Skrivnost
Autor: Peter Podbrežnik
Interpret: Feedback
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2013
Wertung: 4/5
Die Gruppe Feedback aus Tolmin hat bisher bereits drei Studioalben und eine EP veröffentlicht, auf denen sie auf beeindruckende Weise eine überaus gelungene und in diesen Breiten selten anzutreffende instrumentale Mischung aus Fusion mit Elementen aus Jazz, Rock, Funk und Blues demonstriert hat – spürbar beeinflusst vom Sound einiger mehr oder weniger legendärer Musikschaffender der Siebziger, wofür auch die authentischen Instrumente jener Ära verantwortlich sind. Feedback haben sich schon zu Beginn ihrer Karriere entschieden, dass ihr musikalischer Ansatz keinen Sänger braucht – was für sich genommen, angesichts ihres Stils, letztendlich vielleicht eine gute Entscheidung war, auch wenn sich die Dinge in naher Zukunft noch ändern könnten. »Skrivnost« ist der Titel ihres vierten Studiowerks, das vier Jahre nach dem Vorgänger »Pro Mehanika« (2009) erschien und in den Jahren 2012 und 2013 aufgenommen wurde. Es enthält einige Stücke, die in der Anfangsphase der Band entstanden, bis dahin aber unveröffentlicht geblieben sind. Feedback haben deshalb entschieden, dass es endlich an der Zeit war, sie das Tageslicht erblicken zu lassen. So haben sie alle sieben alten-neuen Stücke ‚live‘ mitten im Studio und ohne Overdubs aufgenommen und mit frischen, man könnte sagen aktualisierten Arrangements versehen. Beim Hören der einzelnen Kompositionen merkt man überhaupt nicht, dass sie entstanden sind, als sich die Band noch in ihrer Anfangsentwicklung befand – sie strahlen beachtliche kompositorische und arrangiertechnische Reife aus, was all jene nicht überraschen wird, die dem kreativen Schaffen dieser interessanten und für slowenische Verhältnisse zweifellos ungewöhnlichen Gruppe schon länger folgen.
Das Eröffnungsstück »Sara« hat seinen Titel wohl von der Gastklarinetistin Sara Frece, die sich auf dieser Aufnahme hervorragend mit dem musikalischen Ansatz der Bandmitglieder zusammengefunden hat. Die ersten Sekunden mit dem pompösen Orgelintro erinnern ein wenig an den Beginn des Stücks »Giant« vom Debütalbum der Progressive-Rock-Legenden Gentle Giant – das ist aber sicher reiner Zufall. Kurz darauf folgt ein Übergang in dynamischen Fusion, bei dem neben abwechslungsreichen Variationen auf der E-Gitarre vor allem die Hammond-Orgel in den Händen von Miloš Leban eine starke Rolle spielt. Zwischendurch hört man auch einige ungewöhnlich packende Gitarrenphrasen aus den Fingern von Matej Magajne, während die eklektische Rhythmussektion eine wahre Wohltat für die Ohren ist. Bestimmte Ambient-Segmente erinnern hier ein wenig an den frühen Santana, aber auch an den frühen Camel, was bedeutet, dass die Struktur des Stücks mit dem betont warmen Klang der Hammond-Orgeln dem Klangerbe des Jazz-Fusion der Siebziger außerordentlich treu ist. »Wagha-Chicu« ist ein weiteres komplexes, aber ambient entspanntes Werk, bei dem die Bandmitglieder sich wieder mit freiem Improvisieren austoben – besonders stark leistet dabei die Rhythmussektion unter der Regie von Andrej Klavžar am Bass und Andrej Maver am Schlagzeug.
Auf »Winter Time«, wo erneut der mächtige Klang der Hammond-Orgeln dominiert, sind ebenfalls die frühen Santana-Einflüsse spürbar – das wird alle Enthusiasten begeistern, die sich durch dieses wunderbare Klangerlebnis in romantischere Musikzeiten zurückversetzen lassen möchten. »Otroci Se Igrajo« zeigt mit seiner verspielten und beinahe beschaulichen, wenn nicht sogar unschuldigen Atmosphäre, die vor allem die Eröffnungssektion prägt, dass die Titel der einzelnen Feedback-Stücke nicht einfach aus der Luft gegriffen sind, sondern die Stimmung und Struktur der jeweiligen Werke treffend widerspiegeln. Die romantisch gewürzte Komposition »Faza Umiritve« ist mit ihren Blues-Improvisationen auf der Gitarre sowie den massiven Schichten von Hammond-Orgeln, die von abwechslungsreichen und subtilen rhythmischen Nuancen unterstützt werden, ein weiterer schöner Beleg für die wunderbaren virtuosen Fähigkeiten der gesamten Band. Im höchst geistreichen rhythmischen Experiment »I’ve Lost My Hair«, wo zwischen den einzelnen Sektionen auch ein pastorales Ambiente zu spüren ist, lassen sich zudem einige Klangelemente ausmachen, die typisch für die Canterbury-Szene des britischen Progressive Rock waren – vor allem für die melodischeren Vertreter mit Caravan an der Spitze.
Die abschließende 15-minütige Improvisations-Odyssee »Ne Vem Kaj Je To Skrivnost« ist voll farbenfroher Fusion-Jams, wie sie typisch für das goldene Zeitalter des Progressive Rock und Jazz-Fusion Mitte der Siebziger waren, während einige Improvisationsideen innovativ und geistreich genug sind, dass man Feedback mangelnde Eigenständigkeit beim besten Willen nicht vorwerfen kann. Die solistische Entfaltung der einzelnen Bandmitglieder ist eine treffliche und ungewöhnliche Mischung aus Virtuosität und Subtilität. Besonders hervorzuheben ist, dass sie trotz der beachtlichen Komplexität die melodische Komponente nie aus den Augen verlieren. Aus Magajnes Gitarrenspiel strahlt stets eine außerordentliche technische Selbstdisziplin, die jedoch nie in virtuose Angeberei abgleitet. Diesmal gelingt besonders gut die mittlere Sektion, wo sein Gitarrenimprovisieren mit ‚mathematischer‘ Präzision an einem bestimmten Punkt ein wenig an die King Crimson »Discipline«-Ära erinnert – beziehungsweise an die spezielle Gitarrentechnik, die der legendäre Robert Fripp in seiner Gitarrenschule begründet hat.
Feedback beweisen mit ihrem neuen Album »Skrivnost«, dass sie ihrem musikalischen Ansatz treu geblieben sind – und sind in puncto Qualität und Konsistenz (noch immer) einer der hellsten Sterne der ansonsten ziemlich obskuren slowenischen Progressive-Rock-Szene. Alle, die voll nostalgischer Sehnsucht auf den ‚altehrwürdigen‘ Sound der Siebziger schwören und Feedback vor allem deshalb schätzen, weil ihnen das Heraufbeschwören des klanglichen Glanzes ‚vergangener Tage‘ unglaublich gut gelingt, werden beim Hören aller sieben Stücke auf »Skrivnost« genauso viel Freude haben wie beim Hören ihrer früheren Werke. Auch das künstlerische Cover des Albums, das eine Acrylcollage und das gemeinsame Werk aller Bandmitglieder ist, spiegelt den musikalischen Inhalt schön wider.
Besetzung
Matej Magajne – Gitarre
Miloš Leban – Keyboards
Andrej Klavžar – Bassgitarre
Andrej Maver – Schlagzeug
GASTMUSIKERIN:
Sara Frece – Klarinette auf ‚Sara‘
Produktion
Dejan Lapajna
Trackliste
1. Sara
2. Wagha-chicu
3. Otroci se igrajo
4. Faza umiritve
5. I’ve Lost My Hair
6. Winter Time (Part 2)
7. Ne vem kaj je to skrivnost