Sašo Gačnik – Svarogov : Duša
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2018
Albumlänge: 50.27
Produktion: Martin Štibernik, Jani Hace & Sašo Gačnik
Genre: Singer / Songwriter
Sašo Gačnik – Svarogov ist ein Mann, der besonders in den letzten Jahren auch ins Blickfeld der heimischen Rockerszene getreten ist, nachdem er als fester Keyboarder bei der berühmten Hardrock-Hochburg aus Velenje, Šank Rock, eingestiegen ist. Sašo ist ohnehin ein Mann mit einem außergewöhnlich reichen und farbenfrohen musikalischen Hintergrund, ein erfahrener Haudegen mit langer Kilometerzahl und reichem Erfahrungsschatz. So war es schließlich auch an der Zeit, seinen eigenständigen Studio-Erstling herauszubringen, dem er den Titel »Duša« gegeben hat.
Sašo hat auf dem Album »Duša«, das in seiner Gesamtwirkung, was die energetischen Schwingungen betrifft, feierlich bis erweckend wirkt, eine Schar wirklich erstklassiger Musiker um sich versammelt. Solche würde sich manch einer als Mitstreiter im Studio wünschen. Das Produktionssteuer übernahm der hervorragende Martin Štibernik, der durch seine Tätigkeit an sich einer der wesentlichen Gestalter des Klangs eines echten Pop-Albums im slowenischen Musikraum ist. Gačnik hat dabei sicherlich auch Štiberniks angeborenes Feingefühl für ausgeklügelte Arrangements sowie für die zusätzliche Bereicherung der Klanglandschaft mit eingebetteten Programmpatterns und Keyboard-Implementierungstricks genutzt, obwohl natürlich neben dem Gesang das Klavierspiel von Sašo Gačnik auf dem Album dominiert.
Wenn man die übrigen Namen nennt, die mit Sašo im Studio zusammenarbeiten – David Morgan, Žiga Kožar als Schlagzeuger sowie Robi Pikl an der Gitarre und Bassist Jani Hace –, dann ist klar, dass mit diesem Werk nicht zu spaßen ist. Zwar ist das Werk auf den ersten Blick voll freundlicher Liedchen, trivialer und vorhersehbarer Melodien, die Gačniks musikalischen Hintergrund und seine Aktivitäten noch in den Zeiten vor Šank Rock offenbaren, doch birgt das Werk eine gehörige Portion künstlerischer Ästhetik. Das spiegelt sich in der filigranen Ausarbeitung der Arrangements sowie im Detailreichtum beim Zusammenfügen kurzer, leichter, aber prägnant dosierter Kompositionsgriffe wider. Es überrascht nicht, dass Nuša Derenda im Duett beim Stück BEAT in TI zu Gast ist – sie erstattet Sašo auf gewisse Weise einen Gefallen zurück für seine vergangene Arbeit, als die beiden gemeinsam zusammengearbeitet hatten.
Die Produktion ist ausgezeichnet. Voll organischer Töne und Wärme, mit betontem Bass-Fundament und außergewöhnlich klug platzierten Bausteinen des Klangbilds. Der Gesang von Sašo Gačnik ist mitteltönig intoniert, spricht durchgehend angenehm an und gelingt es zugleich, in der Darbietung eine Note klarer Nachempfindung herauszuholen, durch die die Botschaften in den Versen der Lyrik wirksam zum Leben erwachen. Zwar reden wir von einem Pop-Album der klassischen slowenischen Rhetorik, bei dem gegenseitige Toleranz und bekennende Versöhnlichkeit der Klangbausteine und Arrangements wesentlich sind für die Aufrechterhaltung hoher musikalischer und kompositorischer Prägnanz, doch gelingt es den Einzelnen, jenen Hauch Spielraum herauszuspielen, in dem sie ihre außergewöhnlichen musikalischen Tugenden bestätigen bzw. unterstreichen. Von den raffiniert eingefügten Programmpatterns Štiberniks (Njej) sowie seiner produktionstechnischen Feinmechanik war bereits die Rede. Da ist Robi Pikl, der unter anderem ein wunderschönes Solo auf der Lap-Steel-Gitarre einspielt (Spet si sama), während sein Elevators-Kumpel Jani Hace besonders im „Slap-Abenteuer“ innerhalb der funkigen Verspieltheit des Stücks Ti in jaz in den Vordergrund tritt. Da sind David Morgan und Žiga Kožar, die mit ihren spielerischen Feinheiten ihre Jazz-Affinität unter Beweis stellen. Bei all diesem Spiel gibt es keinerlei Übertreibung oder Manöver, bei dem einer der Klangbausteine versuchen würde, eine dominante Stellung herauszuspielen. Alles koexistiert in großer gegenseitiger Toleranz. Sašos Gesang steht so im Mittelpunkt, in der Songschreiber-Rolle. Er tritt besonders in den Vordergrund bei den „weichen“ Stücken des Albums wie Plavam naprej, Najin sin sowie Ona nosi vse na svojih ramah, wo auch die Klavier-Arrangements mehr Initiative übernehmen.
Am Ende des Albums wurden drei Bonus-Tracks hinzugefügt, wobei der letzte, Nekaj ti moram povedat, mit Leichtigkeit auch einer der Träger-Tracks des Albums sein könnte – gerade für jene Hörer, denen auf diesem Weg die Gitarren-Dezibel fehlen. Ein weiterer Bonus-Track ist Trilogija, den Sašo auf Russisch geschrieben hat und mit dem er 2013 am belarussischen Slavjanskij Bazar teilnahm, der als eines der renommiertesten Musikfestivals im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion gilt. Die Eröffnung des Albums ist feurig, wie auch der Eröffnungstrack einen „feurigen“ Titel trägt (Danes ogenj, jutri led). Es handelt sich um eine der ausgereiftesten Kompositionen des Albums, auch aufgrund seiner komplexeren Struktur (Strophe, Pre-Chorus, Refrain). Die schrittweise Steigerung der Stimmung zum Refrain hin ist schlichtweg triumphierend in diesem Stück, das sofort die Aufmerksamkeit auf dem Album auf sich zieht.
»Duša« ist ein wirklich schönes und ausgereiftes Pop- und Rockalbum. Es reflektiert auf gewisse Weise das entfernte, aber im Sinne der slowenischen musikalischen Herkunft verinnerlichte Sentiment des Schlagers der Achtziger (hinsichtlich Struktur und expressiver Schwingung). Ein persönlich bekennendes Album, in dem der wahrheitsliebende Svarogov in seinem freigeistigen Wesen die Segel voll Wind gefangen hat, um sich den Hörern zu offenbaren und zu entblößen, in seinem ganzen Wesen. Mission erfüllt.
Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 8.5 / 10
Trackliste:
1. Danes ogenj, jutri led
2. To nisi ti
3. Ona nosi vse na svojih ramah (Najin sin 2)
4. Najin sin
5. BEAT in TI
6. Postala sva hiša
7. Spet si sama
8. Njej
9. Plavam naprej
10. V Portorožu na postaji
Bonus-Tracks:
11. Nash syn
12. Trilogija (2013)
13. Nekej ti moram povedat (2013)
Besetzung:
Sašo Gačnik – Gesang, Klavier, Keyboards, Backing Vocals
Robi Pikl – Gitarre, Charango, Saz, „Lap Steel“
Martin Štibernik – Keyboards, Backing Vocals
Jani Hace – Bassgitarre, Backing Vocals
David Morgan – Schlagzeug, Perkussion
Žiga Kožar – Schlagzeug auf Track Nr. 6, 8 und 13
GASTMUSIKERIN:
Nuša Derenda – Gesang auf Track Nr. 5