Seven
Autor: Peter Podbrežnik
Künstler: Soft Machine
Label: CBS
Veröffentlichung: 1973
Laufzeit: 43:15
Wertung: 4/5
Als »Seven«, das siebte Studiowerk der englischen Prog-Rock- bzw. Jazz-Fusion-Pioniere Soft Machine, entstand, vollzogen sie mit dem Einstieg des neuen Bassisten Roy Babbington (ex-Ian Carr’s Nucleus), der Hugh Hopper ersetzte, einen weiteren Schritt beim Aufbau eines mit subtilen und melodischen Arrangements veredelten Jazz-Fusion-Sounds, der sich deutlich von ihren komplexeren jazzig geprägten Anfängen unterschied. Von den Originalmitgliedern war auf »Seven« nur noch Keyboarder Mike Ratledge dabei, während Babbington, Multiinstrumentalist Karl Jenkins und Schlagzeuger John Marshall allesamt ehemalige Mitglieder von Nucleus waren – einer Band, der Soft Machine trotz des Umstands, dass sie nie einen Trompeter in ihren Reihen hatten, geschweige denn einen solchen Meister wie den verstorbenen Ian Carr, immer mehr zu ähneln begannen.
Die ‚problematischen‘, superkomplexen Improvisationselemente, die auf dem preisgekrönten Vorgänger »Six« (1973) noch eine wichtige Rolle gespielt hatten, waren unter Ratledges und Jenkins‘ tonangebender Komponistenhand größtenteils Geschichte, und »Seven« war für den durchschnittlichen Jazz-Fusion-Kenner, der Legenden des Genres wie die bereits erwähnten Nucleus, Mahavishnu Orchestra, Return to Forever und Weather Report verehrte, im Gegensatz zu den meisten früheren Soft Machine-Alben ein verhältnismäßig leicht verdaulicher Happen. Eine große Besonderheit des Soft Machine-Ansatzes im Jazz-Fusion war Jenkins‘ Einsatz der Oboe, die im Jazz eigentlich ein recht untypisches Instrument ist.
Hier und da lieferten die Bandmitglieder noch immer eine komplexere Improvisation ab, zugleich aber zogen sie das Tempo der meisten Stücke kräftig an – was schon beim eröffnenden Energiebeschleuniger »Nettle Bed« deutlich wird, der durch saftige Orgel- und Saxofonpassagen, ein überaus witziges Riff sowie eine allgemeine Ungezwungenheit und positive Atmosphäre besticht. »Carol Ann« ist ein sanftes Wiegenlied mit stillen Synthesizerklängen, während »Day’s Eye« von lebhaften Orgelimprovisationen durchzogen ist – stets Ratledges liebstes Keyboard-Instrument. Das ziemlich druckvoll klingende »Tarabos« enthält feurige Basslinien und zahlreiche Höhentöne der Synthesizer-Arrangements. »D.IS.« ist Marshalls nicht sonderlich inspirierter Schlagzeug- bzw. Perkussionsbeitrag, bei dem er mit repetitiven Percussion-Klängen improvisiert. Auch »Snodland« gehört zu den weniger inspirierten Momenten von »Seven«.
Deutlich interessanter fällt »Penny Hitch« aus, das sich nach einem langsamen Beginn zu einem energiegeladenen Stück mit zahlreichen mächtigen Schlagzeugübergängen entwickelt. Noch abwechslungsreicher klingt das von schelmischer Stimmung durchdrungene »Block«, das viele Orgelspäße sowie hartes Arbeiten der Rhythmusgruppe enthält. »Down the Road« enthält ein witziges Bassriff und verspielte Oboenvariationen, die Jenkins‘ Liebe zur klassischen Musik widerspiegeln, während sich im weiteren Verlauf weitere Improvisationen einschleichen. »The German Lesson« und »The French Lesson« sind kurze Keyboard-Improvisationseinlagen, die nicht mehr als ein etwas ausgedehnter Ausklang des vorangegangenen »Down the Road« sind.
»Seven«, das letzte Soft Machine-Album mit einer Zahl im Titel, war im Vergleich zu den Vorgängern ein deutlich zugänglicheres Werk, mit dem die Mitglieder der Jazz-Fusion-Pioniere, angespornt vom Erfolg von »Six«, ein etwas breiteres Publikum erreichen wollten. Als Ganzes war es ein sehr gelungenes Werk, das qualitativ in die goldene Mitte der Soft Machine-Diskografie einzuordnen ist. Ratledge und Jenkins begannen damals darüber nachzudenken, wie sie den Soft Machine-Sound noch weiterentwickeln und ‚veredeln‘ könnten, um ihn der Definition von Jazz-Rock-Fusion-Perfektion näherzubringen. Nach dem allzu früh gescheiterten Versuch, 1968 mit Andy Summers die Gitarre in den Soft Machine-Klang zu integrieren, fanden sie beim nächsten Studioprojekt, »Bundles« (1975), mit Allan Holdsworth in der Besetzung schließlich das, wonach sie lange gesucht hatten und was ihnen in ihrem Sound manchmal gefehlt hatte.
Besetzung
Mike Ratledge – elektrisches Klavier, Orgel, Synthesizer
Karl Jenkins – Oboe, Bariton- und Sopransaxofon, elektrisches Klavier
Roy Babbington – Bassgitarre, akustischer Bass
John Marshall – Schlagzeug, Perkussion
Produktion
Soft Machine
Trackliste
1. Nettle Bed (4:47)
2. Carol Ann (3:48)
3. Day’s Eye (5:05)
4. Bone Fire (0:32)
5. Tarabos (4:32)
6. D.I.S. (3:02)
7. Snodland (1:50)
8. Penny Hitch (6:40)
9. Block (4:17)
10. Down The Road (5:48)
11. The German Lesson (1:53)
12. The French Lesson (1:01)