Seventh Key
Künstler: Seventh Key
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2001
Bewertung: 4/5
Seventh Key! Gedacht als reines Studioprojekt und stiller Wunsch nach einem Studio-Soloalbum von Billy Greer. Ja! Niemand Geringeres als Billy Greer, der exzellente Bassist der legendären Kansas, der sich bei dieser Gelegenheit mit dem außergewöhnlichen Gitarristen Mike Slamer (Streets, Steelhouse Lane) zusammengetan hat. Ihre Wege kreuzten sich zum ersten Mal schon 1978, als Steve Walsh (Kansas) Streets gründete und Greer zur Band stieß, während bei Streets mit Walsh damals auch schon Slamer dabei war. Slamer ist nach langer Pause buchstäblich wie ein Phönix aus der Asche auferstanden und zockt auf dem Seventh-Key-Album derart entfesselt, als wäre er zu Tode ausgehungert und giere nach dem richtigen „Schrammeln“, das er all die langen Jahre vermisst hat. Das ist ein echtes Gitarren-Maschinengewehr, das die Sache bis auf den Grund durchzieht, und zwar mit links. Erster Riff, erster Takt, erste Note, wenn seine Gitarre losdonnert und die Band zündet und haut ihr klassischer Zugang zu raffiniertem Melodisieren im Hard Rock dem Hörer direkt zwischen die Augen.
Erstklassige Präsentation. 5 Songs sind schon vor langer Zeit entstanden, Billy hat sie nämlich bereits für Kansas geschrieben, aber sie fanden nie ihren Weg in die ohnehin reiche Kansas-Diskografie. Der Kerl wollte aber immer sein eigenes Solo Album. Und mit Seventh Key hat er endlich diese Chance bekommen. Auf dem Seventh-Key-Album wirkt auch der jetzige Deep-Purple-Gitarrist Steve Morse mit, der einst ebenfalls mit Kansas gespielt hat und Teil von The Dixie Dregs war. Beim Songwriting haben neben Greer auch Morse, Steve Walsh und unter anderem David Manion, Ron Miller und Mark Spiro mitgemischt. Kurzum, lauter gestandene alte Hasen! Zu den spannenderen Nummern gehört auch der AOR-Kracher Every Time It Rains mit einem Refrain im Stil von Roy Orbison oder den guten alten The Beatles. Der Übergang vor dem Refrain und der Refrain selbst tragen die Linien der Hauptstimme und die Harmonien genau so, dass sie in Richtung beider genannten Vorbilder ziehen. Natürlich in moderner Projektion.
Stilistisch sind Seventh Key moderner, ultramelodischer „Power“-Hard-Rock mit einem leichten Hauch von vereinfachten „Late Eighties“-Kansas. Aber eine völlig andere Geschichte, schwer vergleichbar. Etwas ist es aber doch. Billys warmer Tenor und die Gesangsharmonien, das ist die Geheimwaffe, die jeder Kansas-Fan kennt! Auch auf Seventh Key ist diese Perfektion bei uns wieder durchgehend erstklassig im Einsatz. Die Songs sind beeindruckend, maximal ausgearbeitet. Die Produktion ist groß und der Sound voll, satt und buchstäblich unübertroffen pulsierend über das ganze Album hinweg. Ausgewogene Instrumente, ein explosiver Gesang von Billy, voller kreativer Begeisterung, die der Motor all der Energie ist, die der Typ hinter dem Mikrofon aus seinen Eiern rausballert. Er ist wirklich ein außergewöhnlicher Sänger, der genau weiß, wie man ausdrucksstarkes Komponieren serviert, das gleich beim ersten Mal direkt in die Vene geht. Das Debüt Seventh Key ist ein klassisches Hard-Rock-Album, wie man es in den Achtzigern und um die Wende von den Achtzigern zu den Neunzigern gemacht hat. Auf „Seventh Key“ sind sie in Wahrheit unter Machern solcher Musik, und das Album hält sich kernig an die altbewährten Taktiken und Hard-Rock-Schablonen. Aber die Riffs sind wiederauferstanden, stahlhart lebendig und kriechen unnachgiebig unter die Haut. Höhepunkt der Platte ist Surrender, der vierte Song in der Reihe. Der strotzt bei völliger kompositorischer Perfektion, noch dazu, geradezu vor lauter Emotionen, die ihn durchströmen. Das Album platzt vor Spannung, die stetig wächst, und die Nummern kommen erst richtig zum Leben, wenn sie die Refrains erreichen.
Die Gesangsharmonien sind eine glatte Zehn, Slamer kommt aus dem Blues, aber sein Soliergang ist von Klassik durchdrungen, und es ist atemberaubend, wie der Virtuose beide Zugänge perfekt verbindet. Mit Eiern nah an Dave Meniketti (Y & T), aber mit dem Klassizismus klar im Vorteil gegenüber den Blues-Figuren, die er bloß als Gewürz zugibt. Die Atmosphäre packt dich ab der ersten Note und lässt dich bis zum Ende der Platte nicht mehr aus ihrer Umarmung. Das war’s. Dieses bescheidene „Projekt“-Album, das den Hörer sofort in die Höhe trägt und sich an Vollendung durchaus mit Klassikern wie Uriah Heep „Sea Of Light“ (1995) messen kann, hat als solches hervorragende Voraussetzungen und kann ein echtes Sprungbrett für Greer sein, um die legitime Fortsetzung zu machen. Nach dem, was Greer mit „Seventh Key“ abgeliefert hat, wird eine Fortsetzung zweifellos heiß ersehnt sein.
Besetzung
Billy Greer – Gesang, Bassgitarre
Mike Slamer – Gitarre
Terry Brock – Backing Vocals
David Manion – Keyboards
Chet Wynd – Schlagzeug
Gastmusiker:
Steve Walsh – Gesang, Backing Vocals
Steve Morse – Gitarre
Rich Williams – Gitarre
Phil Ehart – Schlagzeug
Produktion
Mike Slamer
Tracklist
1. Kid Could Play
2. Only The Brave
3. Missy
4. Surrender
5. When Love Is Dying
6. No Man’s Land
7. Every Time It Rains
8. Home
9. Forsaken
10. Prisoner Of Love
11. Broken Home
Spielzeit: 54:20