Psycho-path dežurali v Channel Zero (2008)

0 7

Ort: Channel Zero (Metelkova) / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 18.03.2008
Besucherzahl: 225
Ticketpreis: 10,00€

Üblicherweise spielen Bands nach einem Albumrelease ein paar Live-Shows, um das Ding ordentlich zu promoten. So auch Psycho-path, die Gigs quer durch Slowenien und im Ausland angekündigt haben. Ich persönlich finde, dass ein Album wie The Ass-soul of Psycho-path gar keine zusätzliche Promo braucht, denn seine Qualität ist die beste Werbung. Trotzdem lohnt es sich, eine Truppe zu sehen, die für ihre unkonventionellen Live-Auftritte bekannt ist, und alle Fans alternativer Musik durften sich dieses Event nicht entgehen lassen. Psycho-path hatten angekündigt, dass sich ihnen bei den Konzerten am neunzehnten und zwanzigsten April auch ein besonderer Gast anschließen würde. Wer das wohl sein könnte?

Die ersten Gäste des Abends waren weitere Prekmurci, Dežurni Krivci (den Bericht zu ihrem eigenen Konzert im Channel Zero gibt’s HIER), die das Publikum mit höllischen Rhythmen und fetten Riffs richtig aufgeheizt haben. Die Musik von Dežurni Krivci unterscheidet sich zwar spürbar von der von Psycho-path, ist roher und wilder, kurz: anders, passt aber trotzdem richtig gut zu Psycho-path. Als Hauptgang gab’s natürlich ihr Album Strup, das überwiegend positive Kritiken bekommen hat. Den Krivci kann ich nichts vorwerfen. Sie haben auf hohem Niveau gespielt, voller Energie und voller „Gift“ (um mir den Titel ihres Albums auszuleihen). Einmal stieg auch Melee zu ihnen auf die Bühne und sang im Duett mit dem Gitarristen und Sänger von Dežurni Krivci. Die Vorband hatte genauso viele Zuhörer wie die Hauptacts. Woran das liegt, weiß ich nicht. Vielleicht daran, dass die Auftritte spät angefangen haben und alle schon auf Psycho-path warteten? Ich würde eher sagen, die Leute sind einfach gekommen, um gute Musik zu genießen, und dafür haben die Krivci garantiert gesorgt.

Kurz vor Mitternacht war es dann endlich so weit: Die gefeierten Psycho-path betraten die Bühne. Ich war echt gespannt, was sie uns auftischen würden. Der Schwerpunkt lag auf dem neuesten Album, von dem sie den Großteil der Songs gespielt haben. Und warum auch nicht? Das Album ist so gut, dass es sich lohnt, es fast komplett live zu spielen. Natürlich fehlten auch ein paar Evergreens von früheren Releases nicht. Die Band hat den richtigen Weg eingeschlagen und die richtige Mischung aus älteren und neuen Songs gefunden. Da ich die früheren Alben nicht so gut kenne wie das neue, war ich ziemlich zufrieden. Nicht nur, weil ich die Nummern kannte, sondern auch, weil das Album wirklich erstklassig ist und ich darauf nicht eine einzige größere Schwäche finde. Die Songs wurden souverän gespielt, die Band ist richtig in einen guten Flow gekommen und man hat ihr angemerkt, dass sie Spaß hatte. Als sie fertig waren, wollte das Publikum sie nicht in den verdienten Feierabend entlassen. Für die Zugabe gesellte sich ihr Produzent Bobby MacIntyre zur Band, der hinter den Drums den festen Drummer ersetzte, weil der anderweitig an den Keyboards zu tun hatte, die extra für den Song Cookie Jar auf die Bühne gebracht wurden.

Psycho-path können sich mit einer beneidenswerten Besetzung brüsten. Die Rhythmusfraktion ist richtig stark. Genauso stark sind die beiden Gitarristen, die gleichberechtigt sind und sich auch beim Solieren abwechseln. Trotz der Leistungen der anderen Bandmitglieder hat mich am meisten die Sängerin Melee begeistert, die mit ihrem Charisma alle anderen im Raum in den Schatten gestellt hat. Ihr Können vom Album bringt sie auch live rüber, wenn nicht sogar noch überzeugender. Ähnlich wie der Albumtitel kombiniert auch sie zwei Seiten – zart und roh, weiblich und rau. Und das wirkt außergewöhnlich überzeugend. Außerdem muss man ihre makellose englische Aussprache loben, was mir als Anglisten enorm viel bedeutet. Schon viele Bands haben versucht, auf Englisch zu schreiben, aber nur wenigen ist das so gut gelungen wie Psycho-path, bei denen neben der Aussprache auch die Texte auf beneidenswertem Niveau sind.

Das slowenische Publikum konnte bei diesem Konzert von Psycho-path wirklich herausragende Auftritte aller Beteiligten erleben, und schön war, dass der Channel Zero bis in den letzten Winkel vollgepackt war. Offensichtlich sind die Alternative-Fans in Slowenien hungrig darauf, legendäre Bands zu hören, wie man es bei Psycho-path inzwischen zu Recht sagen kann, und Legenden in spe wie Dežurni Krivci. Klar, das Ganze hat ewig gedauert (bis halb zwei Uhr morgens), aber wenn ich mich im Publikum umgehört hätte, hätte ich kaum jemanden gefunden, der etwas Schlechtes über die Bands oder die Veranstaltung zu sagen gehabt hätte. Wir hoffen, dass Psycho-path bald nach Ljubljana zurückkehren und wir nicht wieder so lange auf so ein Erlebnis warten müssen.

Text: Rok Podgrajšek
Fotos: Aleš Podbrežnik

Setlist

DEŽURNI KRIVCI:
1. Grem
2. Shut Up!
3. Kdo se boji črnega moža
4. Senca
5. Freedom Fries
6. Moč v senci
7. Devil Daemon
8. Strup
9. Wanna Kill
10. Črf

PSYCHO-PATH:
1. Battle Royal
2. New Blood
3. Gut Level
4. Lynch (the) Girl
5. No-Fi
6. Sonny
7. Clean Slate
8. Incommunicado
9. Yukio Mishima Is Real!
10. Musical Moment
11. Lobo
12. War
13. Bekkognition
—Zugabe—
14. Tough Cookie
15. Air Rager/Hell Outta Dodge/Cookie Jar
17. Recognition

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies