Reach

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Interpret: Survivor
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2006
Bewertung: 3/5

Sie haben überlebt – 18 Jahre nach der Veröffentlichung ihres letzten Studioalbums. Survivor eben. Das immer heiße Tigerauge (Eye Of The Tiger), einer der Songs, die wohl am häufigsten als musikalische Untermalung entweder für Filme typisch amerikanischer Unbesiegbarkeit („Rocky“) oder für Werbespots herhalten müssen, nur damit irgendwo im TV mal ein Tiger auftaucht. Also: willkommen zurück, ihr Überlebenden. „Reach“ ist der Beweis, dass Survivor ganz „normal“ und ohne größere Erschütterungen schön gemütlich älter geworden sind. So wie, hoffe ich, auch ihre Fans.

„Too Hot To Sleep“ (1988) war ein Album mit polierter Produktion, scharfen, nach vorn gemischten melodischen Gitarren, wirklich heiß, ein heißes melodisches Hard-Rock-Album, ein Album voller geschliffener Spitzen. Das Cover, falls ihr euch noch erinnert, zeigte einen rot glühenden Sonnenuntergangshimmel. Das Cover von „Reach“ ist das komplette Gegenteil. Die Helle eines Sonnenaufgangs irgendwo hoch im Gebirge, wenn du morgens gerade aus dem Zelt am Gletschersee lugst, zur Helle hinüberschaust und dich die Größe der Berge um dich herum packt. Wenn du die Helle mit Blick und Gedanken berührst.

So verschieden sind auch die beiden Gesichter der Band, damals in den Achtzigern und heute. „Reach“ ist ein Album, für das sich die Bandmitglieder im Studio zusammengefunden haben, um ein Album für den eigenen Spaß zu machen, ohne irgendwelche hochfliegenden Erwartungen, während die Rebellion und der Hunger jugendlicher Ungezähmtheit von „Too Hot To Sleep“ komplett verschwunden sind. Das Liebäugeln mit Pop und der weichen Seite der Rockmusik ist offensichtlicher denn je in ihrer Karriere. Das Album hat keinen einzigen Song mit dem Potenzial ihrer typischen „eighties“-Hits, keinen mit einem simplen, schlagkräftigen, durchdringenden Riff, das dich sofort an der Gurgel packt. Mehr noch: Das Album hat nicht mal einen typischen schnellen Kracher. Alles dreht sich um Midtempo bis Balladen-Gewässer, und so ist „Reach“ wirklich nur für eingefleischte Fans dieser Band von Interesse. Survivor gehen raffinierter zu Werke, das Gespür für emotionalen Ausdruck ist gereift, und so liefert Jimi Jamison auf diesem Album die beeindruckendsten Vocals seiner Survivor-Karriere. Das Album ist für Survivor vor allem auf der akustischen Seite innovativ, wo die Band mit dem Song I Don’t glänzt. Das Album hat eine Lebendigkeit in der Produktion wie noch keins zuvor. Die Songs sind ebenbürtig, mit einem Ausreißer im sechsten Stück namens Gimmie The World, das AOR-Fantasie pur ist, wie man sie sich als Liebhaber dieses Genres nur wünschen kann, und der Höhepunkt der Platte.

Das Album ist also schön, seine Songs sind klanglich und als Kompositionen nach den Maßstäben ausgereift, die wir an Survivor anlegen. Die sind hoch, und die Band erfüllt sie routiniert. Dabei stören natürlich die Vorhersehbarkeit, die Repetitivität und stellenweise das Pathos, das ja oft die Achillesferse des amerikanischen Zugangs zum melodischen „Hard Rock“ ist. Repetitiv in den Refrains, repetitiv im Konstruktionsgerüst der Songs selbst. Deshalb fehlt es ihm an Dynamik und Abwechslung. Trotzdem kann ich sagen, dass die Reife der Jungs dabei viel Positives gebracht hat, das ich schon erwähnt habe. Survivor veröffentlichen ihr am wenigsten aufgeplustertes Album, das Album mit der bislang geringsten Überheblichkeit. Das bodenständigste, am wenigsten pompöse, trotz des typischen Band-„Pomps“, wenn ihr versteht, was ich meine. Survivor bleiben wiedererkennbar, tänzeln aber zu weicheren Klängen, mit durch und durch positiv gestimmter Energie, man sieht, dass die Jungs gut versorgt sind und sich keiner von ihnen über seinen sozialen Status in der Gesellschaft beklagt. Wirklich ein Album, das strikt für die Fans der Band geschrieben wurde, die bis heute mit ihr überlebt haben.

Besetzung

Jimi Jamison – Gesang
Frankie Sullivan – Gitarre, Gesang
Chris Grove – Keyboards
Barry Dunaway – Bass
Marc Droubay – Schlagzeug

Produktion

Survivor

Tracklist

1. Reach
2. Fire Makes Steel
3. Nevertheless
4. Seconds Away
5. One More Chance
6. Gimmie The Word
7. The Rhythm Of Your Heart
8. I Don’t
9. Half Of My Heart
10. Talkin‘ ‚Bout Love
11. Don’t Give Up
12. Home

Spielzeit: 53:58

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