Solid Ball Of Rock

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Interpret: Saxon
Label: SPV Records
Release: 1991
Bewertung: 4.5/5

Der Vorgänger „Destiny“ hatte ziemlich viel Zuckerguss drauf. Klar, Saxon hatten 1986 das Glam-Metal-Syndrom erwischt, den damaligen Musiktrend. Nach dem mehr oder weniger klischeehaften „Destiny“-Album, bei dem die Kritiker sie vor allem in ihrer Heimat Großbritannien regelrecht ausgebürgert hatten, gönnten sich die Jungs ganze sechs Jahre Pause, zogen nach Deutschland um und nahmen dort „Solid Ball Of Rock“ auf. Schon der eröffnende Titelkiller ist klassisch Saxon ausgerichtet, Heavy Metal mit offenen, wuchtigen Riffs, fein mit Rock’n’Roll gewürzt. Die Platte ist also die Rückkehr zu dem, womit sich Saxon in den Achtzigern in den Metal-Himmel katapultiert haben. Vor „Solid Ball Of Rock“ haben Saxon sicher kein so starkes und schweres Werk abgeliefert. Aber was nützt das, wenn die Zeit sie in den sechs Jahren überrollt hat. Der Name blieb. Saxon sind so mit dem Trend der Achtziger in die Geschichte eingegangen. Aber was dann?

Hauptsache, sie sind zu dem zurückgekehrt, was sie am besten können. Zu dem, was als Originalband bis heute nur sie so draufhaben. „Solid Ball Of Rock“ steht schon allein wegen der langen Zeitspanne, in der es entstand, für enorme Ausgereiftheit und Perfektion, sowohl in der Produktion selbst als auch im Songwriting. „Requiem (We Will Remember)“ hätte sich, wäre sie in den goldenen Achtzigern entstanden (lies: dem „goldenen“ Zeitalter für das Genre, das Saxon spielen), angesichts des einmaligen, unverwechselbaren Hauptriffs garantiert den Evergreen-Status erspielt. Ich halte das 2002er-Remaster in den Händen. Auch wenn ich vom Aussehen des CD-Booklets enttäuscht bin, das ziemlich „lieblos hingeklatscht“  und ohne besonderen ästhetischen Anspruch gestaltet ist, gibt es auf dem Remaster auch die gekürzte Version des Songs Requiem, die in jenen längst vergangenen Tagen als Single erschien. Der zweite Bonus heißt „Reeperbahn Stomp“ und beweist, dass die Jungs im Studio während der Aufnahmen zu „Solid Ball Of Rock“ richtig Spaß hatten.

Klar, „Solid Ball Of Rock“ ist das Debüt für Nibbs Carter, der nach zehn Jahren zahlreicher Rochaden in der Band bis heute in der Besetzung geblieben ist. Der Junge, der für die Gruppe eine echte Frischzellenkur war, zeigte sofort enorme Fingerfertigkeit am Bass, den eine dicke melodische Linie ziert. In der rechten Hand benutzt Nibbs kein Plektrum. Auch als Komponist hat er sich bei dieser Platte hervorgetan.

Die Rückkehr der klassischen Saxon mit „Solid Ball Of Rock“ bedeutete für die Band eine neue, feste Bodenhaftung, mit eisernen Hymnen in den Refrains von Songs wie: „Altar Of Gods“, „Lights In The Sky“, „Baptism Of Fire“, „Ain’t Gonna Take It“ (die wunderschöne Basslinie im Übergang zum Refrain und im Refrain selbst schafft mit ihren Slides bei diesem Song eine unglaubliche Stimmung), „I’m On Fire“… „Overture In B-Minor-Refugee“ ist eine verdammt gute Halb-Ballade. Was ging damals wohl in Nigel Glocklers Kopf vor? Denn maßgeschneiderte Übergänge hätte er für diesen Song am Schlagzeug nicht besser aus sich herausholen können (achte besonders auf die Refrain-Übergänge, die der Kerl im Ausklang des Songs spielt). Das beweist nur eins: Die Jungs haben diese Platte wirklich mit Seele und Herz gemacht, jeder hat sein Maximum beigesteuert. Also kein Rumkomplizieren. Musik aus offenen, wuchtigen und einmalig ausgefeilten Riffs. Alle Songs sind ein Killer nach dem anderen.
„Solid Ball Of Rock“ ist ein stählerner Klassiker. Für alle, die Saxon gerade erst kennenlernen: Pflichtdroge, während die treuen Anhänger der Band wohl schon das Re-Master von 2002 besitzen.

Besetzung

Biff Byford – Gesang
Paul Quinn – Gitarre
Graham Oliver – Gitarre
Nibbs Carter – Bass
Nigel Glockner – Schlagzeug

Produktion

Kalle Trapp & Saxon

Tracklist

1.Solid Ball Of Rock (4:40)
2.Altar Of The Gods (3:42)
3.Requiem (We Will Remember) (5:18)
4.Lights In The Sky (4:07)
5.I Just Can’t Get Enough (4:38)
6.Baptism Of Fire (3:13)
7.Ain’t Gonna Take It (4:52)
8.I’m On Fire (4:24)
9.Overture In B-minor/Refugee (5:37)
10.Bavarian Rhapsody (1:15)
11.Crash Dive (3:08)

BONUSSONGS AUF DER 2002ER REMASTER-AUSGABE:
12.Requiem (We Will Remember) (single version) (4:41)
13.Reeperbahn Stomp (3:25)

Spielzeit: 52:58

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