See The Light

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Interpret: Healey, Jeff
Label: Arista Records
Erscheinungsjahr: 1988
Laufzeit: 48.52
Bewertung: 3.5/5

See The Light ist das Debütalbum des gefallenen Blues-Rock-Helden Jeff Healey. Es handelt sich um ein ziemlich inkonsistentes Werk – zwar vollgepackt mit robusten Blues-Rock-Manifestationen, doch zum großen Schaden des Gesamtklangbilds auch voller radikaler Abweichungen zugunsten erzwungen wirkender, strikt populär ausgerichteter Melodien. Genau das Vorhandensein letzterer mindert den Wert dieses sonst größtenteils aufregenden Dokuments drastisch.

Healeys Spielstil war zwar ungewöhnlich (aufgrund seiner Blindheit hielt der Mann die Gitarre beim Spielen waagerecht auf dem Schoß), dennoch zieht sein Sound beharrlich zahlreiche Parallelen zum Klang seiner Blues-Rock-Zeitgenossen. Daraus folgt natürlich unweigerlich, dass Jeff beim ansonsten souveränen Liefern des typisch aromatisierten Blues-Rock der 80er, den See The Light bietet, häufig zu schablonenhaft wirkt. Aber beim Debüt des tragisch verstorbenen Gitarristen dürfen wir nicht allzu streng sein – Blues-Rock ist dank seiner sprichwörtlichen Schwerfälligkeit und stark eingeschränkten Flexibilität letztlich ein Genre, das besonderer Behandlung bedarf. Healeys Talent ist unbestreitbar, besonders beeindruckend ist die Fähigkeit des Gitarristen, grob granulierte melodische Formen und Gestalten zu kreieren, die anschließend mutig in traditionell gegliederte Kompositionsstrukturen eingebettet werden. Diese ausgeprägte Eigenheit der Ausdrucksweise von Jeff Healey bietet damit ausreichend Garantie für innovatives Stöbern in einem Genre, in dem es ohnehin chronisch an allzu großen Neuerungen mangelt.

See The Light setzt trotz aller inhaltlichen Variabilität gleich zu Beginn verhältnismäßig hohe Standards – sowohl in der Ausführung als auch im Songwriting –, als Jeff Healey mit Confidence Man den Haupttrumpf des Albums ohne Zögern aus dem Ärmel zieht. Kompromisslos, entschlossen und auf den ersten Blick trägt Confidence Man alle Attribute eines modernen Blues-Rock-Juwels von außergewöhnlicher Zerstörungskraft, das unter der Haube eine messerscharfe Riff-Konstruktion verbirgt, aufgebaut auf dem eingängigen Minimalismus eines vitalen Rhythmusgefüges. Confidence Man ist ein authentisches Abbild des Charakters von Jeff Healey, der auch auf den komplexeren Stücken wie dem willkommenen My Girl und River Of No Return konkurrenzlos bleibt. Wie bereits gesagt, macht sich im weiteren Verlauf ein schrittweiser Zerfallsprozess der anfänglich aufgefahrenen Energie des Eröffnungstrios bemerkbar, als sich Jeff im Streben nach zugänglicheren Motiven einige weniger attraktive Manöver gönnt. In diese Kategorie fällt zweifellos That’s What They Say, ein einfaches, auf Schlagerpop ausgerichtetes Stück mit klar auf kommerzielle Wiedererkennbarkeit zielendem Kurs. Jeff versucht zu gefallen, doch abgesehen vom recht gelungenen Angel Eyes fehlt es ihm für eine überzeugendere Annäherung an die sprichwörtlich anspruchslosen Musikvorlieben an Markanz im Gesang. Healey rettet das Schicksal des fast gestrandeten Kahns mit alten Rezepten, die bei weit gespanntem Vorstellungsradius reichlich zur Entwicklung recht schwerfällig angelegter Stücke wie etwa Someday, Someway beitragen. Healey gelingt es, den Moment reiner Sentimentalität mit dem ausgezeichneten Blue Jean Blues einzufangen, das, würde man dem Stück frech die gesamte Feurigkeit des Gitarrensolos entreißen, frech an Otis‘ Double Trouble erinnern würde. Seine Schuld gegenüber einer Blues-Legende zahlt Jeff verspätet mit einem behutsamen Cover von Hide Away von Freedie King zurück, solide hingelegt, aber ohne nennenswerte Abweichung von den meisten bereits gehörten Versionen dieses Blues-Standards. In dieser Hinsicht klingt das subtile Instrumental Nice Problem To Have deutlich begeisternder, in dem der Gitarrist wirkungsvoll Traditionelles mit Zeitgenössischem verschmilzt.

Mit See The Light marschierte Jeff Healey mutig an der Seite der Fahnenträger einer neuen Blues-Rock-Generation, die diese Genreverbindung schon zu Beginn der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit großem Erfolg revitalisiert hatte. Mit der bunten Auswahl an Highlights des Debüts bekam Jeff eine solide Mitgift für zukünftige Abenteuer, bei denen es ihm leider nur selten gelang, die natürliche Farbigkeit des Erstlingswerks wiederzuerschaffen. Man kann sagen, dass See The Light die Latte für alle nachfolgenden Platten des Typen entschieden zu hoch gelegt hat, aber es gelang dem ausgezeichneten Gitarristen, Innovator und produktiven Schöpfer zumindest für einige unschätzbare Momente, an die Giganten des Blues-Rock heranzureichen.

Besetzung

Jeff Healey: Gesang, Gitarre, Mundharmonika
Robbie Blunt: Gitarre
Benmont Tench: Keyboards
Joe Rockman: Bass
Tom Stephen: Schlagzeug
Bobbye Hall: Perkussion

Produktion

Jimmy Iovine, Greg Ladanyi & Thom Panunzio

Tracklist

1. Confidence Man
2. My Little Girl
3. River of No Return
4. Don’t Let Your Chance Go By
5. Angel Eyes
6. Nice Problem to Have
7. Someday, Someway
8. I Need to Be Loved
9. Blue Jean Blues
10. That’s What They Say
11. Hide Away
12. See the Light

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