Starbreaker : Starbreaker

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsjahr: 2005
Produktion: Fabrizio Grossi
Spielzeit: 52.27 Min.
Genre: AOR / Melodic Rock


Starbreaker ist ein internationales Projekt aus lauter exzellenten Musikern. Ich sag’s dir gleich vorweg: Das selbstbetitelte Debüt ist ein echtes Highlight im Hard Rock von heute, wo der Markt unter einem Hagelschauer von Alben ächzt, die nichts als ausdruckslose Mittelmaß-Klone des Besten sind.

Im Zentrum steht der Gesang von Tony Harnell (ex-TNT), und schon die erste Beobachtung dazu ist spannend. Das ist nicht das typische Produkt, das man von einem TNT-Sänger erwarten würde. Verglichen mit dem Produktionssound der TNT-Alben mit Harnell am Mikro klingen Starbreaker viel aggressiver, in der Produktion rauer, also klanglich nicht gleich auf ein breites Publikum getrimmt. Schuld daran ist Albumproduzent und Starbreaker-Bassist Fabrizio Grossi, der früher schon mit großen Namen wie Glenn Hughes, Dave Navarro und House Of Lords gearbeitet hat. Den Puls von Starbreaker hat er hervorragend auf Band gebannt! Dabei bleiben Starbreaker der Melodik treu.

Ein ganz wichtiger Baustein der Band ist Gitarrist Magnus Karlsson (Last Tribe, Allen/Lande), von dem ich nur noch mal wiederholen kann, dass er fürs Komponieren und Spielen in genau so einer Gesellschaft geboren ist. Der Skandinavier hat einen scharfen Riff-Sound, die rohe Produktion verwischt ihn raffiniert ganz leicht, sodass das ganze Riff-Material einen Hauch moderner klingt, mit einer Prise aufregendem „Groove“, und trotzdem fehlt nie dieses überlegene Gespür des Gitarristen, ein beeindruckend ausgetüfteltes, ultramelodisches Solo draufzulegen, das sich kompakt und stimmig in jeden einzelnen Song einfügt.

Das Hauptelement, das das Album von Hard-Rock-Klischees wegholt, ist hier aber John Macaluso. Dieser hervorragende Drummer ist ein Instrumentalist der Extraklasse, hat mit Y.J. Malmsteen und den legendären Riot gespielt und kann außerdem zwei starke Alben vorweisen, die unter dem Dach des unvergesslichen Projekts Ark erschienen sind. Macaluso und Harnell sind alte Kumpels aus der Zeit des TNT-Albums „Realised Fantasies“ (1992), auf dem Macaluso die Drums beigesteuert hat. Macaluso ist der Faktor, der das Progressive ins Spiel bringt: Die Riffs werden in den Übergängen mit der bunten Witzigkeit seiner Rolls brillant aufgewertet, und die Vielfarbigkeit seiner Drumarbeit bringt ein Element der Unberechenbarkeit aufs Album, was im Hard Rock echt eine Seltenheit ist, wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, aber wenn es so was gibt, bringt es selbstverständlich sofort einen qualitativen Ausschlag nach oben gegenüber dem Durchschnitt! Gerade der einzige Instrumentalsong des Albums, Dragonfly, erinnert daran, was Macaluso zum Beispiel auch für die leider viel zu früh zerfallene Band Ark bedeutet hat. Er streift kurz das, was Macaluso bei Ark gemacht hat. Der Track gehört stilistisch zum Progressive Metal und ist in dieser Hinsicht lupenrein. Ein Moment ruckartiger Jam, der die Dynamik des ganzen Albums auf ein noch höheres Level katapultiert! Unglaublich ist aber, dass der Pre-Chorus vom abschließenden Save Yourself noch einmal den Zauber des Progressiven einfängt, der Ark so üppig geschmückt hat.

Das Album ist der definitive Höhepunkt der Hard-Rock-Szene des Jahres 2005 und dehnt diese zeitliche Grenze mühelos über das obere und untere Intervall hinaus, vielleicht sogar über Jahrzehnte. Es ist eine ungemein kompakte, qualitativ durchgehend konsistente Scheibe von der ersten bis zur letzten Sekunde. Das heißt: Auf dem Album gibt es nicht einen einzigen „Filler“, der ihm Minuten auffressen und dabei die Ohren und den Assoziationskortex im Gehirn zernagen würde, keinen schwachen Song, der einen emotional von diesem Album abkühlen könnte. Die For You, der das Album eröffnet, beginnt mit einem Motiv aus einem hinduistischen Fest, das plötzlich von einem wuchtigen Riff durchschossen wird, und das Album läuft los mit hoher Voltzahl, die bis zum Schluss nicht nachlässt! Die Vielfarbigkeit der Songs garantiert eine hohe Dynamik des Albums, das persönliche Bekenntnis im „Moll“-Gewand der Melodien garantiert Dramatik und damit eine hohe Atmosphäre. Eigentlich ein klassisch gebautes Hard-Rock-Album, das aber vor allem dank einer herrlichen Prise Experimentierfreude, witziger Ideen und einer lebendigen, „groovy“ Produktion, die das Gesamtbild aufwertet, über sich hinauswächst – und in diesem Bild verliert sich das Wort Klischee völlig. Man kann keine Highlights des Albums herauspicken. Die Songs sind gleichwertig, das Album ist in dieser Hinsicht wirklich makellos. Angesichts der sonstigen Dauerbeschäftigung der beteiligten Musiker stellt sich nur noch die Frage nach einem Nachfolger dieses Rock-Juwels. Ein Album, das förmlich überkocht und an allen Ecken und Enden vor freigesetzter kreativer Energie brodelt!

Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 9.5 / 10


Tracklist:
1. Die For You
2. Lies
3. Break My Bones
4. Crushed
5. Days Of Confusion
6. Transparent
7. Light At The End Of The World
8. Cradle To The Grave
9. Underneath A Falling Sky
10. Turn It Off
11. Dragonfly (Instrumental)
12. Save Yourself

Besetzung:
Tony Harnell – Gesang
Magnus Karlsson – Gitarre, Keyboards
Fabrizio Grossi – Bass, Sampler
John Macaluso – Schlagzeug

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