Radiance

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Autor: Peter Podbrežnik

Interpret: Arena
Label: Verglas Records
VÖ: 2003
Laufzeit: 54:14
Wertung: 3.5/5

Arena begleiteten die Veröffentlichung ihres konzeptuellen Meisterwerks »Contagion« (2003) mit drei ‚Begleit‘-Alben, die eine Reihe äußerst schmackhafter Leckerbissen für alle treuen Fans dieser englischen Prog-Rock-Größen enthalten. »Radiance«, die interessanteste dieser drei Begleitveröffentlichungen zur Promotion von »Contagion«, enthält eine Aufnahme eines Akustikauftritts der Neo-Prog-Rock-Koryphäen in der Halle de Boerderii in der Stadt Zoetermeer in den Niederlanden. Die drei Arena-Mitglieder, Keyboard-Magier Clive Nolan, Gitarren-Zauberkünstler John Mitchell und Sänger der Extraklasse Rob Sowden, entschlossen sich an einem Novemberabend des Jahres 2002 im intimen Ambiente der genannten niederländischen Konzerthalle zu einem Akustikauftritt, der hauptsächlich Songs von »Contagion« sowie einige Klassiker von anderen Alben enthielt. Die Reaktion des Publikums übertraf die Erwartungen aller drei Mitglieder, die sich beim Auftritt mit neu arrangierten Arena-Standards auch mit humorvollen Sprüchen ausließen, was ganz besonders für den bestens aufgelegten Nolan an Klavier und Backgroundgesang gilt.

Die meisten Songs kommen in ihren neu arrangierten Fassungen äußerst interessant rüber, was schon für den einleitenden »The Visitor«-Klassiker (1998) »(Don’t Forget To) Breathe« gilt, den sie zu einer akustischen Ballade umgearbeitet haben, in der Clives Backgroundgesang stärker in den Vordergrund tritt, während der ‚eigentliche Star‘ Herr Sowden mit seiner emotional vollständig engagierten Gesangsdarbietung glänzt. »A State Of Grace«, wo Robs Stimme erneut das Zentrum einnimmt, wirkt auch im akustischen Gewand wie ein echter dramatischer Höhepunkt, bei dem die Begleitvokal-Harmonien unter Mitchells und Nolans Regie bei Klavier- und Akustikgitarrenbegleitung voll zur Geltung kommen. Darauf folgt eine Reihe von Songs von »Contagion«, beginnend mit »An Angel Falls«, wo die traditionell enigmatische Atmosphäre auf den Schwingen einer melodramatischen Gesangserzählung getragen wird, die im nächsten Moment in »Spectre At the Feast« übergeht. Dieses vokal recht anspruchsvolle Stück kommt mit seinen melodischen Klavierarrangements als einer der Höhepunkte dieser Akustikaufnahme rüber.

»Skin Game«, nach Nolans Aussagen der beliebteste »Contagion«-Standard unter den Bandmitgliedern, punktet mit einer nahezu identisch melodramatischen Atmosphäre wie das Original, geht dabei aber mit seiner mächtigen Gesangsinterpretation noch einen Schritt weiter. Dasselbe könnte man auch über »Bitter Harvest« und »The City of Lanterns« sagen, die in emotionaler Tiefe und Atmosphäre in nichts hinter den ursprünglichen elektrischen Versionen zurückstehen, während »Mea Culpa« nicht nur eine Reihe witziger Klavierimprovisationen enthält, sondern auch noch eine glänzende Gesangsdarbietung des charismatischen Sowden. »Ascension« erreicht die außergewöhnliche Atmosphäre des Originals irgendwie nicht, kommt aber dennoch sehr solide rüber, worauf lauter Applaus des Publikums folgt. Dann folgt eine Reihe beliebter Arena-Klassiker aus der Frühphase, beginnend mit »Crying For Help IV«, die Clive zwischendurch mehrmals mit humoristischen Sprüchen unterbricht und damit die traditionell ernste und düstere Atmosphäre durchbricht, die für gewöhnlich das Schaffen dieses hervorragenden Neo-Prog-Rock-Kollektivs prägt.

Der beste Beweis dafür, dass das Trio diesen Akustikauftritt nicht allzu ernst nahm, ist während der Darbietung der düster gestimmten »Immortal«-Klassikerin (2000) »The Butterfly Man« zu hören, wo sie versuchen, nebenbei und ‚aus dem Stegreif‘, ein anderes Finale zu kreieren, was am Ende in einer amüsanten Burleske mündet. Hier feuert Clive auch einige witzige Sprüche auf Kosten des abwesenden Mit-Bandleaders, Schlagzeuger Mick Pointer, ab. Natürlich fehlt auch eine akustische Version des langjährigen Publikumslieblings nicht, der »Songs From The Lions Cage«-Evergreen (1995) »Jericho«, den sie zum Glück ohne Albernheiten spielen, sodass das Ganze so rüberkommt wie erwartet. Die Klavier-Akustik-Arrangements kommen hier besonders stimmig rüber, während Sowden erneut auf dem Gipfel seiner vokalen Ausstrahlung ist. Der Abschluss mit »Crying For Help VII«, bei dem das Publikum die Strophen intensiv mitsingt, ist irgendwie erwartbar und bietet nichts besonders Neues, sorgt aber für einen befriedigenden Abschluss des Auftritts.

»Radiance« ist ein schöner Leckerbissen für alle treuen Fans, die nach dem Erscheinen von »Contagion« hungrig auf neue Arena-Veröffentlichungen waren – auch wenn es sich ’nur‘ um ein rein akustisch gefärbtes Konzertalbum handelt, das die Frage beantwortet, wie einige ihrer beliebtesten Songs in akustischen Gewändern klingen würden.

Besetzung

Rob Sowden – Gesang
John Mitchell – Akustikgitarre, Backgroundgesang
Clive Nolan – Keyboards, Backgroundgesang

Produktion

Arena

Trackliste

1. (Don’t Forget to) Breathe (3:54)
2. A State of Grace (3:31)
3. An Angel Falls (1:13)
4. Spectre at the Feast (5:51)
5. Skin Game (4:07)
6. Bitter Harvest (2:42)
7. The City of Lanterns (1:46)
8. Mea Culpa (3:42)
9. Ascension (4:15)
10. Crying for Help IV (3:41)
11. The Butterfly Man (7:49)
12. Jericho (7:54)
13. Crying for Help VII (3:44)

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