Praises to the War Machine
Autor: Rok Klemše
Künstler: Dane, Warrel
Label: Century Media
Veröffentlichung: 2008
Warrel Dane ist im Metal ein verdammt bekannter Name, denn hinter ihm steckt eine der besten und einzigartigsten Stimmen des Genres. Dane hat schon mit den legendären Sanctuary bewiesen, dass er zu den stärksten Sängern zählt, die der Metal zu bieten hat, und mit Nevermore, die aus der Asche von Sanctuary hervorgegangen sind, hat er diesen Ruf nur noch gefestigt. Nach zwanzig Jahren Karriere, in denen er mit den zwei Kultalben von Sanctuary und den Diskografie-Perlen von Nevermore bewiesen hat, dass man ihn problemlos im selben Atemzug mit Namen wie Dickinson, Halford oder Tate nennen kann, präsentiert sich Warrel nun auch mit seinem Solo-Debüt Praises to the War Machine.
Garantiert hat jeder Nevermore-Fan die Ohren gespitzt, als die ersten Gerüchte über ein Soloalbum aufkamen, und war genauso besorgt, als Dane die beteiligten Musiker vorstellte. Den Großteil des Materials hat ihm nämlich Peter Wichers mitgeschrieben, ehemaliger Gitarrist von Soilwork, und klar ist: Peter reicht dem Nevermore-„Axeman“ Jeff Loomis nicht mal bis zu den Knien. Zum Glück war Dane aber nicht auf noch ein Nevermore-Album aus, darum geht’s bei einem Soloalbum ja letztlich auch gar nicht. Praises to the War Machine verhält sich zu den technischen Meisterwerken von Nevermore wie Mozarts Opus zu Barbie Girl… aber egal, die Musik dient diesmal als Unterlage für den phänomenalen Dane, vor allem die Gitarren helfen ihm kräftig mit Melodien und Harmonien. Am schönsten hört man das bei den langsameren, ruhigeren Nummern sowie bei Balladen und Halbballaden, in denen sich die Gitarrenlinien hervorragend mit Warrels mächtigem Gesang verschmelzen. Wichers‘ lückenhaftes Können zeigt sich bei den schnelleren, aggressiveren Songs, wo er nichts Umwerfendes zu bieten hat und bei simplen, tiefer gestimmten Akkorden und Metalcore-Breakdowns stehen bleibt. Aber sobald Dane über die Akkorde abhebt, sind die Schwächen schnell vergessen, auch wenn die Rhythmusgruppe ebenfalls ziemlich durchschnittlich ist. Die instrumentale Durchschnittlichkeit rettet in Messenger immerhin ein weiteres außergewöhnliches Solo von Danes Nevermore-Kollegen Jeff Loomis, und in The Day the Rats Went to War zeigt James Murphy (Death, Testament, Obituary) sein Sweeping-Können. Die wirklich stärkste Seite des Albums sind aber die enorm kraftvollen, tiefgründigen und vor allem sehr persönlichen Texte. Als außergewöhnlicher Texter hat sich Dane schon bei Sanctuary und Nevermore bewiesen, diesmal hat er seine persönlichsten und introspektivsten Gedanken in die Lyrics gegossen. Die Texte drehen sich um alles Mögliche: Glaubensverlust (When We Pray), Flucht in Drogen und Glauben (Obey), Depression (Let You Down), Danes Fantasiefrau (August), Selbstzerstörung (Your Chosen Misery), verlorenes Vertrauen in den Staat (The Day the Rats Went to War), und in Brother finden wir den persönlichsten Text, den Dane je geschrieben hat – er handelt vom Verhältnis zu seinem Bruder, mit dem er nicht mehr spricht. This Old Man ist eine weitere autobiografische Ballade, die von Danes Kindheitserinnerung an einen einsamen alten Mann erzählt, der ihm Geschichten auftischte. Dane hat außerdem noch zwei Coverversionen aufs Album gepackt, die wie schon die Nevermore-Cover echte Meisterstücke sind: Mit dem Goth-Klassiker Lucretia My Reflection verneigt er sich vor Sisters of Mercy, und aus der Mottenkiste zieht er einen obskuren Song von Paul Simon, Patterns.
Wie gesagt: Praises to the War Machine ist instrumental ein durchschnittliches Album, aber diesmal dienen die Instrumente einer der mächtigsten Stimmen im Metal. Dane glänzt einfach, egal ob bei aggressiven, kraftvollen Linien, epischen Refrains im Nevermore-Stil oder in ruhigeren, nachdenklichen und emotional aufgeladenen Momenten, in denen er sich diesmal vielleicht sogar am wohlsten fühlt. Wenn du bei Praises to the War Machine technische Perfektion erwartest, wie Nevermore sie liefern, wirst du enttäuscht sein – suchst du aber erstklassigen Gesang von einem der besten Interpreten von heute, wirst du mehr als zufrieden sein. Praises to the War Machine ist kein perfektes Album, aber Dane kann es mit Stolz neben das Werk von Sanctuary und Nevermore stellen.
Besetzung
Warrel Dane – Gesang
Peter Wichers – Gitarre, Bass
Matt Wicklund – Gitarre, Bass
Dirk Verbeuren – Schlagzeug
Produktion
Peter Wichers
Tracklist
1. When We Pray 03:38
2. Messenger 03:59
3. Obey 03:14
4. Lucretia My Reflection (Sisters of Mercy cover) 04:38
5. Let You Down 03:54
6. August 03:48
7. Your Chosen Misery 04:10
8. The Day The Rats Went To War 03:37
9. Brother 03:24
10. Patterns (Paul Simon cover) 04:01
11. This Old Man 03:43
12. Equilibrium 03:53