Steamroller heizte die Bluesiana ein – erstmals (2014)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Velden am Wörthersee / Bluesiana Rock Cafe / Österreich
Konzertdatum: 04.09.2014
Besucherzahl: 100
Eintrittspreise: 36,00€ / 40,00€

Steamroller sind drei großartige Musiker, die im modernen Rock bleibende Spuren hinterlassen haben. Nicht der Unbekannteste unter ihnen, Michael Devin, als aktueller Bassist von Whitesnake, arbeitet daran noch ein wenig, während die beiden anderen, nämlich Gitarrist Doug Aldrich (Whitesnake, DIO, Burning Rain, Bad Moon Rising, Hurricane,..) und Schlagzeuger Brian Tichy (Whitesnake, Foreigner, Billy Idol, Lynch Mob,..) bereits etablierte und international anerkannte Musiker sind. Brian Tichy ist eigentlich ein Rückkehrer  bei Steamroller. In der ersten – eigentlich der Gründungsbesetzung – war er dabei, doch die Verpflichtungen gegenüber anderen Musikprojekten hielten ihn bis zu diesem Jahr stets von Touren mit Steamroller fern. Aller guten Dinge sind drei: Aldrich und Devin gelang es nun endlich, den Kollegen nicht nur auf Tournee zu bringen, sondern auch in den wohl liebenswertesten Blues-Rock-Club der Welt, die Bluesiana natürlich!

Mit ihrer Rückkehr in die Bluesiana eröffneten Steamroller den europäischen Teil ihrer neuen Konzerttournee. In der Bluesiana wurden gleich zwei aufeinanderfolgende Auftritte bestätigt, mit der Ankündigung zweier unterschiedlicher Setlists. Den Club besuchten rund 70 Köpfe. Dennoch sorgte die Schar der dem Rock-’n‘-Roll-Zauber ergebenen Fans gemeinsam mit dem heißen Trio für eine großartige Atmosphäre. Interessant ist, dass Steamroller keine besonderen Überraschungen in der Setlist bereithielten. Diese war eine Mischung aus der des vorjährigen wie auch des vorletzten Besuchs.  Das Repertoire erstreckte sich auf theatralische zweieinhalb Stunden! Doug Aldrich bekannte sich offen zu seiner großen Begeisterung für Werk und Wirken von Led Zeppelin. So funktionierte seine Gitarre klanglich phänomenal, als die Band sich Heartbreaker vornahm, ebenso wie beim Zugabenklassiker Stairway to Heaven. Lediglich das eröffnende Immigrant Song trug eine merkliche Klangverzerrung, doch die Techniker kamen den Anforderungen des »Soft Spots« des Clubs im weiteren Verlauf rasch nach.  Ehrlich gesagt ist es schwer, eine Band dieses Kalibers an ein Clubambiente zu gewöhnen.  In jedem Fall klingt es zu laut. Und auch diesmal füllte es die Bluesiana unübertroffen aus. In jeder Hinsicht. Devin und Aldrich fanden in Tichy einen Kumpanen, der für jeden Gag zu haben ist. Tichy war durchgehend das Ziel ihres theatralischen Spottens – besonders Michael Devin ließ sich in den Pausen zwischen den Songs ausgiebig über Tichy aus, natürlich aber blieb Brian weder Douglas noch Michael etwas schuldig und »versenkte« beide ein paarmal gehörig vor der Menge, die sich dabei köstlich amüsierte.

Die Band entwickelte den Eröffnungsteil des Auftritts sehr ähnlich wie vor einem Jahr. Nach Immigrant Song folgte der wutentbrannte, knarzige Mountain-Klassiker Never In My Life, dann aber die erste Neuheit der Setlist: Whipping Post, das im Original The Allman Brothers Band gehört. Die Gruppe brachte Stevie Wonders I Wish wieder in die Setlist, wobei  Stevies Raffinesse durch die extreme Schärfe der gehörig aufgerauten Rocknoten ersetzt wurde. Devins Gesang funktioniert besonders gut beim Imitieren von Robert Plant, dem er sich in Passagen, die keine frenetischen Vokalausbrüche erfordern, unglaublich würdevoll annähert. Die Mitglieder des Trios zollten in einer der Pausen ihrem bis dato wohl besten Arbeitgeber herzlich Tribut. Die Rede ist natürlich vom großen David Coverdale (Whitesnake). Aldrich widmete bei dieser Gelegenheit vor der Darbietung von Crying in the Rain (Whitesnake) seine Eröffnungsworte David und rief die Anwesenden auf, mit erhobenen Gläsern und Bierflaschen auf den besten Hard-Rock-Sänger aller Zeiten anzustoßen!

Nach der schelmischen Darbietung von Eric Claptons Evergreen Cocaine setzte die Band ihre Show mit Bob Marleys I Shot the Sheriff fort. Die Reggae-Rhythmen wurden um weitere fünf Minuten verlängert, da die Band danach auf das etwas luzidere Stück namens Walking in the Moon umsattelte, das im Original The Police gehört. Gerade in diesem Stück spürte man, dass da drei Männer voller überschüssigem Testosteron auf der Bühne standen, mit brennendem Verlangen nach rücksichtslos dröhnender Rockverzerrung, da jede Spur der Raffinesse, die dieses Stück streng verlangt, in Steamrollers Interpretation eben verschwand. Devin riss mit seinem Gesang im knallharten Deep Purple-Klassiker Space Truckin‘ alles nieder, und die Band nahm sich zum Abschluss des regulären Teils wieder (wie vorhersehbar!) Smoke on the Water vor, wobei Douglas das mitgerissene Publikum einlud, in den Strophen die Rolle des Lead-Vocals zu übernehmen. In diesem Song störte beim Solo wirklich der Klang von Aldrichs Gitarre, der nicht im Geringsten an den weichen Klagton von Blackmores Original erinnerte. »Strat« ist halt »Strat«. Aldrich hatte an diesem Abend seinen Sound auf Led Zeppelin eingestellt. Also Gibson LP ohne jede Grenze! Der Sound war fett, dreckig, gierig. Rockig, kompromisslos aufgeraut!

Die Band spielte auch den Klassiker Statesboro Blues und berührte damit indirekt die Erinnerung an die Version von The Allman Brothers Band des Originals, das Blind Willie McTell schuf.

Douglas Aldrich fühlt sich in den Räumlichkeiten der Bluesiana mehr als wohl und hat das auch offen zugegeben, und Michael Devin begleitete den Kollegen mit einem herzlichen Dankeschön an die Chefin der Bluesiana, die unerschütterliche Gudrun Kofler. In einem der Jams, die viele begeisternde solistische Einlagen von Tichys einzigartigem Schlagzeugspiel wie auch Aldrichs außergewöhnliche Gitarrenakrobatik enthielten, flog Tichy ein Drumstick aus der Hand auf die Vorderkante der Bühne. Doug beugte sich fürsorglich herunter, hob ihn auf und gab ihn dem Kollegen zurück, obwohl es aussah, als könnte Tichy problemlos  auch mit einer Hand weiterspielen. Dass sich die Band wirklich souverän fühlte, zeigte sich besonders in der Fortsetzung des Konzerts mit einer ganzen halben Stunde Zugabe. Nach dem bereits erwähnten Stairway to Heaven nahmen sich Steamroller erwartungsgemäß eines der kraftvollsten Riffs aus Whitesnakes musikalischem Schatz vor, in der Darbietung von Still of the Night, dann richtete Doug den erhobenen Zeigefinger seiner Rechten auf den Tontechniker am Mischpult, was so viel bedeutete wie »Noch einen Song!« Die Band haute einen Blues-Rock-Jam heraus, in den sie Love Me Two Times (The Doors) einflochten, den sie mit einem kurzen Einschub von Light My Fire würzten. Die Party schien kein Ende zu finden.

Erstklassige Show, reinste Theatralik. Publikum erfüllt und gesättigt. Angesichts der Tatsache, dass die Band nun zum dritten Mal in der Bluesiana aufgetreten ist – und das in drei aufeinanderfolgenden Jahren –, wird sie in Zukunft ihr Konzertrepertoire unbedingt gehörig durchlüften müssen, wenn sie weiterhin auf das strikte Spielen von Rock-Klassikern setzen will. Hoffen wir, dass auch die eine oder andere eigene Komposition entsteht. Das wäre nämlich das Tüpfelchen auf dem »i« für das Dasein dieses höchst unterhaltsamen Trios, das trotz extremem Erfahrungsreichtum, routinierter Gerissenheit und Können noch immer voller jugendlichem Biss und erstklassiger darstellerischer Perfektion steckt, die in der Herzwärme echter Hard-Rock-Ästhetik die Bluesiana eingeheizt hat. Achtung! Es folgte noch ein weiterer Tag – doch mehr dazu in der nächsten Meldung aus der Bluesiana!

Den Rockline-Bericht vom zweiten Konzert von Steamroller in der Bluesiana vom 05.09.2014 lest ihr HIER!

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