Statt Ostereiern: To Hate und Infidia im Orto

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Autor: Rok Klemše

Ort: Orto Bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 23.03.2008
Besucherzahl: 40
Ticketpreis: 5,00€

Nach einem Wochenende voller Osterleckereien hat der Osterhase (eigentlich Umazani dihurčki) zum Abschluss des verlängerten Wochenendes gleich noch zwei Konzerte für den traditionellen Metal-Montag im Orto Bar mitgebracht. Am Montagabend hat es ordentlich geschneit, weshalb leider etwas weniger Metalheads den Orto besucht haben, die nach Growls und glühenden Gitarren lechzten. Vielleicht waren einfach alle übersättigt von allem Kirchlichen, womit uns Ostern ja im Überfluss zuballert. Wie auch immer: Der obere Stock vom Orto hat sich trotzdem ganz ordentlich gefüllt, denn es warteten zwei vielversprechende slowenische Metal-Bands auf uns, diesmal das steirische Duo To Hate und Infidia.

Den Anfang zur Osterpredigt machten To Hate aus Čeršak, das sich langsam zur echten Brutstätte für Bands entwickelt. To Hate bringen seit 2004 melodischen Death Metal im Stil von In Flames, At the Gates oder Dark Tranquillity in die slowenische Szene. Schon zur Begrüßung haben To Hate kompromisslos das schlagkräftige Key to the Suicide Area rausgehauen, das leider gleich wieder den schlampigen Sound im Orto offenbart hat. Die Rhythmusfraktion aus Olci am Bass und Tuty an den Drums ist zwar dynamisch und abwechslungsreich, war aber leider so laut, dass die Gitarren öfter untergingen. Schade, denn das Gitarrenduo Jure Vandur/Marko Strnad zockt hervorragende, vom schwedischen Death Metal inspirierte Riffs und melodische Passagen, die die sonstige Aggressivität und Brutalität wunderbar auflockern. Die steckt vor allem in Jures tollem, rohem Growl, der auch live perfekt funktioniert, und mit viel Charisma ist Jure obendrein ein echter Frontmann. Der Gesang war übrigens gut abgemischt, nur beim cleanen, gesprochenen Part von Colour of My Death schwächelte er. Weil To Hate und Infidia sich schon wegen des gemeinsamen Drummers nahestehen, haben die beiden Bands beschlossen, eine kleine Überraschung vorzubereiten. Bei Omen leistete Infidia-Sängerin Tina den Jungs von To Hate auf der Bühne Gesellschaft. Die Kombi aus scharfem Growl und klarem, zarterem Frauengesang klang zumindest sehr interessant, denn Jure und Tina haben super zusammengepasst. Nach Burn Down With My Existence kam noch die obligatorische In-Flames-Coverversion, diesmal Swim vom Album Clayman, wieder mit Tina, die sich prima geschlagen hat, obwohl Frauengesang für dieses Genre nicht gerade gemacht ist (Arch Enemy lassen wir mal beiseite). To Hate haben noch drei echte Hymnen des Göteborg-Metal rausgefeuert und bewiesen, dass sich in einem schon ziemlich ausgelutschten Genre immer noch frische und knackige Songs schreiben lassen. To Hate – von Čeršak bis Göteborg!

TO HATE:
1. Key To The Suicide Area
2. Colour Of My Death
3. Omen
4. Burn Down With My Existence
5. Swim
6. We Fuck ‚Em Young
7. Room Of Eternity
8. Step Of Truth

Nach To Hate gab es etwas zarteren Metal von der Power-Metal-Combo Infidia aus Marburg, die vor allem mit ihrer letztes Jahr erschienenen, starken EP Led By The Light auf sich aufmerksam gemacht hat. Dass die Mädels und Jungs nicht auf der faulen Haut liegen, bewiesen sie mit jeder Menge neuerer Songs, etwa dem Opener Soulburn. Wieder zeigte sich leider der schwache Gitarrensound, die Gitarren waren öfter schlechter zu hören. Trotzdem haben sie instrumental auf gutem Niveau gespielt; leider hat Tina ein paarmal leicht gepatzt, vor allem bei den Covern, die eigenen Songs hat sie dafür umso besser gesungen. Das erste Cover kam mit einem fantastischen Song der schwedischen Prog-Power-Metaller Evergrey, Blinded. Der ist gesanglich ziemlich knifflig, und nur Sänger Tom Englund schafft es, ihn mit unglaublichem Gefühl zu singen, deshalb gab es ausgerechnet bei diesem Song die meisten Gesangspatzer. Für zartere Seelen passte die Ballade Lunaine, danach folgte ein neueres Cover, das hüpfende Popstückchen der neuen Nightwish, Amaranth, das wenigstens ziemlich gut zu Tinas Stimme passt. Spannend war es, Starchild in der Akustikversion zu hören (mir persönlich gefällt die Originalversion deutlich besser), dazu das schlagkräftige One Step From Hell und Losing My Dreamland, und danach das beste Cover des Abends, der Kultsong Gutter Ballet der legendären Savatage, souverän und würdig gespielt und gesungen. Den Geschmack verdarb etwas das Cover des klischeehaften Power-Metal-Gassenhauers von Sonata Arctica, My Land, aber den Geschmack rettete einer der besseren Tracks von der EP, Vision. Es war Zeit, dass sich auch Jure für Tinas Gastauftritt revanchierte, und gemeinsam mit Infidia sang er den Hit To Hate von Children of Bodom. Zum Schluss erlebte Šujo eine nette Überraschung: Die Band widmete ihm den W.A.S.P.-Klassiker Wild Child, mit dem das Konzert auch endete. Aber die Band bekam natürlich Rufe nach „Zugabe“, und ganz zum Schluss gab es von Infidia noch den bestens gespielten Edguy-Hit Superheroes.

INFIDIA:
1. Intro
2. Soulburn
3. Alive!!!
4. The Dreamer And The Nightmare
5. Blinded
6. Lunaine
7. Amaranth
8. Like No Tomorrow
9. Starchild
10. One Step From Hell
11. Losing My Dreamland
12. Gutter Ballet
13. Twist Of Fate
14. My Land
15. Vision
16. Hate Me
17. Wild Child
—Zugabe—
18. Superheroes

Fotos: Aleš Podbrežnik
Text: Rok Klemše

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