Tales From Topographic Oceans

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Yes
Label: Atlantic Records
Veröffentlichung: 1973
Spielzeit: 80:03
Bewertung: 5/5

‚Tales From Topographic Oceans‘ ist eines der wichtigsten und mutigsten Alben, die in der Geschichte des symphonischen Progressive Rock entstanden sind. Es enthält vier miteinander verflochtene, konzeptionelle Geschichten (vier Akte in vier Songs), inspiriert von der Lektüre der ‚Autobiography of Yogi‘ (Autor: Paramahansa Yogananda). Wie ihr wahrscheinlich alle wisst, haben Yes für ‚Tales From Topographic Oceans‘ Bill Bruford durch Alan White ersetzt. Bruford hatte sich auf eigenen, brennenden Wunsch King Crimson angeschlossen, die damals gerade einen neuen Drummer suchten. Der Wechsel war alles andere als leicht, denn Bruford war genau das, was Yes damals brauchten, und mit seinem Abgang verloren sie mehr als offensichtlich, vor allem an Raffinesse und Witz beim Improvisieren der Rhythmuslinie selbst. Alan White war, verglichen mit dem Jazz-Puristen Bruford, ein waschechter Rock-Drummer, dessen Potenzial bei Yes auf der Platte ‚Relayer‘ (1974), dem Nachfolger von ‚Tales From Topographic Oceans‘, voll zur Geltung kam

‚Tales From Topographic Oceans‘ ist die kritische Platte von Yes, die die Fans gespalten hat. Die einen kühlten gegenüber Yes komplett ab, die anderen wurden zu noch glühenderen Anhängern der Band. ‚Tales From Topographic Oceans‘ ist tatsächlich eine der provokantesten Platten in der Geschichte der Gruppe. Und eingespielt wurde sie praktisch spontan. Aus dem Kopf direkt in die Finger. Steve Howe sagt, dass sich damals diese Gelegenheit bot (sie hatten bei der Arbeit völlig freie Hand). Also wagten sie sich furchtlos über die Grenzen hinaus. Die Hauptakteure bei der Entstehung der endgültigen Gestalt von ‚Tales From Topographic Oceans‘ waren Steve Howe und Jon Anderson. Das Produkt ihres spontanen Ansatzes ist ein maximal fragmentiertes Album mit teils schwer verständlichen, deviantenen Ausklinkern und zusammengewürfelten Motiven, die fast ohne jeden rationalen Sinn aufeinander folgen, stellenweise mit totalen Psycho-Momenten, die über die Platte hinweg aber eine einzigartige Fusion erschaffen, die wir als den berühmten, einmaligen und unverwechselbaren ‚Yes-Kosmos‘ verstehen, durchgehend gespickt mit fantastischen Momenten der Transzendenz. Der enttäuschte Rick Wakeman hatte von dieser neuen Art, Musik zu schreiben die Nase gestrichen voll und verließ Yes nach der Tour zum ersten Mal. Und gerade die massiven Mellotron-Klangteppiche von Rick Wakeman geben ‚Tales From Topographic Oceans‘ das Gefühl, die Platte wogt in den Tiefen des Ozeans. Die Musik steht auf den Wellen, auch klassische Rock-Momente schaffen es nicht, die Waage zu ihren Gunsten kippen zu lassen, und gehen praktisch verloren im Meer des Dahintreibens durch das kosmische Mellotron, Howes berühmte ’steel pedal glissando‘-Momente und Jons hohen, engelsgleichen Gesang mit zusätzlichen Vokalarrangements, und natürlich im unablässigen Aneinanderreihen verschiedenster Motive, die gnadenlos an keiner einzigen Stelle auch nur einen Hauch von Kompaktheit zulassen. Darum ist ‚Tales From Topographic Oceans‘ beim rationalen Zugang zum Hören ein verdammt harter Brocken. Mit seiner extremen Unvorhersehbarkeit ist es eigentlich ein unendlich aufregendes Album, das mit seinem Witz und seiner experimentellen Innovationskraft dem Hörer kaum erlaubt, sich daran sattzuhören. Die einzig wahre Taktik, mit der du an dieses Album herangehst, ist die, dass du die Gedanken (deinen Ratio) abschaltest und dich der Musik einfach hingibst.

Die Poesie ist so tief, dass man sie nicht in eine Form pressen kann. Einfach gesagt, enthüllt sich durch die vier Akte irgendwie der Sinn unseres Seins, unserer Existenz, die Kunst, das Leben zu leben, aus Erfahrung zu lernen, in sich selbst zu suchen. In Form einer Predigt, minimalistisch gesagt, eines ‚Rock-hinduistischen Rituals‘.

Yes haben eine Platte superiorer musikalischer Fusion geliefert, die in völliger Symbiose mit dem Konzept der Erforschung des Sinns des Lebens durch spirituelle Sphären jenseits der Horizonte der Logik steht, und neue Dimensionen in der Welt der Musik aufgestoßen. ‚Tales From Topographic Oceans‘ ist eine Platte des Feierns. Des Zelebrierens des Rituals des Lebens. Lass dich fallen und erschaffe! Erhebe dich und segle durch den Himmel! Vereine dich mit der Weisheit des Ozeans. Sei Licht! Mit ihrer provokanten Innovationskraft, ihrer musikalischen Begeisterung und ihrem Intellekt haben die klassischen Yes mit ‚Tales From Topographic Oceans‘ ihren experimentell-episch-symphonischen Höhepunkt erreicht, der damit eines der Fundamente der Progressive-Rock-Musik darstellt.

Besetzung

Jon Anderson – Gesang
Steve Howe – alle Gitarren und Gesang
Chris Squire – Bassgitarre und Gesang
Rick Wakeman – Keyboards
Alan White – Schlagzeug

Produktion

Eddie Oford

Tracklist

1. The Revealing Science Of God – Dance Of The Dawn (20:27)
2. The Remembering – High The Memory (20:38)
3. The Ancient – Giants Under The Sun (18:34)
4. Ritual – Nous Sommes Du Soleil (21:35)

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