Ride Your Life
Künstler: Toxic Heart
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 2009
Laufzeit: 36:22
Wertung: 1.5/5
Hopp hopp, drei vier und Gas! Vier Typen, ans Stromnetz angeschlossen, in einer Hand Whiskey, in der anderen eine Gitarre, in der dritten Hand – wenn sie denn wüchse – eine hübsche „Puppe“ und Action! Jeder junge Kerl denkt zumindest in seinen Träumen daran, ein Rockstar zu sein. Viele haben dieses Glück nicht. Kein Geld, ringsum Trottel, die dich davon überzeugen, dass es besser ist, Krawatte zu tragen und beim Sonntagsessen das Vaterunser zu beten. Viele Talente lenken ihre Energie woanders hin und gehen an uns vorbei – wie das Gefühl, wenn man Sand in die Faust nimmt, der dann durch die Finger rinnt…. Dann wieder andere Glückspilze, die talentiert sind und am „Futtertrog“ sitzen – die fallen uns heute immer schwerer auf. Aber es gibt auch solche, die gerne Rockstars wären, ohne jedes Talent. Und die haben die Mittel, sich diese Maske eben aufzusetzen. Die sind am gefährlichsten.
„Ride Your Life“ bietet Musik, die einfallslos, ausdrucksarm, öde, stumpf, vorhersehbar und schon x-mal durchgekaut ist. Die Produktion ist flach, zweidimensional und atmet nirgendwo. Die Gitarren schlagen so gut wie nichts aus sich heraus. Zum Glück ist die Rhythmuslinie (stellenweise!) aktiver und bringt etwas mehr Turbulenz in das ansonsten statische Klangbild. Der Gesang ist zu schwach, zu dünn, bricht in den Strophen innerhalb der Leadmelodien und schafft es in den Refrains nicht, zu atmosphärischen Höhepunkten aufzusteigen. Die Backing-Vocals schaffen es nicht, die Kontraste des Dramentheaters zu erschaffen – ein typischer Song, der im Refrain „stirbt“, ist Love Is For Fools. Der Riff in der Strophe, der noch etwas verspricht, obwohl er das einsaitige Gezupfe irgendwelcher „schon verstorbener“ Running Wild übernimmt, verwässert im Refrain mit einer schwachen, schlecht kompatiblen Leadmelodie. Makin‘ Me Bad hat eine völlig abgehackte und flache Rhythmuslinie – immerhin trägt der Song einen vielversprechenden Refrain. Das Eröffnungsstück Ticket mag im Fahrwasser der schwachen Produktion vielleicht Green Day-Fans zufriedenstellen, einen echten Hard-Rocker, der weiß, was Hard-Rock-Bands in Westeuropa und Nordamerika (und sogar Australien!) treiben, jedenfalls nicht. Der schachtelartige Schlagzeugklang verhindert die Entwicklung von Dynamik in Songs mit Potenzial wie Like The Way I Feel oder One Night Stand. Und New Generation, das sich erstaunlicherweise sogar in Moll öffnet? Der Refrain ist in vielerlei Hinsicht ein Rip-off von Queens Breakthrough.
Die vergnügten Schmarotzer, denen es an nichts fehlt, greifen zu tausendfach durchgekauten Tricks des Hard Rock der Achtziger, doch diese „Tricks“ schaffen es nicht, ein einziges Körperhärchen aufzustellen. Die Schuld dafür trägt leider die extrem muffige Produktion. Vor allem der Gitarrensound, der unfertig, archaisch, in der Expression desinteressiert, geistlos und bis auf die Grundfesten klischeebeladen wirkt. Wie ein Besoffener an einem Zaun klammert er sich an Klischees wie an ein sorgfältig geprüftes Refugium vor potenziellen „Holzwürmern“. Big Time braucht dringend stärkere Vocals im Refrain, im Übergang zwischen Strophe und Refrain müsste man dem Song unbedingt mehr Tiefe geben – zum Beispiel mit einer Cowbell o. Ä.… Offensichtlich geben sich die Jungs schnell mit allem zufrieden. Baby müsste ein bisschen langsamer gespielt werden, um etwas von der erotischen Kosmetik widerzuspiegeln, die das Konzept des Songs verlangt – vor allem kommt das „bluesy“ Gitarrenornament in der Leadgitarrenphrase nicht zur Geltung.
Vielleicht wäre die ganze Sache nicht mal so falsch, wenn sie vor 25 Jahren entstanden wäre – und selbst dann wäre das fraglich gewesen. Mit einer solch „barfüßigen“ Produktion ohne jeden Biss wären auch AC/DC im Jahr 1983 nicht zufrieden gewesen. Schlicht: keine Glut, kein Feuer, kein Energie-Boost, kein Fluss. Nicht mal die klischeehaften Soli sind klar vom Riff-„Griff“ abgetrennt. Das gilt generell für das Album.
„Ride Your Life“ vermittelt das Gefühl eines aufgezwungenen Albums, das sich hinter dem Emblem der „Unbeschwertheit“ versteckt – dass man das Leben eben easy nehmen, es feiern, sich einen „Joint“ drehen und eine Flasche Daniels aufmachen soll. „Alter, warum machst du dir das Leben so schwer? Schau, wir haben’s mega. Die Sonne scheint, der Liter fällt, der Kumpel hat Kräuter in der Tasche, die Tussis werden schon heiß…. F**k die Spießer, f**k die Schwiegerpapas, die arbeiten müssen, damit wir rocken können. Alter, checkst du nicht, dass das Leben der Hammer sein kann!“ Meinen es die Jungs ernst, oder ist das ein „One-Stand“-Projekt, das in zwei Jahren unter anderem Namen wieder in den Äther geschossen wird? Der Teufel weiß es. Und nein. Diesmal werden wir uns nicht damit trösten, dass das für Slowenien gut ist, weil sowieso alle slowenischen Alben mit dem „Hard Rock“-Stempel so sind. Das ist heute keine Ausrede mehr.
Besetzung
Axl – Gesang
Mike – Gitarre
Rider – Bassgitarre
Mogy – Schlagzeug
Produktion
Tomaž Maras & Miha Pipenbaher
Trackliste
1. Ticket
2. New Generation
3. Love Is For Fools
4. The One
5. Ride Like Life
6. Eyes Of A Broken Man
7. Big Time
8. Baby
9. Makin‘ Me Bad
10. One Night Stand
11. Like The Way I Feel