Stara šula: Rojeni v Jugoslaviji
Label: Eigenveröffentlichung
Produktion: Stara šula
Erscheinungsjahr: 2015
Stara šula melden sich nach ihrem Studioerstling von 2012 mit einem zweiten Album zurück. Auch darauf halten sie an der bewährten Form des bis auf die Knochen abgezogenen Garage-Rock’n’Rolls fest, vollgepackt mit der heiligen Wut punkverdächtiger Bissigkeit. So ein Teufel ist das, wenn du in Jugoslawien geboren wurdest. Zuerst machen sie dir weis, dass die Werte von Bruderschaft und Einheit heilig sind. Du glaubst ihnen und folgst. Dann machen sie dir weis, dass Marktwirtschaft und Privateigentum besser seien als gesellschaftliches Eigentum und Selbstverwaltung, und du glaubst ihnen noch mehr, weil sie dich davon überzeugen, dass du garantiert besser leben wirst. Nun, die Fakten sehen ganz anders aus. Das Volk — nach 24 Jahren »unabhängiger Staat« — barfuß, nackt, verarmt, schuftet für ausländisches Kapital und eine Handvoll fettgesättigter Profiteure, bei denen der gesunde Menschenverstand vor lauter materiellem »Wohlstand« verrottet. Tschüss, Zukunft. Das sind, glaubt es oder nicht, nun mal die Fakten der Realität unserer schönen neuen Welt, der wir sadomasochistisch als Sklaven dienen.
Stara šula wählt keine schönen Worte. Die Texte schäumen vor Wut und rebellischer Energie. Es lohnt sich, sie noch einmal zu erleben — vor allem im kompromisslosen Gewand des wilden Rock’n’Roll-Exzesses, den dieses so authentisch gespielte Album verkörpert. Der Schrei des kleinen Mannes, ein Einblick in alltägliche Intrigen. Da sind natürlich wieder Frauen, Alkohol. Die Klassiker der Rock’n’Roll-Beichte eben. Am Mikrofon hält weiterhin Krt durch, mit seinem durchdringend kehligen Gesang — ansonsten Gitarrist der Band El Kachon. Wenn sein Gesang euch nicht die Gehörgänge und Samenleitungen freifegt und dabei gleichzeitig die biologische Uhr »reguliert«, dann müsst ihr aus Stein sein.
Wie gesagt. Die Band liefert eine überlegene Dosis feurigen Rock’n’Rolls, der auf hohen und höchsten Touren mit mehr oder weniger Punk-»Dreck« dosiert ist (je nach Songtyp) — Parallelen zu Motörhead liegen auf der Hand, manche Übergänge zwischen Strophen und Refrains ziehen gar zu Thin Lizzy oder frühen Elementen der NWOBHM-Bewegung hin, allen voran zur frühesten Version von Iron Maiden. Die Gruppe kann auch ins gemächliche Schaukeln abdriften, wie im teils SKA-verpackten To ni mesto (Strophe) oder später in Osvobodi me. Was die »Punk-Energie« betrifft, lassen sich Parallelen zu einst verbündeten Bands des seligen Jugoslawiens ziehen, allen voran Partibrejkers. Der Song Spet si prava schlägt auch eine Brücke zu AC/DC — das Einstiegsriff zieht sogar zur »heilig verehrten Verstimmtheit« der großen The Rolling Stones hin. Ähnliche Gefühle ruft auch der Song Zdaj je čas hervor.
Stara šula bleiben ihre eigene Geschichte. Ihr Ansatz ist durch und durch authentisch, garagen-live. Sinnlich, leidenschaftlich und so herzlich wie möglich. Das Album trägt eine nackte Live-Produktion — die rockscharf eingefangene Energie dieses so platzierten Schunds ist der Abdruck des Studio-Ansatzes nach dem Prinzip »alle für einen, einer für alle«. Die Band hat dieses Album also im Team eingespielt. Nach dem Vorbild eines Konzertauftritts im Studio. Mutig und kompromisslos. So wird’s gemacht, wenn man mit der Magie des Rock’n’Rolls hantiert. Und jetzt nichts wie rauf auf die Bühne mit dem neuen Album, liebe Jungs!
Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 8.0 / 10
Trackliste
1. Rojeni v Jugoslaviji
2. Zdaj je čas
3. Free Your Mind
4. To ni mesto
5. Dance
6. Človek
7. Nova vera
8. Osvobodi me
9. Spet si prava
10. Zvečer
Besetzung:
Andrej Barbarič „Krt“ – Gesang, Gitarre
Tomaž Zupančič „Tomi“ – Gitarre
Gregor Fabijan „Febo“ – Bassgitarre
Rok Primec „Roki“ – Schlagzeug