Prismojeni profesorji bluesa : Family

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Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2016
Produktion: Borut Činč
Albumlänge: 79:32
Bewertung: 10 / 10

In der heutigen Zeit ist es in Slowenien schwer, sich eine Band vorzustellen, in der ein solcher Zusammenhalt, eine solche Kameradschaft und ein so hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen, einheitlichem Fokus auf visionäres Songwriting und der daraus resultierenden Kreativität herrschen würden – wie es bei Prismojeni profesorji bluesa der Fall ist.

Das Quartett tauchte erst vor ein paar Jahren auf der Szene auf, obwohl es in seinen »versteckten Buden« jahrelang geübt, geübt und nochmals geübt hatte. Geschliffen und gefeilt an der Beherrschung der Instrumente. Dann aber plötzlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel aus der Anonymität herausgebrochen – mit einer Serie unglaublich überzeugender Auftritte, gekrönt von einer unglaublichen Leidenschaft fürs Spielen und Musizieren. Covers wie eigenes Material gleichermaßen. Jeden Gig hat die Band bis auf den letzten Tropfen ausgepresst, ihr Maximum gegeben und so mit ehrlichem Herzblut auch die Herzen des Publikums erobert, das die Band sofort für sich annahm. Auf diese Weise hat sich das Wesen der Band mit dem Geist einer echten Konzertattraktion durchdrungen, was den Jungs begann, die Türen zu Club-Venues wie auch zu größeren und bedeutenderen Konzertbühnen zu öffnen. Mehr als verdient. Prismojeni profesorji bluesa sind nämlich außergewöhnliche Hartarbeiter, die sich darüber im Klaren sind, dass nachhaltiger Erfolg nur durch echten Einsatz und harte Arbeit entsteht. Aus dieser großen, fast »blutsverwandtschaftlichen« Kameradschaft des Quartetts stammt auch der bedeutungsvolle Titel ihres Studioerstlings »Familiy«.

Das Album mit zwölf Stücken ist ein echtes kleines Weltlexikon der Bluesmusik, in dem die Jungs praktisch alle Sphären dieses legendären Genres berühren. Die ideelle Leidenschaft und die kraftvollen Ambitionen zum Beweisen, die der Studioerstling der Jungs ausdrückt, sind kaum zu fassen.  Der Erstling spiegelt nämlich die vollkommen natürliche Reifung der einzelnen Quartetmitglieder wider, genauso wie die vollkommen natürliche musikalische Evolution der Band. Das ist diese Eigenständigkeit bzw. kreative Selbstgewachsenheit des Teams, vergleichbar mit dem Enthusiasmus natürlicher Talente, die vor vielen Jahrzehnten die Rockmusik auf die Beine gestellt haben. Einst ein selbstverständliches musikalisches Element, das aber heutzutage durch den zerstörerischen Korporativismus der grenzenlos gierigen und unersättlichen Musikindustrie stark bedroht ist.

Kurz gesagt. Alle zwölf Stücke (ohne „Intro“ und „Outro“) der vier »Wunderjungs« wirken in erster Linie ideell enorm vielfältig, abwechslungsreich und vielschichtig. Obwohl das Album sich durchgehend im Bluesgenre bewegt, erreicht es diese Variabilität mit spielerischer Leichtigkeit. Die Jungs setzen auf dem Album gleich drei Leadstimmen ein, die sie je nach expressiver Kompatibilität sinnvoll auf die einzelnen Stücke verteilen. Während Julijans Stimme vor allem Stücken zugute kommt, die mit dem Erbe des britischen »White Blues Booms« der Sechziger flirten, steht Zlatkos kehlig-maskuliner Gesang sogar der seelischen Größe schwarzer Künstler und dem Pioniergeist des Mississippi-Delta-Blues nahe – während Mihos machohaft-maskuliner Stil irgendwo auf der Mittellinie zwischen beiden Spielarten reitet. Alle drei Stimmen sind tadellos mit der englischen Sprache vertraut, die Metrik ist einwandfrei, und kein Hörer des Albums »Family« käme auch nur für einen Moment auf den Gedanken, dass Prismojeni profesorji bvluesa keine amerikanische oder angelsächsische Band wären. Slowenisch ist nämlich nur der Name der Gruppe. Nicht nur das Charisma der Stimmen, sondern auch die ungemein feinfühlige und gelebte instrumentale Darbietung, bei der Mihos durchgehend hochenergetische Mundharmonika mehrfach die Rolle des Gesangs übernimmt und die endlosen Soloabenteuer auf der Achse zwischen Julijans Gitarre und Mihos Mundharmonika – wobei in den Übergängen die laute rhythmische Kinetik von Zlatko und Bassist Miha in nichts nachsteht –, hält den Hörer durchgehend in hoher Spannung ob der unerwarteten Wendungen. Alles auf dem Album wirkt vollkommen natürlich, feinfühlig arrangiert, im Schein kompatibler Arrangements und mit aufrichtiger Herzlichkeit, die einen sofort mitreißt. Ob du Blues-Fan bist oder nicht, spielt keine Rolle mehr. Die gezeigte Leidenschaft ist es, die das Publikum gewinnt. Und das ist letztendlich das Wesentliche.

Die Jungs sind Fans der alten Schule britischer Bluesbands – von Cream über Nine Below Zero, Fleetwood Mac der »Peter Green Era«, Ten Years After bis zu John Mayall And the Bluesbreakers –, und es ist sofort klar, dass der filigran-feinmechanisch geschliffene Gitarrenmeister Julijan alle Tricks des legendären Jimi Hendrix bis ins kleinste Detail studiert hat. In dieses bunte Konglomerat eingewoben sind Momente, die sich auch von der Inspiration unvergesslicher Blues-Größen wie Albert King, Alisson Luther und Freddie King nähren – also an »Fingerpicking« mangelt es auch nicht! Parallelen zu den Instrumentals von Chet Aktins sind möglich.  Kurzum: das Album »Family« ist ein harter Knochen zum Nagen. Gespickt mit Informationen, die mit unglaublicher kreativer Sensibilität und gefühlsgeladener Energie präsentiert werden.

Obwohl Blues im Grunde Musik ist, die Leiden ausdrückt und Musiker darin gerne ständig über die Mühseligkeiten des Alltags »klagen«, drehen Prismojeni profesorji bluesa die ganze Geschichte auf die luzide Seite der Münze der Selbstironie und überwinden das Nörgeln mit dem Glühen des Optimismus – was der vollkommen unbeschwerten und kraftvoll sprudelnden Ausgelassenheit des Quartetts zugute kommt, wie sie das Album »Family« verkörpert. Ein Album von außergewöhnlicher Charisma, ein Album, auf dem die Jungs zwar kein heißes Wasser neu erfinden, das aber dennoch nicht nur wegen der tadellosen Darbietung, sondern auch wegen der Herzlichkeit und Begeisterung beim Musikmachen unwiederbringlich verzaubert. Ein Album, das in Zeit und Raum verloren ist und das an jeder Ecke überrascht. Ein Album voller ungezähmter Energievoltage, bei dem nur eines dominiert: die ehrliche Liebe zur Musik, der man sich hingegeben hat und die man erschafft und darbietet. Ein Album, das produktionstechnisch den ursprünglichen Moment des Retrosounds der guten alten Zeiten eingefangen hat, als noch Aufnahmetapes benutzt wurden und man beim ersten Versuch wissen musste, wie man einen Song spielt. Ein Album, bei dem dich dieses (heute) seltene Gefühl überkommt, dass es vom bloßen Instinkt hochsensibler Musikseelen angetrieben wird.

Prismojeni profesorji bluesa sind eine Band, die – unbescheiden gesagt – dafür geboren ist, die Bühnen der internationalen Szene zu beherrschen und mit ihrer Musik auch den Rest der Welt zu erobern und zu begeistern.

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste:
1. Intro
2. Race Me Down the Street
3. Cold Sweat
4. Ragin‘ Mad
5. Big City Woman
6. Buzzaround
7. Why I Sing the Blues
8. Truck Driver
9. Keep On Groovin‘
10. Run Hilda
11. Down Behind the Gates
12. Cryin‘ Shame
13. Party Time
14. Outro

Besetzung:
Miha Erič – Gesang, Mundharmonika
Julijan Erič – Gesang, Gitarre
Zlatko Đogič – Gesang, Schlagzeug
Miha Ribarič – Bassgitarre 

MITWIRKENDE MUSIKER:
Borut Činč – Hammond-Orgel 
Andrej Tomazin – Percussion
Domen Gracej – Trompete
Jasna Kmetec – Saxofon 

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