Pomladne sanje
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Vogelnik, Brina & Dovč, Janez
Label: Celinka
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 46:43
Wertung: 4.5/5
Janez Dovč und Brina Vogelnik gelten als zwei starke Künstlerpersönlichkeiten. Gemeinsam haben sie eine neue kreative Partnerschaft geformt, aus der ein neues Musikprojekt entstanden ist. »Pomladne sanje« ist das Album, das aus dieser Zusammenarbeit hervorgegangen ist. Solche Verbindungen sind stets ein Garant für ausdrucksstarke Einzigartigkeit.
»Pomladne sanje« ist ein Paradebeispiel für die perfekte Symbiose zweier Künstlerentitäten, ihrer musikalischen Welten, die auf begeisternde Weise zu einem einzigartigen Ganzen verschmelzen. Janez Dovč hat auf diesem Album seine ganze vielschichtige künstlerische Prägung und musikalische Wahrnehmung unter Beweis gestellt – seinen Witz, kurzum seine ungezügelte ideelle Freiheit. Er hat die meisten Arrangements und Melodien gestaltet und dabei seinen breiten musikalischen Charakter zur Schau gestellt. Er hat praktisch alle Instrumente auf dem Album selbst eingespielt und eine außerordentlich vielschichtige Klanglandschaft geschaffen, in die das vokale Spiel von Brina Vogelnik gekleidet ist.
Auch wenn Brina Vogelnik »bescheiden« nur den Gesang beigesteuert hat – die musikalische Kulisse wäre in ihren grundlegenden Ideen niemals so ausdrucksstark verdichtet, hätte nicht gerade Brinas besondere Stimme ihr vollblütiges Leben eingehaucht. Brina ist auch der Teil dieses Projekts, der alle Texte beigesteuert hat (ausgenommen die Vertonung von Pesem o zvezdah, die Tone Pavček gehört). Brina ist eine altgediente Meisterin des Theaters, des Eintauchens in viele Charakterbilder innerhalb der unterschiedlichsten künstlerischen Szenarien – oder allgemein gesagt: der Herausforderungen, die sie sich selbst als Künstlerin stellt. Auch diesmal ist die Verbindung zwischen Interpretin und Schöpferin der Botschaften der musikalischen Poesie außergewöhnlich! Tiefer, authentischer und intensiver in den Brunnen der Wahrhaftigkeit kannst du kaum greifen. Genau das ist der Trumpf von Brina Vogelnik und in diesem Fall des Albums »Pomladne sanje«.
Diesmal hat also das musikalische Bekenntnis in vollem Umfang gesprochen. Beide Künstler haben in der so geschaffenen Klanglandschaft ihr Optimum gefunden, in dem sie ihre Ideen einer freien Wahrnehmung des musikalisch-ausdrucksstarken Universums voll entfalten konnten.
»Pomladne sanje« ist ein Album voller feinfühliger, zerbrechlicher und bildhaft dosierter Gesten mit großer ausdrucksstarker Flexibilität. Auch wenn die sanfte und heitere musikalische Kulisse in der Instrumentenkollision über das Album hinweg nicht stark schwankt, ist die außergewöhnliche vokale Ausdrucksstärke von Brina Vogelnik in diesem Fall der Antriebsmotor der enormen dynamischen Durchlässigkeit dieses Werks – und im gleichen Atemzug der farbenfrohen Kollision vieler verschiedener Stimmungslagen, die sich auf begeisternde Weise zu einem bewegten musikalischen Körper vermischen! Gerade ihre Stimme voller sensitiver Feinfühligkeit, in der Gefühle von Sehnsucht bis zu verspielter Lebensfreude makellos aufleuchten, wirkt wie ein Spiegel, der in seiner ganzen Sensibilität das wahrnehmbare Innere des menschlichen Individuums und sein Zurückspiegeln auf die Reize der Umgebung umfasst. Jeder vokale „Reiz“ Brinas ist greifbar und erschüttert den Zuhörer dabei im Ausspielen aller eingefangenen Aufrichtigkeit buchstäblich! Die Wahrnehmungsstärke der Musikerin ist außergewöhnlich und der größte Reiz dieses musikalischen Werks. Man kann sagen, dass Brina ihre Seele auf den Songs ganzheitlich entblößt hat – was auch die größte Stärke des Bekenntnisses des Albums »Pomladne sanje« ist, wie auch seine größte Qualität.
Brinas Stimme schaukelt durchgehend auf der sanften Kulisse der Wellen der Klanglandschaft, die von organischen, warm gedrehten Klangteppichen des elektrischen Klaviers, Synthesizern und Akkordeon erzeugt wird. Stellenweise wird diese Landschaft (nach Bedarf) feinfühlig und präzise mit knappen Schlagzeugberührungen kontrastiert, die als unaufdringliche Markierung des Pulsierens (der Rhythmen) fungieren. Den Hintergrund füllt Dovč oft mit wunderschönen Improvisationseinlagen auf dem Akkordeon – aber all das ordnet er stets der Aufrechterhaltung der vollsinnlichen Musikalität der Songformen unter (Tivoli).
In musikalischer Hinsicht lässt sich über das einleitende „Raj“ sagen, dass es seine Musikalität auf den Grundelementen des Blues aufbaut. Es lebt vom Kontrast zwischen der einfachen Basslinie und Brinas Leadgesang, während hinzugefügte Vokalphrasen den Hintergrund atmosphärisch verdichten – sie fungieren als zusätzliches Instrument, was in Kombination mit dem Leadgesang in das abschließende atmosphärische Crescendo des Songs mündet. Das Album ist in seinen Versen insgesamt positiv und optimistisch ausgerichtet. Schon das folgende »Pesem o zvezdah« wirkt träumerisch, dabei aber volksliedhaft, im Sinne der Akzeptanz von Verschiedenheit unter uns (jedes Individuum ist ein abgeschlossenes, einzigartiges und unwiederholbares Ganzes) – was in Einklang liegt mit dem tiefen Visionärtum (im Fall der gewählten »pazifistischen« Vertonung) des zeitlosen Charakters von Pavčeks Poesie. „Sredi noči“ hält die Vibration des vorherigen Songs fest, und die sehnsuchtsvolle Träumerei der Gefühle wirkt darin noch ein Stückchen intensiver. Die Nacht hat eben ihre eigene Kraft.
Je mehr Brinas Stimme in das zarte Streicheln der Schleier von Janez Dovčs gewählter Klanglandschaft gekleidet ist, desto grandioser sind die Emotionen in den Versen – und desto stärker, das heißt noch intensiver, wirkt der einzelne Song in der Vermittlung seiner Botschaften.
Es gibt Momente, in denen das kabarettistische Element stärker betont ist, wie bei den schelmisch-verspielten Songs »Sončni dan« und »V pesku«. Einen starken Kontrast setzt »Luknja«, wo Dovčs Akkordeon wie gegossen wirkt – begleitet vom erneut tief nachempfundenen, einfühlsamen Vortrag der Verse durch Brina Vogelnik. Das ist einer jener Momente, in denen durch die gewählten Arrangements jener Charakter des Melos intensiver aufblitzt, der eine greifbare Verbindung zur traditionellen Volksmelodie schafft, wie sie nur für das slowenische geografische Gebiet typisch ist. Ein außergewöhnliches intimes Liebesbekenntnis und einer der stärksten Momente des Albums. Den zitternden Gegensatz dazu setzt auf dem Album unmittelbar das besonders feinfühlig gesungene „Srce“, das die Verletzlichkeit der menschlichen Seele in der Enttäuschung über eine verlorene Liebe betont. Es sucht Erlösung in der spirituell-emotionalen Erneuerung eines neu gefundenen Sinns persönlicher Existenz – was dann im weiteren Verlauf des Albums das schelmische „V pesku“ kontrastreich umreißt. Das kündigt die große Freude am Leben und seinem Genuss an, wenn du merkst, dass du wieder auf deinem richtigen Weg gelandet bist.
Man hat das Gefühl, dass sich das Album in Lernlektionen kürzerer Lebenskreise entfaltet, durch die wir auf unserem Weg reisen! Diese sind in einen großen Lebenskreis eingebunden, der durch die Geburt geöffnet und durch die Erfüllung der Mission des Individuums geschlossen wird. Auch wenn es sich bei diesem Album um das Projekt zweier musikalischer Entitäten handelt, wirkt es hinsichtlich des Beitrags von Brina Vogelnik wie ihr persönliches Ausdruckszeugnis – und ist damit in weitem Maße Singer-Songwriter-haft. Wie bereits erwähnt verleiht ihr die starke poetische Form der Botschaften in den Versen außergewöhnliche Glaubwürdigkeit, ebenso wie die unglaubliche Kraft des nachempfundenen Vortrags der Verse, der die vielfältigen Lebensprüfungen innerhalb der bildhaften musikalischen Aussage dieses Werks mit Sinn erfüllt.
Dieses Album bringt ein echtes Frühlingserwachen. Von allem, was wir wahrnehmen und um uns herum kosten. Es kommt zur richtigen Zeit zu uns. Es wirkt erweckend, füllt mit einem Quell brodelnder Emotionen die leeren Winkel unserer Seelen und wärmt uns nach dem Winterschlaf wohltuend auf, damit wir unsere Gedanken wieder auf kreative Taten in der Verwirklichung unserer Ziele richten. Eine außergewöhnliche Leistung, die in ihrer Vision nicht nur das außergewöhnliche chemische Wirken der musikalisch-künstlerischen Genies Brina Vogelnik und Janez Dovč veranschaulicht – sondern deren Mehrwert die einzigartige Mission des sensiblen Übermittelns jener wesentlichen Informationen an den Zuhörer ist, die zu einer großen spirituell-emotionalen Erneuerung führen. Ein Album von außergewöhnlicher ausdrucksstarker Tiefe und Breite, das dir helfen kann zu wachsen. Lass dich also gern darauf ein.
Besetzung
Brina Vogelnik – Gesang
Janez Dovč – Akkordeon , Fender Rhodes, Kontrabass, Ukulele, Synthesizer, Hammond-Orgel, Sounds, Hintergrundgesang
Produktion
Janez Dovč & Brina Vogelnik
Tracklist
1. Raj
2. Pesem o zvezdah
3. Sredi noči
4. Sončni dan
5. Luknja
6. Srce
7. v pesku
8. Pomladne sanje
9. Roža
10. Tivoli
11. The Still Of The Night