Louder Than Ever

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Pretty Maids
Label: Frontiers Records
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 52:22
Wertung: 4.5/5

Die Entscheidung der wieder spürbar kreativer aufgelebten dänischen Melodic-Hard-Rock-Legenden Pretty Maids, ein Album zu veröffentlichen, das neu eingespielte Songs aus ihrem Diskografie-Katalog mit brandneuen Tracks mischt, kommt wie gerufen. Es ist die perfekte Überbrückung der Wartezeit auf das neue Studioalbum der Band, das für das nächste Jahr geplant ist.

Nach dem außergewöhnlichen Album »Pandemonium« (2010), der handfesten Würdigung der ersten 30 Bandjahre mit dem Live-Album und der DVD »It Comes Alive« (2012) sowie dem Aufrechterhalten einer hochinspirierten Kreativität, die ins aktuelle Studioalbum »Motherland« (2013) geflossen ist – das allerdings nicht ganz so bravourös zünden konnte wie sein Vorgänger »Pandemonium« –, hat die Band einen richtigen Schritt gewagt und den Spaß an der Kreativität auf etwas andere Weise ausgelebt. Pretty Maids haben sich die Zeit genommen, im Songkatalog ihrer früheren Studioalben zu stöbern. Sie haben eine Reihe von Stücken ausgewählt, die sie live kaum je gespielt haben. Es handelt sich eigentlich um etwas in Vergessenheit geratene Juwelen aus den mittleren Jahren der Bandkarriere, also zwischen 1994 (Album »Scream«) und 2006 (Album »Wake Up In The Real World«). Diese haben sie in ein aktuell modernisiertes Klanggewand gesteckt, das charakteristisch für die Kompositionsweise der letzten beiden Studioalben ist, und die Arrangements erweitert beziehungsweise weiter belebt. Vor allem haben die Songs durch den betonten Kontrast im Dialog zwischen Keyboards und Gitarrenphrase gewonnen, die Atkinsons typischen Vokalstempel umschließen – er slalomt wieder souverän zwischen aggressiver Rauheit und sensibler, sinnlicher Verführungskraft, wenn er mit einem cleanen Vokalansatz herantritt (Wake Up In The Real World). Ken Hammer hat auch die Gitarrensoli aufgefrischt, und die Klangwand bebt wieder vor der massiven Wucht seiner Gitarrenphrasen.

Auch wenn das Album eine Begegnung von Alt und Neu ist, wirkt dieses Werk wie ein neues Studioalbum – dank der produktionstechnischen Klangeinheit und der Überarbeitung der Arrangements, durch die die älteren Songs einen Schritt näher an die aktuelle musikalische Schaffensphilosophie von Pretty Maids (in ihrer Millennium-Besetzung) heranrücken. Dadurch sind sie klanglich und stilistisch mit den vier brandneuen Songs angeglichen, die ihr auf diesem Werk findet. Erwartungsgemäß eröffnet einer dieser Songs, nämlich Derranged, das Album. Es ist die typisch aggressive Mischung aus der bekannten Zerstörungskraft der neuen Pretty Maids, die eine außergewöhnliche melodische Komponente in sich trägt, mit der die theatralische Wirkung im packenden Refrainmelodiegang ihren Höhepunkt erreicht. Vom mitteltempigen, ebenfalls neuen My Soul To Take lässt sich sagen, dass es die ausdrucksstarke Stimmung des großartigen Singles Little Drops Of Heaven vom Album »Pandemonium« einfängt. In der zweiten Hälfte stoßen wir auf einen weiteren äußerst lebhaften, aber mit düster-vampirischer Haltung verführerischen neuen Song. Das ist Nuclear Boomerang, für den die Band ein neues Video und eine Single veröffentlicht hat. Mit diesem Song liefern Pretty Maids einen der aggressivsten Tracks des Albums »Louder Than Ever«. Bezeichnend, oder? Zum Abschluss hin wirkt die besonders packend und balladenhaft verführerische A Heart Without A Home, die die sonst außerordentliche Wucht des restlichen Albums so wirkungsvoll auflockert. Eine ausgezeichnete Ballade, ohne eine Spur von zuckersüßem Kitsch. Die älteren Songs? Sie wirken brillant. Besonders Tracks wie Wake Up In The Real World, Virtual Brutality oder With These Eyes. Favoriten herauszugreifen fällt schwer. Pretty Maids haben für »Louder Than Ever« außerordentlich starke Songs (in kompositorischer Hinsicht) ausgewählt, und Qualitätsschwankungen gibt es keine.

»Louder Than Ever« rechtfertigt seinen Titel. Neben der außerordentlichen Lautstärke und Wucht, die der nach der einzigartigen Pretty-Maids-Rezeptur des neuen Millenniums abgestimmte Rock ’n‘ Roll mitbringt, ist diese Band so verdammt erfahren, dass sie bei den gewünschten Auffrischungen einfach die Kompositionsformel der Alben »Pandemonium« und »Motherland« angewendet hat – die Idee für »Louder Than Ever« war damit eigentlich trivial umzusetzen. Dabei hat Keyboarder Morten Santander eine der zentralen Rollen gespielt und einen bedeutenden Anteil an der außergewöhnlichen atmosphärischen Aufwertung der aufgefrischten Songs aus dem älteren Bandfundus beigetragen. Angesichts der außerordentlichen Ausgefeiltheit der vier neuen Songs muss man auch nicht befürchten, dass Pretty Maids mit ihrem nächsten echten Studiowerk irgendwie enttäuschen könnten.

Zum Schluss bleibt uns nur noch ein einziger Gedanke. Eigentlich ein Wunsch. Hoffen wir, dass Pretty Maids auf ihrer neuen Europatournee im Mai dieses Jahres unter anderem das Album »Louder Than Ever« in seiner Gesamtheit spielen werden. Wir sehen uns am 15.05.2014 live mit Pretty Maids, wenn die Band im österreichischen Velden am Wörthersee im dortigen Klub Bluesiana Rock Cafe auftritt.

Besetzung

Ronnie Atkins – Gesang
Ken Hammer – Gitarre
Morten Sandager – Keyboards
Rene Shades – Bass
Allan Tchicaja – Schlagzeug

Produktion

Jakob Hansen

Trackliste

1. Deranged*
2. Playing God
3. Psycho Time Bomb Planet Earth
4. My Soul To Take*
5. He Who Never Lived
6. Virtual Brutality
7. Tortured Spirit
8. With These Eyes
9. Nuclear Boomerang*
10. Snakes In Eden
11. Wake Up To The Real World
12. A Heart Without A Home*

* … neue Songs

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