Pro mehanika
Künstler: Feedback
Label: Eigenveröffentlichung
Erschienen: 2009
Bewertung: 3.8/5
Nachdem Feedback eine ganze Weile gewartet hatten, bevor sie ihr erstes Studioalbum herausbrachten, torpedieren sie uns jetzt mit mindestens einem Album pro Jahr. So erblickte gegen Ende 2009 bereits ihr drittes Werk pro mehanika das Licht der Welt. Die musikalische Ausrichtung hat sich gegenüber dem Album Od blizu nicht allzu stark verändert. Feedback schwören nach wie vor auf das Erbe des klassischen Jazzrock mit Blueseinschlag, so wie wir ihn vor rund vierzig Jahren hören konnten. Diesmal spielen sie auch mit bestimmten Elementen des Hard Rock, und wie immer schimmert im Hintergrund auch eine Liebäugelei mit progressiven Strömungen durch. Kurz gesagt, sie verlassen sich auf die alten Stärken, was wir von ihnen schon gewohnt sind – doch es stellt sich die Frage, ob es ihnen diesmal gelungen ist, das gesamte Album auf ähnlichem kompositorischem Niveau zu halten wie die Vorgänger.
Schon der Albumname suggeriert einen noch professionelleren Ansatz und ein noch kompakteres Werk, am Ende stellt sich jedoch genau das Gegenteil heraus. Feedback ist eine Band, die sich von vielfältigen Einflüssen nicht beirren lässt und einen klar vorgezeichneten künstlerischen Weg geht. Das haben sie sich gewissermaßen schon von Anfang an auf die Fahne geschrieben. Aber genau das hält sie auch zurück. Solange die Songs stärker ausgearbeitet waren, stellte das noch keine Hürde dar, aber mit dem zunehmenden Fokus auf freies Spiel werden auch die Lücken, beziehungsweise Schwächen in ihren Ambitionen sichtbar, die fast zu bescheiden ausfallen. Ich habe ständig das Gefühl, dass sie noch viel mehr Eisen im Feuer haben, als wir bisher zu sehen bekommen haben.
Einerseits könnte man Feedback dafür loben, dass sie ihrer künstlerischen Vision treu bleiben, andererseits ist es aber auch nicht klug, an Dingen festzuhalten wie ein Betrunkener an einem Laternenpfahl. Über die drei veröffentlichten Alben hinweg gibt es klanglich nur minimale Veränderungen, und auch stilistisch ist alles beim Alten. Ihre Bemühungen sind nach wie vor lobenswert, zumal es im slowenischen Raum brennend an solchen Bands mangelt, aber sie könnten ihr Angebot ruhig ein bisschen würzen und bereichern. Mehr Rhythmuswechsel innerhalb der Songs wären wünschenswert, und die Kompositionen selbst sind auch zu locker und „psychedelisch“.
Ihr Sound ist trotz allem ideal für Musikfeinschmecker. Sie schmeicheln den Nostalgikern und ergänzen das Ganze mit Musik, die zeitweise frenetisch ist, manchmal aber auch meditativer. Die Musik ist stets warm und hüllt dich, während du am knisternden Kaminfeuer sitzt, wie eine weiche Decke ein. In dieser Hinsicht handelt es sich zweifellos um einen würdigen Nachfolger der beiden vorherigen Alben, die vielleicht wirklich nicht so durch und durch mit gitarristischer Bravour übersättigt waren.
Pro mehanika ist wieder einmal ein brillant gespieltes Album mit einer Menge edler und warmer Klänge, die dir den Kopf bis obenhin füllen. Auch diesmal lastet viel auf den Schultern von Gitarrist Matej Magajne und Keyboarder Miloš Leban, die sich in den Solistenrollen abwechseln, der eigentliche Star aber ist wie immer mit seinem ungewöhnlichen Spielansatz und einem fast transzendentalen Inspirationsfunken Magajne, der es mit den Soli manchmal wirklich übertreibt. Der Mann hat zwar wirklich was, worauf er sich stützen kann, und hat in der Band offensichtlich freie Hand, aber zum Wohl der Musik wäre es manchmal wirklich gut, die Zügel anzuziehen und die Gitarre nicht zu sehr ausrasten zu lassen. Das ist eben diese Art Musik, bei der man sich Luft machen muss, aber auch dabei sollte man manchmal das Prinzip „weniger ist mehr“ beherzigen. Weit mehr Feingefühl in seinen Glanzmomenten zeigt dagegen Leban, der mit dem edlen Klang des E-Pianos und der Orgeln stets konzentriert und rücksichtsvoll gegenüber dem Gesamtbild der Komposition bleibt. Die Rhythmussektion agiert wieder als eine Art Bindeglied, doch bei zu heftigen Gitarrenexplosionen zeigt sich auch ihre begrenzte Reichweite.
Feedback bleiben ihrem Erbe treu. Sie sind nach wie vor tief in den Sechzigern und Siebzigern verwurzelt, und ihre Musik ist durchdrungen von einem Sinn für Melodie und einer Improvisationsneigung. Obwohl sie in der Vergangenheit mehr zu disziplinierter Musik neigten, ergeben sie sich diesmal stärker ihrer Liebe zu Soli (besonders was die Gitarre betrifft). Daran ist nichts auszusetzen. Persönlich liegt mir ein etwas ausgefeilterer Ansatz, und Improvisationen sehe ich lieber bei Konzerten – ich bin aber überzeugt, dass viele Menschen mit diesem Werk noch zufriedener sein werden als mit den vorherigen, denn diesmal hat die Waage auf die andere Seite ausgeschlagen, und manchen kommt das gelegen.
Besetzung
Matej Magajne – Gitarre
Miloš Leban – Orgeln, Rhodes
Andrej Maver – Schlagzeug
Andrej Klavžar – Bass
Produktion
Feedback
Trackliste
1. Srečanje – 03:07
2. Kolovratenje – 03:41
3. Novi vinodolsky – 04:13
4. Snežne meduze – 03:58
5. Sok zemlje – 04:08
6. Reci klaža! Klaža. – 08:51
7. Laboratorij – 02:28
8. Zob časa – 07:49