Raphael Wressnig Organ Trio erobert Postojna erneut!
Ort: Postojna / Slowenien
Konzertdatum: 18.10.2007
Besucherzahl: 120
Ticketpreis: 11,00€
Das Blues-Festival in Postojna ist ein Phänomen für sich, wenn du so willst, das schwarze Schaf im monoton verkünstelten Treiben der slowenischen Musiklandschaft. Aber ein Schaf mit Charakter, das weit und breit seinesgleichen sucht! Die Blues-Hauptstadt am Alpenrand, heuer schon im vierten Jahr dabei, setzt Jahr für Jahr stolz die Tradition eines begeisternden und enorm bunten Musikprogramms fort. Das gewinnt mit den Jahren offenbar auch im Ausland an Renommee, wodurch der Ort immer mehr zum beliebten Zufluchtsort für Veteranen der meisterhaften Musikrhetorik jeder Couleur wird. Ein Vertreter dieser Sorte ist der freundliche österreichische Jungspund Raphael Wressnig, brillanter Pfleger der schwarz-weißen Tasten seines vintage Hammond-B3-Blasinstruments, der letzten Donnerstag wieder mit raffiniert leichtfüßiger Kontrolle über seinen hölzernen Freund begeisterte (wir reden natürlich vom legendären Orgel-Set, damit es ja keine Verwechslung gibt). Rapfael besuchte Postojna nach dem großen Sax Gordon diesmal mit einem bunten Trio bestens gelaunter Troubadoure, in dem neben dem Organisten wie gewohnt vor allem der überwiegend swing-orientierte Trompeter Scott Steen aus Los Angeles und die verlorene italienische Bluesy-Seele Enrico Crivellaro herausstachen. Bei der kräftig verstärkten Lieferung des rhythmischen Fundaments unter der Regie des Wieners Silvio Berger prägte das Quartett den Abend mit einer verlockenden Beilage von Blues bis hin zu fein abgestimmter, swing-inspirierter Musik, der erwartungsgemäß durchgehend das Aroma unkontrollierter Jazz-Verspieltheit voranging. Die ausgeprägte, geschärfte Kommunikation der Band und perfekte, einfallsreich abgerundete Improvisationen, die am Ende wie bestellt immer in völlig unerwarteten Gewässern landen, formten trotz gelegentlicher nostalgischer Aussetzer einen eigenen, anziehend modernen Sound, den das Publikum in Postojna mit lautem Applaus aufnahm.
Schon der bloße Blick auf die Bühne verriet, dass es ein Abend werden würde, an dem für erschütternde Gesangsperformances kaum Spielraum bleibt, wenn überhaupt. Uns erwarteten zwei Stunden unermüdliches musikalisches Agitieren, ein gnadenloser Kampf um die Position des „Dominant Male“, eng eingewickelt in einen Strudel zeitlich stark gedehnter Improvisationen, bei dem am Ende wie üblich unser Orgelfreund Wressnig am besten wegkommt. Neben den atemberaubenden technischen Fähigkeiten des Herrn, die die Belastbarkeit der alten B3 bis zum Äußersten testen, besitzt der Junge einen regelrechten Gentleman-Sinn für Anstand, der den anderen drei Mitstreitern hier und da immer ein Krümelchen oder zwei übrig ließ. Unglaublich netter Onkel, was willst du mehr!
Raphael Wressnig & Enrico Crivellaro Organ Trio brachen in den kalten Abend von Postojna auf, wie es sich für große Meister gehört: mit übermäßiger Betätigung der Lungenkapazität des jungen Scott, der die Ankunft der alten Bekannten des Höhlenschlosses ankündigte, Cherokee, ein idealer Spielplatz für den Einstieg, um die Ausdauer der einzelnen Mitglieder zu testen, der in das beeindruckend unermüdliche Tippen des Helden des Abends mündet, wieder einmal ist natürlich von Raphael die Rede. Den Abend entlastete nach dem übertriebenen Imponiergehabe zu Beginn bald die fast schon Boogie-Rock-&-Roll-artige Nummer Mc Griff, offensichtlich Raphaels Widmung an die Hammond-B3-Legende Jimmy McGriff, die verständlicherweise im Jazz-Stil weiterging. Der marathonartige Austausch improvisierter Einfälle, der mit der Zeit nur noch an Intensität gewinnt, schrumpft weiter den natürlichen Lebensraum jeglicher musikalischer Grundrahmen. Boom Bello kündigt das Kommen eines schwarzen „Feels“ an, und plötzlich finden wir uns mitten in einem dynamisch gefärbten, unbekümmerten Schlendern durch New Orleans wieder. Im Kern fast schon eine Funk-Sache, deren Verspieltheit wieder ihrem ausgeprägt jazzigen Antlitz zu verdanken ist, in dem diesmal der kleine Prinz Enrico regierte. Seinem Herzen steht neben dem Jazz auch die unberechenbare Natur der Bluesmusik sehr nah, wie man an der Melancholie von Slow erkennen konnte, einer simplen Blues-Form, die allerdings keine besonders erwähnenswerten Höhepunkte lieferte. Enrico ist mehr als offensichtlich Fan von Albert Collins, doch für überzeugendere Blues-Musik fehlt ihm trotzdem eine ausgeprägtere Empfänglichkeit für emotionales Empfinden. Sein an sich beneidenswertes Gitarrenspiel bleibt deshalb vor allem oberflächlich und auch zu höflich, wobei der Mangel an Sinnlichkeit oft mit traditionellen Bluesy-Tricks und diversen populären Akrobatik-Showeinlagen kompensiert wird. „Manche Leute sagen, der Blues sei verdorben! Und ihr?“, lauteten die Worte des ausgelassenen Enrico, der in sein Spiel genau zu wenig der erwähnten Verdorbenheit goss. Nach dem dynamischen Banana Booggaloo bog der Abend vorübergehend in lässigere Gewässer ab. Der bewährte Kontrast-„Kniff“ trägt bald Früchte. Enricos Wally’s March, A – Level mit Scotts beeindruckendem Swingen und Bergers Auskosten der Zauber des Rhythmus, das sympathische Mosquito Bite, das der erhitzte Enrico kurzerhand funny tune nannte, am meisten aber das aufgedrehte Speedin‘, dem nicht mal ein ordentlich geschmierter Slide schaden würde, heizten den Abend erneut bis zum Anschlag auf, und in der Verlängerung bewirtete uns das Orgeltrio freudig auch noch mit den glänzenden Ease Back und Vinny’s Blues. Magisch und unvergesslich. Und das alles für schlappe 11 Euro.
Text: Daniel Pavlica
Fotos: Aleš Podbrežnik
Setlist
1.Cherokee 2.Mc Griff 3.Boom Bello 4.Slow 5.Banana Boogaloo 6.Wawy’s March 7.Mosquito Bite 8.A-Level 9.Barisone 10.Speedin‘ —-Zugabe—- 11.Ease Back 12.Vinny’s Blues
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