Riot Avenue

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Crazy Lixx
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2012
Laufzeit: 47:17
Wertung: 4/5

Crazy Lixx gehören zum schwedischen Kreis von Bands, die mit ihrem Auftreten das Phänomen namens „The New Wave of Swedish Sleaze“ mitgeprägt haben. Mit dabei waren auch Crashdïet, Hardcore Superstar, Babylon Bombs und Vains of Jenna. Natürlich haben sich die Bands stilistisch voneinander entfernt, doch auch Crazy Lixx haben ihren ganz eigenen Sound herausgeschnitzt.

Crazy Lixx haben bereits zwei starke Studioalben im Gepäck. Angesichts deren Reife waren die Erwartungen an das neue »Riot Avenue« natürlich hoch. Diesmal aber haben Crazy Lixx ein Album auf den Markt gebracht, das mehr als je zuvor nach den Anfängen ihrer Karriere riecht. Sie sind also in die Ära vor ihrem Debüt aus dem Jahr 2007 namens »Loud Minority« abgetaucht. Das bedeutet: Sie haben den kontrollierten Sound der Vorgänger abgestreift und noch mehr Eier auf den Teller geworfen. Die Konnotation von Dreistigkeit und Dreck ist klar spürbar, was ihrem Erscheinungsbild und ihrem Sound absolut zu Gesicht steht. Mit »Riot Avenue« sind Crazy Lixx wieder die perfekte Party-Time-Band, die ihre Einflüsse von Def Leppard genauso wenig versteckt wie die von  Kiss – und dabei direkter als je zuvor in die Fresse haut (wenn man alle drei Studioalben vergleicht). Sie haben ihrem Sound also noch mehr Dreck vom ursprünglichen Rock ’n‘ Roll-Drive hinzugefügt.

Die Neuigkeit des Tages: Die Band hat einen weiteren Gitarristen unter dem Künstlernamen Edd Liam dazugewonnen. Auf »Riot Avenue« wird die Besetzung als Quintett geführt, doch heute sind sie auf der Suche nach einer neuen Rhythmussektion. Denn kurz nach den Aufnahmen haben Drummer Joey Cirera und Bassist Loke Rivano die Band verlassen. Der Fluch der Besetzungsinstabilität bei Crazy Lixx setzt sich offenbar fort. Und trotzdem: Solange Frontmann und Gründungsmitglied Danny Rexon dabei ist, werden Crazy Lixx immer existieren. Der neue Stil kommt Rexons vokaler Herangehensweise noch mehr zugute. Seine Art zu verführen – die frechen Anmachen an leichtlebige Mädchen, veredelt durch eine kehlige Kontur, die das Gefühl ungezügelter Wildheit ungebändigter Hengste potenziert, die nicht daran denken, den tief ins Bodenblech durchgedrückten Fuß vom Gaspedal zu nehmen –, kommt auf »Riot Avenue« mehr zum Ausdruck als je zuvor.

Diese Schweden haben das Gespür für melodische Eingängigkeit im Blut. Sie sind nicht die Einzigen, nicht die Ersten und nicht die Letzten. Das ist eben die skandinavische Schule, die nie versagt! Produktionstechnisch ist das das härteste Album der Band bis dato, teils dank der Integration einer weiteren Gitarre und der bereits erwähnten Tatsache, dass der Sound bewusst weniger kontrolliert ist und dadurch mehr Lebendigkeit gewinnt. Das »Leppard-Feeling« fehlt keineswegs – darauf macht schon der Opener Whiskey Tango Foxtrot aufmerksam, oder Heatseeker, ganz zu schweigen vom giftig eingängigen Refrain von Sweet, Bad & Beautiful, während Riot Avenue mühelos auf ein Kiss-Album der späten Achtziger passen würde. Das Album strotzt nur so vor Hit-Single-Potenzial, und als erste Vorabauskopplung hat die Band den bewährt beschleunigenden Tritt in die Zähne namens In The Night gewählt.

»Riot Avenue« ist ein Album, das euch in Erektionszustand versetzen wird. Crazy Lixx beweisen damit, dass es ihnen auf ausgezeichnete Weise gelungen ist, die leichte stilistische Abkehr von den beiden Vorgängern zu vollziehen und gleichzeitig mit ihren Wurzeln zu flirten – ohne dabei ihre gesamte Glaubwürdigkeit einzubüßen. »Riot Avenue« ist damit ein waschechtes Crazy Lixx-Album, das ein außergewöhnliches Gespür für melodische Eingängigkeit, potente Rockhaltung und echte »Sleaze«-Konnotation bewahrt. Die Band hat ihrem Ausdruck das hinzugefügt, was beim Debüt leicht zu kurz kam: rockerische Nacktheit und Dreck – in denen sie sich offensichtlich mehr als zuhause fühlen! »Riot Avenue« ist als drittes Crazy Lixx-Studioalbum also eine andere Geschichte. Es würde aber niemanden wundern, wenn es in der Rolle des Debüts aufgetreten wäre oder vor »Loud Minority« erschienen wäre. Furios und bravourös! Hoffen wir, dass die Jungs so schnell wie möglich eine fünfköpfige Besetzung zusammenstellen und möglichst bald zu einer neuen Europatournee aufbrechen!

Besetzung

Danny Rexon – Gesang
Andy Dawson – Gitarre
Edd Liam – Gitarre
Loke Rivano – Bassgitarre
Joey Cirera – Schlagzeug

Tracklist

01. Whiskey Tango Foxtrot
02. Young Blood
03. Riot Avenue
04. Fire It Up
05. Downtown
06. In The Night
07. Church Of Rock
08. Heatseeker
09. Sweet, Bad & Beautiful
10. Be Gone
11. Only The Dead Know

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