Run For Your Life (EP)

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Autor: Rok Klemše

Künstler: SkyEye
Label: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: year_month
Laufzeit: 21:00
Bewertung: 4/5

Wenn ich jedes Mal, wenn ich ein Intro höre, das aus Donnergrollen, Keyboards, militärischem Trommelmarsch und operettenhaftem Frauengesang zusammengesetzt ist, einen Euro bekäme, könnte ich ohne Weiteres das zweite Gleis finanzieren, allen Gewerkschaftsforderungen gerecht werden und obendrein noch das Bankenloch stopfen – sodass in unserem kleinen Ländle wirklich auf Schweizer Art Milch und Honig fließen würden. Da es sich dabei freilich nur um eine große Utopie handelt, gilt auch für die zuvor erwähnten klischeebeladenen Intros in den meisten Fällen: Ihre musikalische Fortsetzung taugt nicht viel. Doch in der Karriere eines Rezensenten passiert es manchmal – nicht allzu oft, aber doch –, dass nach einem generischen Intro erst so richtig der Donner losgeht, wie es sein soll. Genau das passiert beim Debüt-EP Run For Your Life der jungen Heavy-Metal-Band aus Ljubljana, SkyEye.

SkyEye in ihrer heutigen Besetzung sind seit 2016 aktiv, und letzten Oktober veröffentlichten sie ihre Debüt-EP mit vier eigenen Songs und einem episch klingenden Intro, das in die gut zwanzig Minuten lange kleine Scheibe einleitet. Diese lässt stilistisch zunächst befürchten, dass SkyEye mit Power- oder gar Folk-Metal nerven werden – umso schöner trifft dann der atmosphärische Fire ein, in dem ein echtes Heavy-Metal-Herz kräftig schlägt. Auch thematisch und symbolisch fasst Fire das Klangbild treffend zusammen, das für eine EP auf einem produktionstechnisch außergewöhnlich hohen Niveau steht – schöner klingenden Heavy Metal hab ich hierzulande seit langer Zeit nicht gehört. Run For Your Life ist nämlich von der ersten Sekunde an eine unglaublich organisch und warm klingende Scheibe, die aber genau weiß, wann sie Platz lassen soll für messerscharfe Gitarren, hochfliegenden Gesang sowie das Hämmern und Scheppern der Rhythmussektion.

Genau darin glänzen SkyEye am hellsten, denn instrumental ist die EP ein Musterbeispiel für Heavy Metal allerhöchster Güte. Das Gitarrenduo Grega Stalowsky/Marko Kavčnik reiht nämlich eine wahre Palette abwechslungsreicher und vielseitiger Riffs der Iron Maiden-Schule aneinander. SkyEyes gitarristisches Wesen ist damit stark von Terzharmonien, melodischen Passagen und teuflischen Soli geprägt. Das wirkungsvolle Gesamtbild vervollständigt eine starke und verlässliche Rhythmussektion, deren Träger Primož Lovšins lebendiger Bass ist, der mit seinen galoppierenden Linien und lautem Scheppern wie Klebstoff wirkt, der alle anderen Komponenten zu einem starken und unzerstörbaren Ganzen zusammenfügt, sowie Jurij Nograšeks effektives und dynamisches Schlagzeug. Gleichzeitig zeichnet SkyEye ein einzigartiges Gespür für das Songwriting aus – sie besitzen genug Reife zu verstehen, dass nicht alles von der Geschwindigkeit abhängt. Richtig los geht’s eigentlich nur im Titeltrack, während das restliche Trio etwas atmosphärischer ausfällt, mit mehr Wendungen, Beschleunigungen und Verlangsamungen sowie wunderschönen instrumentalen Verflechtungen (Stardust). Erinnern SkyEye in den schnelleren Passagen an Iron Maiden, können wir bei verwandten Vergleichen bleiben: In den ruhigeren Teilen ist es nämlich nicht schwer, Parallelen zu Bruce Dickinsons Solowerk zu ziehen – allen voran zum Doppelpack Accident of Birth/The Chemical Wedding.

Über allem wacht der überragende und autoritäre Gesang von Jan Leščanec, der die außergewöhnliche instrumentale Seite der EP mühelos kontern kann. Jans Gesang erinnert durch Kraft, Überzeugung und Charisma an die bereits erwähnte Vokal-Eminenz Dickinsons, während er aus den, na ja, Eiern immer wieder unmenschliche Schreie herausholt (der nackenhaaraufstellende Abschluss von Fire), die an Tim »Ripper« Owens erinnern. Gleichzeitig überträgt Jan die interessanten Texte sehr authentisch in die Musik – von denen vor allem Run For Your Life Lob verdient, das weit in unsere Vergangenheit und die Besiedlung slawischer Stämme auf dem heutigen Gebiet Sloweniens zurückblickt.

Man könnte Run For Your Life stellenweise zwar ein etwas zu offensichtliches Liebäugeln mit den Vorbildern vorwerfen, aber das Ganze wirkt so frisch und überzeugend, dass Kritik kaum angebracht ist – gleichzeitig machen SkyEye keinen Hehl daraus, bei wem sie ihr Handwerk gelernt haben, und nach dem Gehörten waren sie mehr als fleißige Schüler. Das Debüt von SkyEye ist das, was der slowenischen Szene seit dem vorzeitigen Ende von Dawn Patrol gefehlt hat, und eigentlich finde ich bei Run For Your Life keinen anderen Schwachpunkt als den, dass zwanzig Minuten einfach viel zu schnell vergehen. Zum Glück arbeiten die Jungs aber bereits auf Hochtouren an ihrem ersten Longplayer – und wie SkyEye selbst in einer der Zeilen sagen – »The stage is set…«

Von den obigen Worten könnt ihr euch am 15.3.2018 im Orto bar live überzeugen.

Besetzung

Jan Leščanec – Gesang
Marko Kavčnik – Gitarre
Grega Stalowsky – Gitarre
Primož Lovšin – Bass
Jurij Nograšek – Schlagzeug

Produktion

Grega Smola Crnkovič

Tracklist

1. Intro
2. Fire
3. Book of Life
4. Run For Your Life
5. Stardust

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