose Tony MacAlpine, den wir von Planet X kennen, als Gitarristen bei Steve Vai und Vinnie Moore sowie als hervorragenden Solomusiker. Hinter dem Schlagzeug der verrückte Australier Virgil Donati, ebenfalls von Planet X bekannt, der seine Händchen und Füßchen ansonsten schon einer ganzen Plejade von Weltmusikern geliehen hat. Ja, das ist das Teufelstrio, Devil’s Slingshot!

Die Tore zu Dantes Inferno öffneten sich um Viertel vor zehn doch noch, als die großen Drei unter lautem Gejohle der rund 200-köpfigen Menge auf die Bühne liefen. Ohne Zögern zündeten sie los mit dem Stück Winter in Osaka von MacAlpines Soloplatte Premonition, und die nicht ganz volle Bluesiana (daran war sicher der nicht gerade freundliche Preis schuld) hob ab. Das Trio raubte uns volle zwei Stunden lang den Atem: Tony MacAlpine mit präzisen Soli und zündenden, zeitweise fast thrashigen Riffs (wie etwa im nächsten Stück Nederland, vom Devil’s Slingshot-Album Clinophobia), Virgil Donati mit präzisen Schlägen, ultratechnischem Drumming, klassischen Übergängen und mörderischer Doublebass, und der große Billy Sheehan mit seinem ganz eigenen, unglaublichen Bassspiel, mit völlig eigenständigen, einzigartigen Techniken des Double-Tappings, der Akkorde, des kontrollierten Feedbacks und sogar eines selbstgebauten Kapodasters. Aber die Jungs sind weit entfernt von seelenlosen Technikern, denn sie springen mühelos vom Überschall-Soloing in wunderschöne, verträumte Melodien, die MacAlpine an den Keyboards kräftig untermauert, ist Tony doch klassisch ausgebildeter Pianist und holt sich seine Inspiration vor allem bei Chopin. Mit Empire in the Sky führte uns Tony wieder zu seiner Solokarriere zurück, und zwar zu seinem Debüt Edge of Sanity, mit dem Titelstück dann noch zu seinem jüngsten Werk Chromaticity. Mit Lay Off stellten sie uns Clinophobia vor (übrigens: Klinophobie ist die Angst vorm Schlafen), bei Don’t Look Down kam endlich Sheehan auf seine Kosten und präsentierte ordentlich sein atemberaubendes Bassspiel. Interessant ist die Legende, wie Sheehan mit dem Spielen angefangen hat, zunächst an der Gitarre. Seiner Schwester klaute er ständig die Akustikgitarre und wünschte sich verständlicherweise bald eine elektrische. Seine Oma meinte, nur über ihre Leiche, und siehe da, die Alte ging bald über den Jordan, und Billy kaufte sich vom Erbe seine erste E-Gitarre. Tja, als er dann zum ersten Mal Tim Bogert (Vanilla Fudge) sah, tauschte er die Gitarre schnell gegen den Bass, wurde zum Bass-Innovator und zu einem der größten Namen an diesem Instrument. Warum? Na ja, man hätte sein Solo sehen müssen oder das Duell Sheehan/MacAlpine, bei dem sich die beiden alten Hasen wie nichts die Soli zuspielten und abwechselten. Natürlich standen auch MacAlpine, der sich gleich zwei Solonummern gönnte (an Gitarre und Keyboards), und Donati mit der besten Schlagzeug-Solonummer, die ich je erlebt habe, nicht zurück. Kein Wunder, denn Donati hat „da unten“ sein erstes Drumset schon mit zwei Jahren bekommen und wurde sofort Schlagzeuger in der Band seines Vaters. Das Trio Devil’s Slingshot umgibt auf der Bühne eine unglaubliche Chemie, das Publikum bekommt einen äußerst energiegeladenen, völlig hingebungsvollen Auftritt (dabei sticht vor allem der unterhaltsame Sheehan heraus), und man merkt der Band die Kilometer deutlich an, denn auf der Bühne wirken sie völlig entspannt, und schon von Weitem sieht man, dass sie es genießen. Na ja, diesmal war Donati der Außenseiter, Sheehan und MacAlpine hingegen hatten reichlich geniale „Stand-up“-Comedy-Einlagen. MacAlpine neckte Billy den ganzen Auftritt über mit einem Plektrum, das Sheehan gegen Ende doch noch schnappte, Donati hingegen konnte er es leider nicht mehr anbieten. Und Sheehan entlockte dem Publikum jedes Mal, wenn er ans Mikrofon trat, tosende Lachsalven, besonders als ihm das Mikro ordentlich einen Stromschlag verpasste. Tja, wir sind eben ein paar Sadisten. Wir schwammen noch einmal zu Clinophobia und zu den Solokarrieren aller drei Wunderknaben und trieben nach zwei vollen, adrenalingeladenen Stunden dem Abschied entgegen.

Devil’s Slingshot haben den hohen Ticketpreis voll gerechtfertigt, zwei Stunden großartige Mucke waren jeden Euro wert, und die Jungs verteilten gleich nach dem Auftritt gutmütig Autogramme auf alles, was ihnen unter den Kuli kam – von „Flyern“, Postern, Alben, Gitarren, Jacken, nur ein paar weibliche Brüste fehlten noch… Nach dem Konzert gaben Sheehan und MacAlpine für ein paar Dutzend ausdauernde Fans noch ein richtiges Unplugged-Minikonzert an Akustikgitarre und Klavier und spielten Klassiker von Bowie, den Beatles, Journey usw. Auch wenn in mir reines Metal-Blut fließt, wird mich die Bluesiana nach so einem Abend ohne Zweifel wiedersehen!

Fotos: Jani Lah
Text: Rok Klemše

Setlist

1. Winter in Osaka
2. Nederland
3. Empire in the Sky
4. Chromaticity
5. Lay Off
6. Don’t Look Down
7. Ballade de Bastille
8. Dog Boots
9. Witch & The Priest
10. Def Bitch Blues
11. Suspense Is Killing Me
12. Stream Dream
13. Taj (drum solo)
14. X-Mass Island
15. Confrontation/Naked

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