Revolution Saints: Rise
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 24.01.2020
Produktion: Alessandro Del Vecchio
Albumlänge: 47.12 min
Genre: Melodic Rock / AOR
Wertung: 8.5 / 10
Was soll man zum neuen Album des Super-Rock-Verbunds Revolution Saints sagen, hinter dem Bassist Jack Blades (ex-Damn Yankees, Night Ranger), Gitarrist Doug Aldrich (ex-Whitesnake, ex-DIO, The Dead Daisies, Burning Rain) und Schlagzeuger/Sänger Deen Castronovo (ex-Journey, ex-Bad English, The Dead Daisies) stecken? Ein erwartbares Paket von elf heißen neuen Songs, das sich stark auf das Erbe des West-Coast-AOR der Achtziger stützt.
Da es sich um drei ungemein erfahrene Rock’n’Roll-Haudegen handelt, mit enormer Laufleistung, jahrelanger Erfahrung und vor allem außergewöhnlichen Talenten – was sie zu weltweit angesehenen Musikern ihres Fachs macht –, ist das Album »Rise« schlicht gesagt ein äußerst geschickt komponiertes und klanglich ausgereiftes Werk. Dass das Album am stärksten in Richtung Melodiosität und Bombast von Journey tendiert, liegt an Deens Gesang, bei dem man zeitweise ernsthaft glaubt, der hochheilige Steve Perry persönlich singe die Leadstimme. Die Gesangsfarbe und die Art, wie die Melodieführung gesetzt wird, zieht sich über das gesamte Album immer wieder ein kleines bisschen in Richtung Journey – mit dem Unterschied, dass die Produktion eine ganz andere ist, wie auch Jack Blades und Doug Aldrich aus anderem Holz geschnitzt sind als das restliche Drittel der Truppe. Ihren Teil leisten freilich auch die übrigen Beteiligten bei der Komposition des Materials, allen voran der erfahrene und geschätzte Multi-Instrumentalist (und bei Bedarf auch Sänger) Alessandro Del Vecchio, der sich gleichzeitig auch um die Produktion des Albums gekümmert hat, sowie Dan Rossall (Passion) – während von den drei Kernmitgliedern Blades und Aldrich den Löwenanteil der kompositorischen Last übernommen haben. Die Ballade Eyes of a Child, die das Album abschließt, haben Blades und sein Damn Yankees-Kollege Tommy Shaw (Styx) gemeinsam geschrieben.
Obwohl Castronovo den Großteil der Leadstimmen übernimmt, ist Blades‘ Mitwirkung bei den vokalen Duetten (Higher) beziehungsweise die Übernahme der Leadstimme (Talk To Me) eigentlich unerlässlich, um das Material lebendig zu halten. Wenn man bedenkt, dass Blades bei Night Ranger einer der Leadsänger ist – ein Mann mit einer außergewöhnlich guten Stimme, die das Markenzeichen der oben genannten AOR/West-Coast-Legenden darstellt –, nutzen Revolution Saints seine Gesangsfähigkeiten zur Belebung des Albums eigentlich sogar zu wenig.
Aldrich ist in den Soli wieder schlicht umwerfend. Einfach umwerfend. Mindestens „einfach umwerfend“. So gut ist er. Über diesen Gitarristen ist schon enorm viel gesagt worden, und wenn man seinen Beitrag zur Musik beschreibt – egal ob bei Whitesnake, The Dead Daisies, Burning Rain oder auch dem kurzen Abstecher zu Dio – landet man unweigerlich immer wieder bei Superlativen. Auch diesmal ist das nicht anders. Sein Solospiel ist eine Poesie ganz eigener Art, und gemeinsam mit Blades hat er einige außergewöhnlich durchschlagende und unverwechselbare Gitarrenphrasen beigesteuert, die von der kraftvollen Schärfe des Rock-Glaubensbekenntnisses durchdrungen sind.
Die Kompositionen entwickeln sich sehr vorhersehbar und nach dem Rezept des Old-School-AOR/West-Coast-Prinzips – besondere musikalische Offenbarungen sollte man daher weder erwarten noch einfordern. Der Erfindungsreichtum beim Komponieren ist durchgehend spürbar. Die Lösungen aus so einer Schablone dürfen eben nicht abweichen. Eines ist klar: Allen Fans von melodischem Rock wird das Album »Rise« mehr als auf den Leib geschrieben sein. Es ist auf einem außergewöhnlich hohen Niveau gespielt, komponiert und produziert und erreicht damit eine enorme Qualität. Was anderes war bei so klangvollen Namen, die hinter dem Namen Revolution Saints stehen, auch gar nicht zu erwarten. Nach zwei qualitativ hochwertigen Alben kommt nun das dritte, das diese Qualität beibehält. Neben viel Routine – was nicht überrascht – geizt das charismatische Trio nicht mit leidenschaftlichem Engagement bei der Ausführung, was den Songs trotz der bewährten Kompositionsschablone wieder eine eigenartige Chemie und den bekannten Pomp-Theater einhaucht. Etwas, woran uns diese drei Musiker bis heute schon mehr als gut gewöhnt haben. Fans dieses Musikstils werden wieder mehr als begeistert sein.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. When The Heartache Has Gone
2. Price We Pay
3. Rise
4. Coming Home
5. Closer
6. Higher
7. Talk To Me
8. It’s Not The End (It’s Just The Beginning)
9. Million Miles
10. Win Or Lose
11. Eyes Of A Child
Besetzung:
Deen Castronovo – Gesang, Schlagzeug
Jack Blades – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Doug Aldrich – Gitarre
Gastmusiker:
Alessandro Del Vecchio – Keyboards, Hintergrundgesang
Lunakaire – Gastgesang auf „Talk to Me“
