Rated X
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Rated X
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 28.11.2014
Laufzeit: 60:51
Bewertung: 3.5/5
Zu den interessanten Musikprojekten, die Super-Rockstars unter einem Dach vereinen, kann man auch die Formation Rated X zählen. Es handelt sich um ein musikalisches Bündnis alter Weggefährten, die alle Ären des Rock erlebt haben, sich bestens kennen und bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben. Carmine Appice (Vanilla Fudge, Cactus, Rod Stewart, Ozzy Osbourne, Blue Murder, King Kobra), Joe Lynn Turner (solo, Rainbow, Deep Purple, Yngwie J. Malmsteen’s Rising Force, Sunstorm), Tony Franklin (Blue Murder, Whitesnake, The Firm) und Carl Cochran (Joe Lynn Turner, Ace Frehley) sind Namen, die für sich selbst sprechen.
Die grundlegende Vision war offensichtlich, gemeinsam ein klassisch klingendes Hard-Rock-Album aufzunehmen. Das lässt sich angesichts der musikalischen Hintergründe, aus denen die Musiker stammen, ihrer zurückgelegten Karriere und des Erbes, dem das diskografische Werk zuzuordnen ist, leicht rechtfertigen. Unter den Veteranen des Hard Rock und auch des Blues gibt es also keine Geheimnisse. Sie sind außerordentlich erfahren und kennen sich bestens untereinander, weshalb es wirklich nicht schwer war, die gemeinsamen Nenner für die musikalische Ausrichtung des Debüts von Rated X zu definieren.
Kurz gesagt. Das Gespür für Musikalität ist prägnant und klar herausgestellt, was der Tradition von Turners Sensibilität entspricht. Turners Gesang hat in einem solchen musikalischen Umfeld stets phänomenal funktioniert – das belegen vor allem seine Solo-Studioalben –, und der Mann war stets begehrt bei Bands, die ihren Sound an aktuelle Trends anpassen und kommerzielle Attraktivität bewahren wollten, wie es in den Achtzigern bei Rainbow der Fall war. Dabei ist die Blues-Rock-Prämisse deutlich betont, was logisch und erwartbar ist. Das Ergebnis ist ein Album mit dichtem Klangbild, dessen Bausteine optimal kontrastiert sind und lebendig und organisch wirken. Appices donnerndes Snare-Drumming und die wuchtigen Übergänge, ähnlich jenen, die stets auch sein Bruder Vinne sowie Bobby Rondinelli und Simon Wright projizierten, dazu Tony Franklins ausgeprägt melodisch aktive Fretless-Basslinie, während Cochrans Gitarrenphrasen eine wunderschöne Mischung aus bluesiger Kompaktheit und Arena-Rock-Eingängigkeit liefern. Turner bleibt einer der faszinierendsten Sänger im Hard Rock und zugleich eine der wiedererkennbarsten Stimmen, die den Sound und Stil einiger der bedeutendsten Interpreten der Rockära geprägt haben. Keinesfalls darf man die Mitwirkung des hervorragenden bulgarischen Multiinstrumentalisten Nokolo Kotzev übersehen, der dem Album zusätzliche Gitarren beisteuerte und auch zwei Gitarrensoli lieferte.
Das erfahrene Musikerteam liefert nichts Neues, dreht sich konzeptuell aber in Gewässern, die es am besten beherrscht und kennt. So erinnern die Songs gelegentlich an Turners Werke mit Rainbow und/oder Deep Purple, sinnvolle Parallelen gibt es zu seinen Solo-Arbeiten, und gleichzeitig wirst du Momenten nicht entgehen, in denen Rated X an die berühmte Black Sabbath-Ära mit Tony Martin am Mikrofon erinnern (besonders die Alben »Headless Cross« und »Tyr«). Schon der Titel des siebenminütigen Epos voller Stimmungswellen und Motivwechsel namens Lhasa deutet darauf hin, dass du auf diesem Album eine Komposition erhältst, die mal an Stargazer erinnert, mal an eines der Hard-Rock-Epen des Black Sabbath-Albums »Tyr«. Es geht also um die Verwirklichung der klassischen Musikphilosophie der namhaften Rocker, die ihre Kräfte unter dem Namen Rated X bündeln.
»Rated X« ist ein Album, das Liebhaber des klassischen Hard Rock schon längst in ihrer Sammlung der Lieblings-CDs haben! Es ist ein Album von bewährter Hard-Rock-Qualität, wie man sie von den Meistern ihres Fachs erwartet und fordert! Ohne »Erschütterungen«, die auf mögliches Abenteuer beim musikalischen Experimentieren hindeuten würden. Schlicht und einfach. Die an dem Album beteiligten Musiker wissen sehr genau, wo sie konzeptuell und ausdrucksmäßig am stärksten sind und wo ihre Grenzen der Glaubwürdigkeit liegen. Daher liefern sie eben ein zwar qualitativ solides, klassisch angelegtes Hard-Rock-Album, das gleichzeitig aber auch ausdrucksmäßig sehr vorhersehbar ist. Jedenfalls sind mindestens zwei Songs auf dem Album überflüssig. Der Stil ist festgelegt, und deshalb entsteht beim Hören des Albums das Gefühl, dass sich die Leitmotive zwischen den Songs allzu sehr ähneln.
Besetzung
Joe Lynn Turner: – Gesang
Carmine Appice – Schlagzeug
Tony Franklin – Bass
Karl Cochran – Gitarre
GASTMUSIKER:
Nikolo Kotzev – Gitarre auf Maybe Tonight, Peace Of Mind, Our Love Is Not Over und Gitarrensoli auf Stranger In Us All sowie I Don’t Cry No More
Daniel Palmqvist – Gitarre auf You Are The Music
Produktion
Alessandro Del Vecchio
Trackliste
1. Get Back My Crown
2. This Is Who I Am
3. Fire and Ice
4. I Don’t Cry No More
5. Lhasa
6. Devil In Disguise
7. You Are the Music
8. Peace of Mind
9. Maybe Tonight
10. On the Way to Paradise
11. Our Love Is Not Over
12. Stranger in Us All