Straight Shooter
Künstler: Bad Company
Label: Swan Song
Erschienen: 1975
Laufzeit: 38.46
Bewertung: 4.5/5
Straight Shooter ist das zweite Album der Blues-Rock-Titanen Bad Company, mit dem Rodgers und Kompanie nach dem hervorragend aufgenommenen Debüt diesmal ziemlich überraschend die Pferde zügeln. Straight Shooter trägt nämlich nicht die düstere Ladung des Vorgängers, der für sein urwüchsiges Dröhnen eines moralisch meist anrüchigen Blues Rocks bekannt ist. Das konzeptuell und vor allem thematisch ähnlich angelegte Projekt vier versierter Musikprofis, dessen wichtigste Ausdrucksasse fest auf den Elementen von Blues und Soul aufgebaut und in einfache, direkt zugestellte Musikstrukturen verwoben bleiben, streckt diesmal seine Fühler erstmals deutlicher nach den Musikmärkten jenseits des Atlantiks aus. Die Metamorphose zugunsten leichterer Ansätze könnte man heute leicht mit einer chaotischen Mischung aus evolutiver Reifung der Band und streng diktiertem Manövrieren verwechseln, das allzu oft ausschließlich als Folge überzogener kommerzieller Erwartungen der Labels auftritt. Das unermessliche Talentkapital von Bad Company war das perfekte Material für ein solches Szenario – für das der geniale Geist von Paul Rodgers zum Glück nicht einmal hören wollte.
Die zentrale Figur des Albums, sowohl im kompositorischen als auch im performativen Sinne, bleibt natürlich Paul Rodgers. Der Gute schreitet mit Straight Shooter mutig der künstlerischen Reife entgegen. Die Lektionen der sorglosen Free-Tage werden hier kühn zu pompösen, granitartig gebauten Motiven geschmiedet, die in künstlerischem Wert und Ausdruckskraft das naive Nachspielen von Blues-Standards weit übertreffen. Aber keine Panik. Charisma und Autorität von Paul Rodgers bieten wie immer genug emotionale Aufruhr und fördern natürlich ganz bewusst die Entstehung von Umständen, bei denen eine elitäre Truppe urwüchsiger Instinkte schnell in deine Bude einschleicht. Paul setzt mit Straight Shooter neue Maßstäbe des vokalen Blues britischer Herkunft – oder, wenn man so will, des Blues Rock insgesamt (alle Coverdale-Manöver, die Jahre später folgten, sind mit allem Respekt vor David oft nur eine Kopie des brillanten Erbes des großen Meisters). Obwohl man kaum behaupten könnte, dass Rodgers nach neuen Ausdrucksnuancen lechzt, öffnet sich durch das konkretere Einbringen von Melodie, zusätzlich eingebettet in immer diszipliniertere kompositorische Strukturen, mit Straight Shooter vor uns langsam ein neues Kapitel in der Geschichte des legendären Vokalists, der sich in seiner Ausdrucksweise immer mehr auf inhaltlich ganzheitlich abgerundete Schöpfungen stützt, mit denen er die Tradition des instinktiv lebendigen, vor allem aber aufrichtigen Ausdrucks ehrfurchtsvoll bewahrt. Sorglosigkeit und ein ziemlich verdorbenes Leichtleben führen uns gemeinsam durch das einleitende Good Lovin‘ Gone Bad, das eigentlich eine klassische Bad Company-Nummer ist, voller bunter Akrobatik auf hormoneller Basis. Ähnliche „Probleme“ pflegt eifersüchtig das charakterlich völlig anders geartete Feel Like Makin‘ Love, das einen der seltenen dynamischen Sprünge des Albums bietet. Der Song ist der Prototyp eines perfekt ausbalancierten Blues-Rock-Stücks, das neben den obligatorischen Anlehnungen an die baldige Paarungssaison durch die Strophe eine ansteckende, eingängige Melodie trägt. Ein echter Köder für einfachere Geschmäcker, ohne dabei die Blues-Wurzeln zu verleugnen.
Straight Shooter bietet im weiteren Verlauf einen leichten Spaziergang durch Weep No More, das – ähnlich wie Anna, und bis zu einem gewissen Grad auch Call On Me – mit hervorragendem Navigieren durch Soul-Gewässer aufwartet, wie man es aus den frühen Free-Tagen kennt. Rodgers versteckt diesmal seine größten Trümpfe jedoch nicht in der Erkundung der Reize der musikalischen Vergangenheit, sondern im Nutzen seines stetig wachsenden Ausdrucksspektrums. Die Hommage daran ist das großartige Shooting Star – ein Song mit einer düsteren, ja fast schon beängstigenden lyrischen Botschaft. Die bewegende Erzählung vom Aufstieg und (zu) frühen Fall eines Rock-Stars, mit der sich Paul Rodgers in bis dahin unberührte poetische Tiefen begibt, ist eine der besten Schöpfungen von Bad Company. Von hier an entfachen sich die Leidenschaften unvorhersehbar wie am Fließband. Deal With The Preacher dreht das Räderwerk von Bad Company auf volle Touren, und mit Wild Fire Woman wirken die düsteren Gedanken von Shooting Star nur noch wie blasse Erinnerungen, begraben unter einer dicken Schicht organischen Zuckens einer monströsen Testosteron-Maschine.
Mit Straight Shooter werden die Farbnuancen von Bad Company lebendiger als je zuvor. Das Album strahlt durchgehend Vitalität aus, die in dieser frühen Entwicklungsphase zweifellos wesentlich war für den Erhalt der Lebensenergie und des kreativen Schwungs der Band. Eine Schlüsselrolle in diesen Regenerationsprozessen spielte zweifellos Paul Rodgers, dessen klare Entwicklungsvision jede Möglichkeit charakterlicher Funkenflüge zunichte machte und die Reihen des Bad Company-Kollektivs nach Lehrbuch schloss. Das Ergebnis ist entsprechend! Straight Shooter enthüllt ungeahnte Horizonte und bereitet gleichzeitig den Boden für zukünftige Triumphe der Band.
Besetzung
Paul Rodgers: Gesang, Keyboards
Mick Ralphs: Gitarre
Boz Burell: Bass
Simon Kirke: Schlagzeug
Produktion
Bad Company
Tracklist
1. Good Lovin‘ Gone Bad
2. Feel Like Makin‘ Love
3. Weep No More
4. Shooting Star
5. Deal With The Preacher
6. Wild Fire Woman
7. Anna
8. Call On Me