Starbreaker
Künstler: Starbreaker
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2005
Starbreaker ist ein internationales Projekt aus hervorragenden Musikern. Ich sag’s gleich vorweg: Das selbstbetitelte Debüt ist ein echter Überflieger im Hard Rock von heute, wo der Markt mit einem Hagel von Alben überladen ist, die nichts weiter sind als ausdruckslose, durchschnittliche Klone des Besten.
Im Zentrum steht der Gesang von Tony Harnell (ex-TNT), und schon die erste Beobachtung dazu ist interessant. Das ist nicht das typische Produkt, das man von einem TNT-Sänger erwarten würde. Verglichen mit dem Produktionssound der TNT-Alben mit Harnell am Mikro klingt Starbreaker viel aggressiver, produktionstechnisch roher, also klanglich und produktionstechnisch auf ein breiteres Publikum ausgerichtet. Der Grund dafür liegt auf den Schultern von Produzent und Starbreaker-Bassist Fabrizio Grossi, der in der Vergangenheit mit großen Namen wie Glenn Hughres, Dave Navarro und House Of Lords zusammengearbeitet hat. Er hat auch den Puls von Starbreaker hervorragend auf Band gebannt! Dabei bleiben Starbreaker der Melodik treu.
Ein sehr wichtiges Glied der Band ist Gitarrist Magnus Karlsson (Last Tribe, Allen/Lande), über den ich nur wieder sagen kann, dass er fürs Komponieren und Spielen in genau der Gesellschaft geboren ist, die ihn umgibt. Der Skandinavier hat einen scharfen Riff-Sound, die rohe Produktion verwischt ihn fein und ganz flüchtig, sodass die ganze Riff-Materie ein bisschen moderner klingt, mit einem Hauch aufregendem „Groove“. Dabei fehlt nie das überlegene Gespür dieses Gitarristen, ein beeindruckend ausgearbeitetes, ultramelodisches Solo draufzulegen, das sich kompakt und stimmig in den Inhalt jedes einzelnen Songs einfügt.
Das Hauptelement, das das Album von den Hard-Rock-Klischees wegbringt, ist hier John Macaluso. Dieser hervorragende Drummer ist ein Instrumentalist der Extraklasse, der mit Y.J. Malmsteen und den legendären Riot gespielt hat und außerdem zwei starke Alben vorweisen kann, die unter dem Dach des unvergesslichen Projekts Ark erschienen sind. Macaluso und Harnell sind alte Kumpels aus der Zeit des TNT-Albums „Realised Fantasies“ (1992), für das Macaluso die Drums beigesteuert hat. Macaluso ist der Faktor, der das Progressive einbringt, das heißt: Die Riffs werden in den Übergängen bravourös mit der bunten Witzigkeit der Rolls aufgewertet, und die Umsetzung der vielfarbigen Drumarbeit bringt ein Element der Unvorhersehbarkeit aufs Album, was im Hard Rock eine echte Seltenheit ist, so, als würde man die Nadel im Heuhaufen suchen, aber dieses Ding, falls es existiert, bringt selbstverständlich sofort eine qualitative Abweichung vom Durchschnitt nach oben! Gerade der einzige Instrumentalsong des Albums, Dragonfly, erinnert daran, was z. B. Macaluso auch für die leider viel zu früh zerfallene Band Ark bedeutet hat. Er streift ganz flüchtig das, was Macaluso bei Ark gemacht hat. Der Track gehört genretechnisch zum Progressive Metal und ist in dieser Hinsicht glasklar. Ein Moment ruckartigen Jammens, der die Dynamik des ganzen Albums auf ein noch höheres Level katapultiert! Unglaublich ist aber, dass der Pre-Chorus des abschließenden Save Yourself noch einmal den Zauber des Progressiven einfängt, der Ark so üppig geziert hat.
Das Album ist der definitive Überflieger der Hard-Rock-Szene für das Jahr 2005 und dehnt diese zeitliche Begrenzung mühelos über die obere und untere Grenze hinaus aus, vielleicht sogar auf ein ganzes Jahrzehnt. Es ist eine enorm kompakte, qualitativ durchgehend starke Scheibe von der ersten bis zur letzten Sekunde. Das heißt: Auf dem Album gibt es nicht einen einzigen „Filler“, der ihm Minuten fressen und dabei die Ohren und den Assoziationskortex des Gehirns vollstopfen würde, und keinen schlechten Song, der einen emotional vom Album abkühlen könnte. Die For You, der das Album eröffnet, beginnt mit einem Motiv einer hinduistischen Feier, das plötzlich von einem wuchtigen Riff durchschossen wird, und das Album läuft mit hoher Voltzahl los, die bis zum Ende nicht nachlässt! Die Vielfarbigkeit der Songs garantiert die hohe Dynamik des Albums, das persönliche Bekenntnis im „Moll“-Gewand der Melodien garantiert Dramatik und damit hohe Atmosphäre. Ein ansonsten klassisch gebautes Hard-Rock-Album, das aber vor allem wegen einer feinen Prise Experimentierfreude, witziger Ideen und einer lebendigen, „groovy“ Produktion, die das Gesamtbild aufwertet und in der das Wort Klischee völlig verschwindet, mit echten Überfliegern glänzt. Man kann keine Höhepunkte herausgreifen. Die Songs sind gleichwertig, das Album ist in dieser Hinsicht wirklich makellos. Angesichts der sonst extremen Auslastung der beteiligten Musiker stellt sich nur die Frage nach dem Nachfolger dieses Rock-Juwels. Ein Album, das nur so vor freigesetzter kreativer Energie kocht und brodelt!
Besetzung
Tony Harnell – Gesang
Magnus Karlsson – Gitarre, Keyboards
Fabrizio Grossi – Bass, Sampler
John Macaluso – Schlagzeug
Produktion
Fabrizio Grossi
Tracklist
1. Die For You
2. Lies
3. Break My Bones
4. Crushed
5. Days Of Confusion
6. Transparent
7. Light At The End Of The World
8. Cradle To The Grave
9. Underneath A Falling Sky
10. Turn It Off
11. Dragonfly – (Instrumental)
12. Save Yourself
Spielzeit: 52.27