… Sanatorium…
Autor: Rok Klemše
Künstler: Spreading Dread
Label: Eigenveröffentlichung
Erschienen: year_month
Laufzeit: 49:41
Wertung: 2.5/5
Die tschechische Metal-Szene sieht – zumindest nach meiner Einschätzung – ungefähr so aus: 30% Grindcore-Bands, von denen drei Viertel in Porn- und Gore-Grind-Gewässern unterwegs sind (also Fick, Bukakke, Oden über menschliche Ausscheidungen und Liedchen über Fäkalien), 20% Black-Metal-Bands, 20% seltsame Folk-Metal-Bands und 20% wirklich miserabler Deathcore, die restlichen 10% verteilen sich auf andere Genres. Und selbst da findet sich kaum etwas Gescheites. Das Beste, was die tschechische Metal-Szene zu bieten hat, ist das Festival Brutal Assault, hehe. Na ja, ein paar lichte Ausnahmen gibt es schon, und eine davon ist die Prager Thrash-Metal-Band Spreading Dread, die Anfang dieses Jahres ihr Debüt … Sanatorium … veröffentlicht hat.
Darauf stürzt sich das tschechische Quartett in modernen Thrash Metal, der entgegen meinen niedrigen Erwartungen eine solide und respektable Angelegenheit ist. Spreading Dread reichern ihre meist mittelschnellen Tracks mit Einflüssen aus dem Göteborg-Metal an, was bedeutet, dass ihr Thrash mit einer ordentlichen Dosis Melodien und Harmonien aufgeladen ist – getragen vor allem von einem technisch hervorragend versierten Gitarristen. Diesem melodischen Ansatz fügen sie eine modernere Herangehensweise hinzu, die vor allem an amerikanische Neuzeit-Bands wie Arsis und Revocation erinnert (deren Qualitäten Spreading Dread allerdings bei Weitem nicht erreichen), und ganz in diesem Stil ist auch das rau-schroffe »Halb-Growl«, das bisweilen an Chuck Billy in den »Death-Metal«-Zeiten von Testament erinnert. … Sanatorium … zeichnet sich vor allem auch durch eine exzellente Produktion aus, die sauber genug ist, um nicht überpoliert zu klingen, gleichzeitig aber dreckig genug, um den echten Thrash-Pathos zu bewahren. Das bedeutet: Die Gitarren klingen scharf und laut, der Gesang schneidend, und der Bass scheppert genau richtig. Der einzige Schwachpunkt der Produktion ist der schwache Schlagzeugsound, der im Vergleich zu den Basslinien dünn und flach klingt. Leider enden an diesem Punkt auch schon die Stärken und Vorzüge von Spreading Dread, denn mit jedem weiteren Track verblassen sie ins graue Mittelmaß. Der wohl größte »Schuldige« dafür ist ausgerechnet der technisch hervorragende Gitarrist, der über die gesamte Platte soliert, als ginge es darum, eine Wette zu gewinnen. Damit erweist er der Band allerdings keinen Gefallen – eher das Gegenteil. Erstens sind die Riffs zwischen den zahllosen Solo-Ausflügen zu wenig definiert und ausgearbeitet, weshalb die Tracks einander zu ähnlich und eintönig klingen. Zweitens flüchtet die Band, wenn sie offensichtlich nicht genau wissen, was sie mit einem Track aussagen wollen, in langweilige »Breakdown«-Passagen – und noch schlimmer: Die anderen Mitglieder schaffen es einfach nicht, an den Gitarristen heranzureichen. Besonders bei den viel zu langen Soli hört man, dass der Schlagzeuger technisch weit hinter dem restlichen Trio zurückfällt – das Drumming ist einfach langweilig und vorhersehbar. Ganz wunderbar hört man das dann beim elfminütigen Instrumental, das letztlich nichts anderes ist als ein einziges langes, gedehntes und sich wiederholendes Solo.
Spreading Dread gelingt es auf dem Debüt, den richtigen Weg anzudeuten, doch der ist noch lang, kurvenreich und dornig. Der tschechischen Band fehlt noch viel kompositorisches Gespür, noch mehr aber bessere und abwechslungsreichere Ideen, die sie aus der Mittelmäßigkeit herausheben würden. Bis dahin fehlt ihnen leider noch einiges. Oder um eine tschechische Küchenmetapher zu bemühen: Die Utopenci müssen noch etwas länger im Essig eingelegt werden.
Besetzung
Miroslav Korbel – Gesang
Šimon Kotrč – Gitarre, Gesang
Michal Pejznoch – Bass
Karel Šafarik – Schlagzeug
Produktion
Honza Fuka und Dodo Doležal
Trackliste
1. World Consuming Itself
2. Losing Time
3. Bastard Brain
4. Sanatorium
5. Doubts
6. Revelation of Dreads
7. Repentance