Swings Both Ways
Autor: Jernej Vene
Interpret: Williams, Robbie
Label: Island Records
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 45:10
Wertung: 3.5/5
Ich kenne einige erfahrene Beobachter und Kommentatoren des Musikgeschehens im In- und Ausland, die von Anfang an skeptisch gegenüber der Bearbeitung von Klassikern der Popularmusik sind. Mit dem Begriff „populär“ sollte man sehr vorsichtig umgehen, da ihn jeder auf seine eigene Weise verwendet. Darunter fallen können Klassiker des Rock ’n‘ Roll, des Hard Rock, Schlager ….
Robbie Williams greift am liebsten in die Jazz- und Big-Band-Archive. Das Geschwätz über die Frage, ob Bearbeitungen bekannten Materials angemessen sind, ist auch diesmal, wie üblich, mehr als genug. Manche nehmen Musikdarbietungen auch völlig anders wahr und streiten sich darüber, welche Eier hat und welche nicht. Fakt ist aber, dass jeder anders hört und urteilt, weshalb auch das Maß für den »Eier-Erfolg“ diskutabel, sprich rein subjektiv ist. Ihr eigenes Musikverständnis projizieren sie auf etwas, das allgemeine Gültigkeit haben soll. Aber Kunst – und Musik als ihren äußerst wichtigen Teil – ist schwer zu begreifen. Und damit sind wir wieder am Anfang, oder? Es ist gut, dass jeder etwas findet, das ihn entspannt, inspiriert und beruhigt – egal welches Genre die betreffende Musik hat.
Robbie Williams ist ein Zar, wie man bei uns gerne sagt. Von mir aus kann er auch Kaiser, Herzog, König, Graf, Vicomte, Marquis oder sonst was sein. Vielleicht auch Vorsitzender einer Agrargenossenschaft. Ist ja egal. Was zählt, ist dass er sich mit seinen Karriereleistungen die Möglichkeit gesichert hat, aufzunehmen, was er will. Kurzum, er ist schlicht ein Meister seines Fachs. Und seine Leistungen erreichen von Zeit zu Zeit auch das jüngere Publikum. Wie viel echte Leidenschaft Robbie für klassische oder Swing-Hits aufbringt, ist natürlich fraglich. Ebenso, ob er dabei wirklich künstlerische Absichten verfolgt oder das Ganze nur Geldmacherei ist. Ich denke, er ist trotz allem aufrichtig genug. Aber man muss ehrlich sagen, dass nicht alle Arrangements an die Originale heranreichen, die einst von Größen wie Louis Prima, Fred Astaire, Roger Miller, Bette Davis oder den unzähligen anderen gesungen wurden, die bis heute die Ballade Dream A Little Dream Of Me aufgenommen haben. Aber Robbie Williams hat sich trotzdem Mühe gegeben und das Beste aus sich herausgeholt, was möglich war. Außerdem sind fast die Hälfte der Songs Originalkompositionen, geschrieben in einem leichten Retro-Stil, der seit knapp einem Jahrzehnt beliebt ist. Man denke an die verstorbene Amy Winehouse, die mit ihrem eigenen Neo-Jazzy-Swing viel erreicht hat – und noch so viel mehr hätte erreichen können, wäre sie nicht so früh gegangen. Nun, Robbie hat im Gegensatz zu Amy trotz all seiner Rock-Eskapaden und Ausschweifungen schließlich Stabilität und Ruhe gefunden. Das kommt offenbar mit den Jahren und der Familie. Swings Both Ways ist sein zweites Album dieser Art. 2001 zeigte sich diese Vorliebe bereits mit Swing When You’re Winning, das in seiner Heimat die Chartspitze erklomm – wie alle seine anderen Alben, außer Reality Killed The Video Star aus dem Jahr 2009. Auch das neue Swings Both Ways war im November bereits in der ersten Woche nach Veröffentlichung ganz oben, wo es sich bis Ende 2013 hielt. Die USA hingegen sind eine andere Geschichte. Dort bedeutet Robbie Williams so gut wie nichts – mit keinem Album kam er höher als Platz 43. Das dürfte ihn aber wohl kaum allzu sehr stören. Er hat auch das Glück, dass Swings Both Ways das 1000. Album ist, das die britischen Charts angeführt hat. Aber Trivia beiseite …
Es erübrigt sich zu schreiben, dass die musikalische Darbietung – besonders dort, wo das Sinfonieorchester zum Einsatz kommt – hervorragend ist. Dafür hat die Crème de la Crème erfahrener Studiomusiker gesorgt, die es gewohnt sind, in noch so große Fußstapfen zu treten. Natürlich weiß Robbie dank der Finesse der Produzenten, dass bekannte Songs anders präsentiert werden müssen, weshalb er viele Arrangements mit Duetten bereichert hat. Lily Allen, Rufus Wainwright, Michael Buble und andere sind ein starker Magnet. Am imposantesten von allen ist natürlich das Stück No One Likes A Fat Popstar – eine Parodie auf die Kleingeistigkeit und Durchsichtigkeit der modernen Medien-Instantwelt. Die nötige Dramatik wird dabei auch von einem mächtigen Chor unterstützt. Das zehnte Williams-Album ist ein wirklich solides Werk. Swings Both Ways ist sicher nicht jedermanns Sache, aber Robbie gebührt trotzdem Dank dafür, dass er einige Klassiker nach über zehn Jahren einem neuen Hörerjahrgang vorgestellt hat. Ich hoffe, er nimmt sich in zehn Jahren wieder etwas Ähnlichem an und präsentiert einer neuen Generation einen frischen Strauß Evergreens. Falls die Jugend ihn dann überhaupt noch hören will – wenn er seinen Fünfzigsten feiert, ist er für die doch schon ein alter Knacker.
Besetzung
Robbie Williams – Gesang
Lily Allen, Kelly Clarkson, Michael Buble, Olly Murs, Rufus Wainwright – Gesangsduette
Carl Verheyen – Gitarre
Guy Chambers – Keyboards
Nathan East, Sam Burgess – Bassgitarre
Bernie Dressel – Schlagzeug
Eric Marienthal, Tom Scott, Iain Bellamy – Saxofon
Chuck Findley, Gary Grant – Trompete
Capital Voices – Chor
The London Session Orchestra – Sinfonieorchester
Produktion
Guy Chambers, Gary Barlow
Trackliste
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1 |
Shine My Shoes |
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2 |
Go Gentle |
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3 |
I Wan’na Be Like You |
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4 |
Swing Supreme |
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5 |
Swings Both Ways |
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6 |
Dream a Little Dream |
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7 |
Soda Pop |
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8 |
Snowblind |
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9 |
Puttin‘ On the Ritz |
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10 |
Little Green Apples |
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11 |
Minnie the Moocher |
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12 |
If I Only Had a Brain |
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13 |
No One Likes a Fat Pop Star |